Das Dorf in der Landwehr erinnert alljährlich am Todestag von Friedrich Hanselmann, Leonhard Gackstatter und Leonhard Wolfmeyer an den Terror der SS, dem am 10. April 1945 die drei Männer und eine Woche später weitere 17 Menschen bei den von der SS provozierten sinnlosen Kämpfen zwischen der US-Armee und der Wehrmacht zum Opfer fielen.

Die Erinnerung an die Tragödie von Brettheim "nimmt uns in die Pflicht, den Menschen und die Menschlichkeit in den Mittelpunkt unseres täglichen Lebens zu stellen", sagte der Brettheimer Ortsvorsteher Reiner Groß am Sonntag bei der Gedenkfeier an den Linden vor dem Friedhof, die vom örtlichen Posaunen- und Kirchenchor umrahmt wurde.

An die in Brettheim schon seit Jahrzehnten gepflegte, "beispielhafte Erinnerungskultur" knüpfte Oberbürgermeister Walter Hartl in seiner Rede an: Gedenkstätten wie im Brettheimer Rathaus machen "Geschichte greifbar, da nicht nur nackte Zahlen anonymer Opfer im Raum stehen - diese Opfer haben Namen und Gesichter, es sind Menschen wie du und ich". Zudem werde hier die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Täter "emotional fühlbar".

Heute sei es "wichtiger denn je, diese Erinnerungskultur wachzuhalten" und "entschieden für den Erhalt unserer demokratischen und auch unserer christlichen Werte" einzutreten - in einer Zeit, in der hierzulande Brandsätze gegen Flüchtlingsunterkünfte fliegen, Pfarrer aus Schwarzafrika ihren Dienst wegen Morddrohungen quittieren und Fremdenhass laut einer Studie der Otto-Berner-Stiftung "auch von der AfD als bewusstes Wahlkampfmittel eingesetzt wurde", sagte Walter Hartl.

Erst recht kann es nach Ansicht des Rothenburger Stadtoberhauptes keine Toleranz für die Demonstrationen und Kundgebungen von rechtsradikalen Gruppierungen geben, die die Sorge zahlreicher Menschen über die Auswirkungen des Flüchtlingszustromes auf unsere Gesellschaft nutzen, "um für ihre menschenverachtende Gesinnung" und ihr "völkisch-nationalistisches Gedankengut" zu werben. Walter Hartl zitierte hier den kürzlich gestorbenen Schriftsteller Umberto Eco: "Um tolerant zu sein, muss man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen."

Dass sich über die ganzen Jahre hinweg so viele Menschen "im Gedenken an diese drei aufrechten Männer" unter den Friedhofslinden in Brettheim versammelt haben, wertete Walter Hartl auch als Zeichen der Hoffnung: "Es ist dies ein Signal, das zeigt: Wir wollen wachsam sein, weil sich Ähnliches nicht wiederholen darf." Der Mut dieser Männer sei "Mahnung und Vorbild zugleich."