Eigentlich wollten die vier Sänger sich der klassischen Musik widmen, erklärte Tenor Rasmus Krigström den Zuhörern im Bürgerhaus in Rot am See. Aber dann hätten sie eine Folge der TV-Serie Simpsons gesehen, in denen ein Barbershop-Quartett zu hören war. Seitdem haben sie sich diesem Gesangsgenre verschrieben.

Für ihre Zuhörer hatten sie auch ein originales Barbershop-Stück mit im Programm: „Hello! Ma Baby“ von Joe Howard und Ida Emerson aus dem Jahr 1899, das erste Lied überhaupt, in dem es um das Telefonieren geht. Sie trugen es – wie die meisten Gesangsstücke an diesem Abend – voller Klangintensität und mit großer Homogenität im Zusammenklang vor.

Youtube Die „Ringmasters“ tragen ihr „Notre Dame Medley“ vor

Die von den „Simpsons“ inspirierten Ringmasters haben es zur Barbershop-Weltmeisterschaft gebracht

Krigström schloss aber auch eine Erklärung an, wie es nach den Simpsons weiterging. Dass es in den USA eine Weltmeisterschaft im Barbershop-Gesang gebe. Vier Anläufe hätten sie gebraucht, um schließlich den ersten Platz zu belegen – und das auch noch als erste Gruppe, die nicht aus Amerika kam.

Bariton Emanuel Roll erläuterte dem Publikum mithilfe von Irving Berlins „Blue Skies“, was die Besonderheiten des Barbershop-Gesangs sind: die Melodie im ersten Tenor, das Fundament des Basses, einige „Streusel oben drauf“ des zweiten Tenors und einige fremdartig klingende Sprünge im Bariton. Das kann dann auch schon mal gewitzt klingen, wie etwa zu „Java Jive“ von Ben Oakland.

Für das Vokalquartett sind aber auch die Popsongs der 1960er in den USA nichts Ungewöhnliches. Das bewiesen die „Ringmasters“ mit viel Drive zunächst mit „I Get Around“ von den „Beach Boys“. Später folgte der „59th Street Bridge Song“ von „Simon & Garfunkel“, bei dem die Sänger das „Feeling groovy“ unterstrichen.

Barbershop-Sänger bieten ihrem Publikum in Rot am See ein abwechslungsreiches Programm

Schön im Fluss war Billy Joels „The Longest Time“. „Under The Boardwalk“ von den „Drifters“ erhielt viel Groove – wobei sich Bassist Didier Linder humorvoll in den Vordergrund sang. Wunderbar wurde das einst von Louis Armstrong bekannte gemachte „What A Wonderful World“ von George David Weiss ausgekostet: zurückgenommen, mit viel Sinn für die Jazzharmonien und das Ausdeuten des Textes.

Als Kontrast folgte darauf eine Elvis-Überinterpretation von Roll als Imitator zu „All Shook Up“. Ähnlich innig wie „What A Wonderful World“ konnten die rund 100 Zuhörer im ausverkauften Bürgerhaus in Rot am See Paul McCartneys „Blackbird“ hören – mit einer Tendenz zu klanglicher Leichtigkeit mit Jakob Stenberg als Solist.

Musicaltöne brachten die vier Sänger vereinzelt ein. Gleich das erste Stück des Auftritts, ein mitreißendes „Tonight“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“, brachte aber auch ein bisschen musikalisches Posieren mit lang gehaltenen Schlusstönen.

Tedros „Teddy“ Teclebrhan in Schwäbisch Hall Der Gossen-Persifleur

Schwäbisch Hall

Traditionelle Gesänge

Es folgte ein schwedisches Jazzstück mit verhindertem Bass-Solo, zu dem die Sänger Instrumente wie Klarinette oder Trompete imitierten. Überhaupt widmeten sie sich im ersten Konzertteil auch traditionellen Gesängen aus ihrer Heimat. Dazu gehörte ein beschwingtes „Karaste broder“ von Carl Michael Bellman mit seinen Bierstubentanztönen oder ein traurig-inniges „Kung Liljekonvalje“ mit einem König, der um Prinzessin Liljekonvaljernö trauert.

Zu den innigsten, mit Hingabe vorgetragenen Songs des Abends gehörte auch Charles Chaplins „Smile“, auf den das Publikum im Bürgerhaus lang anhaltenden Beifall, Bravorufe und Begeisterungspfiffe folgen ließ. Beantwortet wurde dies mit gleich drei Zugaben.