Vor dem Landgericht in Ellwangen hat am Montagvormittag der Prozess gegen den mutmaßlichen Sechsfachmörder von Rot am See begonnen. Adrian S. wird vorgeworfen, Ende Januar seine Eltern und vier weitere nahe Verwandte bei einem Familientreffen erschossen zu haben. Der Grund für die Zusammenkunft: die Beerdigung einer Großmutter in Sachsen.
Die Deutsche Presse Agentur und die AFP berichten dass der Angeklagte zu Beginn des Prozesses ein leidvolles Bild seiner Kindheit gezeichnet hat. So habe seine Mutter von Anfang an versucht, ihm zu schaden: „Sie hat mich auch damals schon misshandelt, auch wenn ich das als Kind nicht verstanden habe.“ So habe die Mutter während der Schwangerschaft mit ihm weiter die Antibabypille genommen, was bei ihm zu einer später korrigierten Fehlbildung der Harnröhre und der Hoden geführt habe. Er sei bis zum Ende der Grundschule Bettnässer gewesen und habe bis zum Alter von etwa 9 oder 10 Jahren Windeln getragen, gab der 27-Jährige an. Zudem habe die Mutter ihn wegen seines Geschlechts verspottet und ihm immer wieder weibliche Hormone ins Essen gemischt - da sie wollte, dass er ein Mädchen sei.
Laut seiner Aussage hatte der Angeklagte vor der Tat in einem Zustand von Angst und Abschottung gelebt. Er habe er die meiste Zeit in seinem Zimmer im Elternhaus verbracht und vor dem PC gesessen. Zudem habe er dort Überwachungskameras installiert, stets seine Tür abgeriegelt, diese nachts mit einem schweren Balken sowie einer Infrarot-Alarmschranke gesichert und die Telefonate seiner Eltern abgehört. So wollte er nach eigenen Angaben verhindern, dass seine Mutter ihn nicht tötet. „Ich habe allen Menschen um mich herum misstraut“, sagte er.
Die Staatsanwaltschaft zweifelt an der Richtigkeit dieser Aussagen. Nach ihrer Auffassung leidet der 27-Jährige möglicherweise an einer paranoiden Schizophrenie. Auch der psychiatrische Gutachter geht nicht davon aus, dass Vergiftungsversuche stattgefunden haben.
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Adrian S. bereut die Bluttat teilweise

Schon in der Anklageschrift stand, dass Adrian S., der die Tat gestanden hat, schon seit Jahren geplant habe, seine Mutter und seine Halbschwester - die von der Misshandlung gewusst haben soll - zu ermorden. Zu diesem Zweck sei er in einen Schützenverein eingetreten. Ein weiteres interessantes Detail der Anklageschrift, das bislang noch nicht bekannt gewesen war: Der Angeklagte habe ursprünglich in Betracht gezogen, Mutter und Halbschwester in der sächsischen Stadt zu töten, in der die Großmutter beerdigt wurde. Dazu sei er Tage vor der Zusammenkunft in Rot am See dorthin gefahren und habe die Umgebung ausgekundschaftet. Auf dem Rückweg habe er dann eine Pistole vom Kaliber 9 Millimeter besorgt - die Tat verübte er letztlich aber in Rot am See.
Die Ermordung seiner Eltern und der vier anderen Verwandten beschrieb Adrian S. vor Gericht als eine Art unkontrollierten Blutrausch: „In dem Moment hat sich das angefühlt wie in Zeitlupe.“ Insgesamt gab er 30 Schüsse ab, zweimal wechselte er das Magazin. Statt sich danach selbst zu erschießen, wie er es laut eigenen Angaben kurz in Erwägung gezogen habe, rief er danach die Polizei an.
Adrian S. bereut seine Tat zumindest in Teilen. „Ich wünschte, ich hätte es nicht getan“, sagte der 27-Jährige. Er sprach von „großen Unterschieden, was das Ausmaß der Reue angeht“. So habe seine Mutter sein Leben zerstört, aber die Ermordung seines Vaters sowie den Tod von Onkel und Tante habe er gleich nach der Tat bereut.
Die zentrale Frage in dem Verfahren wird die Schuldfähigkeit des Angeklagten sein. Der psychologische Gutachter soll am 5. Verhandlungstag seine Gutachten Vorstellen. Ein Urteil könnte am 10. Juli fallen.