Rot am See Kinderbetreuung: Rot am See setzt ein Zeichen

Für Krippen-  und Kindergartenkinder gibt es im Neubau an der Hauptstraße dieselbe Förderung.
Für Krippen- und Kindergartenkinder gibt es im Neubau an der Hauptstraße dieselbe Förderung. © Foto: dpa
Rot am See / Von Birgit Trinkle 17.05.2018
Der Verwaltung gelingt mit viel Beharrlichkeit die Änderung einer bestehenden Richtlinie zur Förderung von Neubauten in der Kinderbetreuung.

Der Bau ist längst beschlossen: Rot am See muss auf die steigenden Kinderzahlen reagieren und baut an der Hauptstraße einen weiteren Kindergarten. Nur bei der Förderung durch den Bund gab es noch Unsicherheiten. Bürgermeister Siegfried Gröner hat nun so beharrlich auf die Unsinnigkeit einer bestehenden Regelung hingewiesen, dass ihm schließlich die gewünschte Fördersumme zugesagt wurde. Eine Entscheidung, die Rot am See 200.000 Euro einbringt, die vor allem aber Signalwirkung für viele andere Kommunen in Baden-­Württemberg haben dürfte.

Drei Gruppen sollen im Neubau an der Hauptstraße untergebracht werden. Aus organisatorischen Gründen hat die Gemeinde beschlossen, zwei bereits bestehende Gruppen im Neubau und im Gegenzug zwei neue Krippengruppen im Altbau unterzubringen. Nun gibt es für jede neue Gruppe 120.000 Euro Förderung nach der „Verwaltungsvorschrift Investition Kinderbetreuung“ des Bundes. Für die Kinder bestehender Gruppen ist nur mit 2000 Euro pro Kind zu rechnen; für diese beiden Gruppen, so rechnete Gröner dem Gemeinderat vor, wären theoretisch lediglich 40.000 Euro fällig. Insgesamt hätte es bei diesem Neubau also für Rot am See 160.000 Euro Zuschuss gegeben. Deutlich weniger als 360.000 Euro für drei neue Gruppen. Damit waren Gröner und der Gemeinderat gar nicht glücklich. Der Bund will gemeinsam mit den Ländern 100.000 zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder unter sechs Jahren finanzieren und stellt dafür bis 2020 gut 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei solche Unterschiede zu machen, wenn doch für eine bestimmte Anzahl Kinder neu gebaut wird, ganz gleich wer letztlich wo untergebracht wird, stieß auf Unverständnis.

Gröner schilderte in der jüngsten Sitzung, dass er alle irgendwie an der Entscheidungsfindung Beteiligten angeschrieben und angesprochen und insbesondere die Abgeordneten eingebunden habe: „Das ist ein Unding, und das konnte mir auch niemand erklären.“ Für drei Gruppen werde gebaut, darauf komme es doch an.

Gute Nachricht

Am 8. Mai sei dann schließlich die Mitteilung aus dem Kultusministerium gekommen, dass nach erneuter Prüfung für alle drei  Gruppen je 120.000 Euro und damit der Höchstfördersatz gewährt wird. Dr. Friedrich Bullinger, Gemeinderat, aber auch einer der involvierten Landtagsabgeordneten, freute sich mit den anderen im Gremium: „Es geht was, wenn man mit vernünftigen Argumenten kommt.“ Baden-Württemberg neige zuweilen dazu, Bestimmungen aus Berlin allzu genau zu nehmen. Von dieser Entscheidung würden viele andere Gemeinden profitieren, prophezeite Bullinger. Auch Vertreter anderer Fraktionen freuten sich an dieser Entwicklung.