Was Leonhard Wittmann wohl gesagt hätte, wenn man ihm einen Brettheimer Gin angeboten hätte? „Hä, Gin?“, wahrscheinlich. Und: „Woss is `n des fir a neimodisch’s Zeich?“ Hätte man ihm dann freilich Björn Duskes Spirituose auf Wacholderbasis eingeschenkt, hätte er genippt, geschlürft, geschluckt, dann wäre ihm sicher das Hohenloher Maximal-Lob „Ha, kou mer scho trinke“ über die Lippen gekommen. Behaupten wir jetzt einfach mal. Denn: Kou mer tatsächlich trinken, den Dry Gin „Leonhard“ aus dem Hause Duske. Sehr gut sogar – finden immer mehr Menschen in der Region. Seit 2016 gibt es das Getränk, mittlerweile bekommt man es nicht nur in Brettheim, sondern in verschiedenen Geschäften in der Umgebung, in Kneipen wie der Crailsheimer 7180-Bar, dem Anlagencafé in Hall und in Wirtschaften wie dem „Grünen Baum“ in Bettenfeld.

Das Brennen ist Tradition seit 1896

Ach ja, übrigens: Leonhard Wittmann war Björn Duskes Urgroßvater. Nach ihm ist der Gin benannt. 1896 gründete Wittmann eine Dampfbrennerei in Brettheim, nach dem Zweiten Weltkrieg führte sein Schwiegersohn Ernst Ehnes die Geschäfte, ehe dessen Tochter Ruth und Ehemann Bernd Duske übernahmen. Seit 2016 ist Björn Duske am Ruder. Zwischenzeitlich wurden in dem Betrieb unter anderem selbst Limonaden hergestellt, es gab eine kleine Mosterei, bis 2015 eine Getränkehandlung. Übrig geblieben ist die Brennerei.

Rot am See

Björn Duske, 39 Jahre alt, ist also mit dem süffigen Gewerbe aufgewachsen. „Beim Opa war ich immer dabei“, sagt er. Schnapsbrennen lernte er von Jugend an. Eine Ausbildung gemacht hat Duske dann aber bei „Franken Bräu“ in Riedbach als Bierbrauer. Mittlerweile ist er im Hauptberuf Zimmerermeister. Und weil er nicht nur Gin macht, sondern eine ganze Latte von Bränden und Geisten, muss er auch ein Stück weit Obstbauer sein. Denn für ihn gibt es eine Grundregel: „Ein Schnaps kann nur so gut werden wie die Rohstoffe, die man verwendet. Früher hieß es ja manchmal: Da kann die Ausschussware rein. Ich bin aber immer auf der Suche nach edlem Obst von hier.“

Zitrusnote ist wichtig für den Gin „Leonhard“

Als Duske die Brennerei übernahm, wollte er etwas Besonderes machen, ein Aushängeschild kreieren. Und die hippe Version des Wacholderschnapses, die gerne mit Tonicwater getrunken wird, schmeckte ihm nicht nur selbst gut, sondern auch dem Zeitgeist. Die Gin-Welle schwappte gerade von den Großstädten aufs flache Land, Duske surfte los – zuerst wie im Chemie-Unterricht, am Destillationskolben, Zutat zugebend, probierend, zugebend, probierend und so weiter. Bis er sein Rezept gefunden hatte. Wacholder ist die Basis, dazu kommt allerhand: Koriander, Kardamom, süßer Fenchel, Piment, Melissenblätter, Ysopkraut, Galgantwurzel, Kalmuswurzel, Lemongras, Kolanuss, Kranbeere, Kumquats, Limette, Orange.

Bildergalerie Ein Wochenende mit vielen Festen

Die Zitrusnote ist das, was sein Produkt im Vergleich zu anderen Gins aus Duskes Sicht vor allem charakterisiert. Neben dem klassischen Leonhard gibt es auch Sondereditionen mit Quitte-Ingwer, Hibiskusblüte und Tasmanischem Pfeffer. Mit „neimodische Zeich“ fürs gewisse Etwas halt. Am Hohenloher Stand auf der Grünen Woche in Berlin kam das Brettheimer Tröpfchen gerade deswegen hervorragend an.

Cocktailbar hat beim Zipfelfest geöffnet

Es soll übrigens nicht beim Gin bleiben: Duske will sich auch an andere „barfähige Spirituosen“ wagen. „Der Gin-Hype geht schließlich auch mal wieder vorbei“, sagt er. Man darf gespannt sein – und einstweilen während des Zipfelfestes (siehe Info) am Mixgetränk mit Wacholder-Zitrus-Note nippen. Die Cocktailbar mit hohem Gin-Anteil ist sicher auch heuer ein beliebter Anlaufpunkt bei den Besuchern.

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Das Zipfelfest-Programm am Wochenende


Auftakt zum Zipfelfest ist heute um 20.30 Uhr mit Bierausschank und Barbetrieb.

Am Samstag um 12 Uhr wird Fußball gespielt: Auf dem Sportplatz an der Turnhalle steigt der Zipfelpokal. Die Sieger werden um 18 Uhr auf dem Festplatz geehrt. Um 20 Uhr spielt der Musikverein Gebsattel, um 22 Uhr ist Kinderkino. Zipfelbar und Cocktailbar haben geöffnet.

Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst mit Posaunenchor und Gesangverein. Um 14 Uhr tritt der Brettheimer Kinderchor auf. Kinder kommen am Nachmittag zum Beispiel mit einer Spielstraße auf ihre Kosten, um 17 Uhr ist Bambini- und Jugendlauf. Dessen Sieger werden um 19 Uhr geehrt.