Rettungsdienst Rotes Kreuz im Haller Land kämpft weiter um Rettungsfrist

Vorsitzender Karl Rosenhagen (von links) ernennt in Fichtenberg Ehrenmitglieder für den DRK-Kreisverband: Regina Mutschler (Bereitschaft Schwäbisch Hall), Gerhard Bahrmann (Bereitschaft Frankenhardt) und Hans-Dieter Krauseneck (Bereitschaft Schwäbisch Hall).
Vorsitzender Karl Rosenhagen (von links) ernennt in Fichtenberg Ehrenmitglieder für den DRK-Kreisverband: Regina Mutschler (Bereitschaft Schwäbisch Hall), Gerhard Bahrmann (Bereitschaft Frankenhardt) und Hans-Dieter Krauseneck (Bereitschaft Schwäbisch Hall). © Foto: Oliver Färber
Fichtenberg / Oliver Färber 04.10.2017
Bei der Delegiertenversammlung des DRK-Kreisverbands Schwäbisch Hall-Crailsheim in Fichtenberg ist der Punkt „Einhaltung der Rettungsfristen“ das Hauptthema.

Leicht hat es eine Hilfsorganisation wie der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in dieser Zeit nicht, wie Dr. Karl Rosenhagen am Freitagabend in der Fichtenberger Gemeindehalle erneut deutlich machte: Der Kreisvorsitzende musste den Delegierten aus den DRK-Bereitschaften und Ortsvereinen des Haller Lands samt Gästen manchen bitteren Wermutstropfen einschenken. Der Kampf, den der Verein laut Rosenhagen nicht aufgeben will, gilt der Einhaltung der gesetzlichen Frist, innerhalb der die Rettungswagen (RTW) und Notärzte an einem Unglücksort eintreffen müssen – und dem bundesweiten Personalmangel im Rettungsdienst.

Immerhin wurde durch verschiedene Maßnahmen erreicht, dass im Bereich der RTW das vom Gesetzgeber gesteckte Ziel fast erreicht wurde: In 93 Prozent – statt der geforderten 95 Prozent – aller Fälle traf die Hilfe innerhalb von 15 Minuten ein. Kopfzerbrechen bereiten die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF), mit denen man im Landkreis Hall sogar unter den 90 Prozent bleibt. „Deshalb wurde ein Gutachten erstellt“, so Rosenhagen.

Zum 1. Januar 2018 wird nun der 24-stündige Notarztdienst vom Haller Diak in die Rettungswache West verlegt. Am Klinikum selbst soll es zusätzlich einen Zwölf-Stunden-Notarztdienst geben. Entsprechend wird in Crailsheim reagiert: Das ständig besetzte NEF wird ab dem kommenden Jahr im Westen ausrücken, am Kreiskrankenhaus wird die Johanniter-Unfallhilfe ein neues Fahrzeug zwölf Stunden besetzen. „Trotzdem ist das noch keine zufriedenstellende Lösung.“

Ärzte und Sanitäter fehlen

Ob weitere Notarztschichten überhaupt besetzt werden könnten, stellte Rosenhagen in Frage. Schon jetzt sei es eine Meisterleistung, dass an den vorhandenen vier Standorten Ärzte für 1460 Dienste gefunden wurden – bei Krankheit auch manchmal in kürzester Zeit, damit kein Fahrzeug unbesetzt blieb. Personalnot betrifft aber auch den Rettungsdienst und Krankentransport. „Noch bekommen wir’s hin.“ Sofort könnte der Verband sechs Notfallsanitäter einstellen, aber der Arbeitsmarkt sei bundesweit leergefegt. Man kooperiere mit den Maltesern, um Personallücken zu schließen. Ein Grund für die Misere: Das Berufsbild des Rettungsassistenten mit zweijähriger Ausbildungszeit wurde zugunsten des Notfallsanitäters aufgegeben. Für diesen ist eine dreijährige Ausbildung nötig.

Auf diese Weise fehlt ein Ausbildungsjahrgang. Hinzu kommt, dass sich die derzeitigen Rettungsassistenten über eine Ausbildung (diese dauert zwischen sechs Wochen bis neun Monaten) zum Notfallsanitäter weiterbilden müssen. „So lange fehlen sie im Rettungsdienst“, verdeutlichte Rosenhagen. Zudem gingen Mitarbeiter in den Ruhestand. In zwei Jahren hofft er auf eine Entspannung.

Erneut rote Zahlen

Beim Krankentransport schrieb das DRK im Berichtsjahr 2016 erneut rote Zahlen: Rund 70 000 Euro legte der Verein drauf, um Erkrankte mit Fachkräften zu transportieren. Ansonsten wurde ein Überschuss erwirtschaftet, der in die Rücklagen fließt. Denn der Kreisverband hat Zukunftspläne, er will in Crailsheim in Hangarnähe ab 2021 ein Dienstleistungszentrum bauen.

Viel Lob gab’s für die 500 Ehrenamtlichen in den Bereitschaften, die 2016 rund 48 000 Stunden im Sanitäts- und Blutspendedienst geleistet haben. 150 Kinder und Jugendliche bringen sich beim Jugendrotkreuz ein. 350 Kurse wurden von 37 Ausbildern im Rahmen der Breitenausbildung angeboten.

Gesetzliche Vorschriften für schnelle Hilfe

Im Rettungsdienstgesetz des Landes Baden-Württemberg ist eine Hilfsfrist festgelegt. In 95 Prozent aller Fälle sollte deshalb ein Rettungswagen und ein Notarzt 15 Minuten nach einem Notruf über Telefonnummer 112 bei Verletzten oder Erkrankten eintreffen.

Im Landkreis Hall können dies die Rettungsdienste der dort eingesetzten Hilfsorganisationen derzeit noch nicht erreichen, obwohl es mittlerweile durch die Stationierung weiterer Rettungswagen beziehungsweise Verlängerung der Dienste bestehender Einsatzkräfte zu Verbesserungen gekommen ist. So steht beispielsweise im Crailsheimer Westen in der Nähe des Hangars tagsüber ein DRK-Rettungswagen zur Verfügung; mit der Neueröffnung der Rettungswache im Haller Western ist der dortige Rettungswagen rund um die Uhr besetzt. fär

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel