Die ehemals freie Reichsstadt war schon öfter für Wahlüberraschungen gut. So blickt man gespannt auf die Kommunalwahl am 15. März, denn der bisherige parteilose Amtsinhaber Walter Hartl, 63, tritt nach 14 Jahren nicht mehr an. Zwei mittelfränkische Kandidaten und eine württembergische Kandidatin sind bislang nominiert.

Bei der CSU hat man sich mit Oberstudiendirektorin Martina Schlegl, 48, für eine Bewerberin aus dem Bildungssektor entschieden, die in Rothenburg geboren ist. Seit 2017 leitet sie das Gymnasium Tauberbischofsheim.

Alle drei Bewerber bringen Erfahrungen mit

Der Kandidat für die Freie Rothenburger Vereinigung (FRV), Dr. Markus Naser, 38, ist den Bürgern vor allem als Vorsitzender des Vereins Alt-Rothenburg bekannt. Der Wolfsauer bringt bei den Themen Stadtsanierung, Denkmalschutz und allgemeine Stadtentwicklung einige Erfahrung mit.

Die Sozialdemokraten, die bis 2006 mit Herbert Hachtel drei Perioden den Oberbürgermeister gestellt hatten, präsentieren in Harry Scheuenstuhl, 57, aus Wilhermsdorf einen Kandidaten mit kommunal- und landespolitischer Erfahrung sowie Verwaltungskenntnissen. Er war nicht nur Gemeinderat und Kreisrat, sondern auch zwei Perioden 1. Bürgermeister der 5600 Einwohner zählenden Marktgemeinde im Landkreis Fürth. Von 2013 bis 2018 gehörte er auch dem Bayerischen Landtag an.

Erste Wahlprospekte flattern derzeit in die Briefkästen. Eigentlich wollen alle intensiv den Kontakt zur Bevölkerung suchen. Als zentrales Thema sehen die drei Bewerber den Erhalt des Krankenhauses in Rothenburg an. Und übereinstimmend erklären Bewerberin und Bewerber auch, wie sehr ihnen die Altstadt, aber ebenso die Stadt als Ganzes mit den Neubauvierteln, mehr Wohnungsbau und der Industrie- und Gewerbestandort sowie die Bildungsstadt am Herzen liegt.

Gravierende Unterschiede lassen sich zumindest derzeit noch kaum erkennen, höchstens leicht unterschiedliche Schwerpunkte. Die CSU-Kandidatin betont die Bedeutung der Bildung und unterstreicht, auch Verwaltungserfahrung zu haben. Zuhören, Probleme erkennen, analysieren und energisch anpacken sei notwendig. Das traue sie sich zu.

Soziales dürfte in den Wahlprogrammen auftauchen

Bezahlbarer Wohnraum und ein Leerstandsmanagement haben sich alle auf die Fahnen geschrieben, Soziales dürfte zudem in den Wahlprogrammen auftauchen, vor allem die Kindergartenversorgung. Umwelt- und Klimaschutz möchte niemand auslassen, wobei Harry Scheuenstuhl schon Bauprojekte ankündigt. Er sieht sich als Rot-Kreuz-Kreisvorsitzender und verheiratet mit einer Chefärztin auch dem Krankenhausthema besonders nahe.

Prognosen finden nur unter der Hand statt

Dr. Markus Naser betont Kriterien, die „Rothenburg liebenswert machen”, vor allem biete es eine der schönsten Altstädte Deutschlands. Auch lebten hier viele Nationen friedlich zusammen, was den Ort auszeichne.

Über die Erfolgsaussichten zu spekulieren ist müßig, aber unter der Hand werden schon Prognosen erstellt, wer am ehesten in die Stichwahl kommen dürfte. Und da weder die Grünen noch die Unabhängigen Rothenburger (UR) bislang mit eigenen Bewerbern aufwarten, kann sich rein theoretisch immer noch jemand ums Amt bewerben. Eine mögliche Stichwahl könnte den Wahlkampf noch mal verlängern.