Rot am See Rot am See muss heftig an der Gebührenschraube für Abwasser und Wasser drehen

Die Wasseruhren in Rot am See ticken nicht schneller - aber die einschlägigen Gebühren pro Kubikmeter schnellen in die Höhe.
Die Wasseruhren in Rot am See ticken nicht schneller - aber die einschlägigen Gebühren pro Kubikmeter schnellen in die Höhe. © Foto: Ralf Hirschberger/dpa
HARALD ZIGAN 22.07.2015
Das Ende der Putenschlächterei hat unangenehme Folgen für die Bürger von Rot am See: Die Kommune muss die Abwassergebühren um happige 75,6 Prozent erhöhen. Auch der Wasserzins steigt um 22,7 Prozent.

An Vorwarnungen hat es nicht gefehlt: Schon im Mai 2014 machte Bürgermeister Siegfried Gröner keinen Hehl daraus, dass sich die dramatische Schließung der Putenschlächterei "Schloss Stetten" auch im Geldbeutel der Bürger unangenehm bemerkbar machen wird.

Der Grund: Die Firma hatte wie alle Schlachtbetriebe einen immensen Wasserbedarf. Allein im Jahr 2013 zum Beispiel bezog die Putenschlächterei noch 250.000 Kubikmeter - so viel wie alle übrigen Verbraucher in Rot am See zusammen. Und im Unternehmen fiel Abwasser in den entsprechenden Dimensionen an, für die auch die Leistung der Kläranlage ausgerichtet wurde.

Seit es diesen Großverbraucher nicht mehr gibt, driften in der Gemeinde Rot am See sowohl die Abwassergebühren als auch der Wasserzins immer mehr den Bereich der roten Zahlen.

Denn weniger Wasser und Abwasser bedeutet angesichts der fixen Unterhaltungskosten für die Infrastruktur von Wasserleitungen bis zu Kläranlagen noch lange keine sinkenden Gebühren - ganz im Gegenteil. Steigende Stromkosten, ein höherer Wasserpfennig und ein generell abnehmender Wasserverbrauch lassen allein schon beim Lieferanten, der Hohenloher Wasserversorgungsgruppe (HWG), die Preise stetig steigen.

Für Kommunen kommt noch das Dilemma hinzu, dass sie ihre Gebühren kostendeckend gestalten müssen, wenn man Zuschussquellen wie zum Beispiel den wichtigen Ausgleichstock anzapfen will.

An einem heftigen Dreh an der Gebührenschraube führte also kein Weg vorbei, nachdem der Kämmerer Martin Zanzinger den Gemeinderäten das Ungemach in Form einer Kalkulation präsentiert hatte. Rückwirkend zum 1. Januar 2015 klettert die Schmutzwassergebühr um 75,6 Prozent von bisher 1,64 Euro auf 2,88 Euro pro Kubikmeter. Während die Gebühr für das Niederschlagswasser noch um relativ moderate 14,3 Prozent auf 0,32 Euro angehoben wird, steigt der Wasserzins um 22,7 Prozent von bislang 1,85 auf 2,27 Euro pro Kubikmeter.

"Natürlich sind die Erhöhungen happig", sagte Bürgermeister Siegfried Gröner. Er verwies aber darauf, dass die Bürger bislang von der Putenschlächterei "extrem profitiert haben in Form von günstigen Gebühren".

In der Tat lag Rot am See im Kreisvergleich bislang an letzter Stelle in Sachen Schmutzwassergebühren und belegt jetzt bei durchschnittlich 2,86 Euro einen Platz im Mittelfeld. Derzeitiger Spitzenreiter ist hier Schrozberg mit 4,30 Euro.

Weiter nach vorne ins Mittelfeld rückt Rot am See beim Wasserzins, der im Kreis Hall durchschnittlich bei 2,15 Euro liegt. Bühlerzell steht hier mit 3 Euro an der Spitze.