Am 24. Januar, einem Freitag, tötete der 27-jährige Adrian S. in Rot am See sechs seiner Familienmitglieder in einem regelrechten Kugelhagel und verletzte zwei weitere schwer. Genau 24 Wochen später, am heutigen Freitag, wurde am Landgericht Ellwangen das Urteil verhängt: Der 27-Jährige muss eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren verbüßen. Er wird in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Das Gericht sah Adrian S. als vermindert schuldfähig. Eine solche Tat sei nur zu erklären als die „Tat eines psychisch schwer gestörten Täters, der teils besessen gewesen ist“, sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg am Freitag bei seiner Urteilsbegründung.
Der Angeklagte habe sich ab dem ersten Schuss in einem „Zustand der Raserei“ befunden und sei nicht mehr in der Lage gewesen, einen klaren Gedanken zu fassen. Der Richter sprach von „unbedingtem Vernichtungswillen“.
Mit dem Urteil entsprach das Gericht in großen Teilen der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Nebenkläger hatten eine lebenslange Freiheitsstrafe, die Feststellung der vollen Schuldfähigkeit sowie anschließender Sicherheitsverwahrung für den Angeklagten gefordert.

Tote in Rot am See Tatort der Schießerei in Rot am See am 24.1.20120

Der Verteidiger von Adrian S. hatte für eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren und die Unterbringung in eine Psychiatrie plädiert. Seiner Ansicht nach sei bei dem Todesschützen in allen der sechs Mordfälle von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen.
Richter Ilg sagte, die Unterbringung in der Psychiatrie diene nicht in erster Linie der Therapie des Angeklagten, sondern vielmehr dem Schutz der Allgemeinheit: "Der Angeklagte wird so lange in der Psychiatrie bleiben müssen, wie er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt." Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung und die Nebenkläger kündigten an, das Urteil zu prüfen.
In seinem Schlusswort nach den Plädoyers hatte Adrian S., der die Tat von Anfang an gestanden hatte, noch einmal Reue bekundet: „Es tut mir Leid. Ich bereue, was ich getan habe.“ Am liebsten wolle er die Zeit zurückdrehen und die Taten ungeschehen machen. „Niemand braucht Angst vor mir zu haben“, sagte er. Er wolle niemandem mehr etwas tun, auch nicht den beiden Neffen, die er am 24. Januar verschont hatte.

Rot am See/Ellwangen

Sechsfachmord hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst

Der 27-Jährige hatte jahrelang geplant, seine Mutter, seine Halbschwester und seinen Vater zu töten. Seine Mutter, weil er ihr vorwarf, ihn jahrelang mit weiblichen Hormonen vergiftet zu haben - eine Wahnvorstellung. Seine Halbschwester, weil er sie als Gehilfin der Mutter ansah. Und seinen Vater, weil er der Mutter „hörig“ gewesen war.
Zu diesem Zweck war Adrian S. vor Jahren in einen Schützenverein eingetreten, um legal eine Schusswaffe erwerben zu können. Während er ursprünglich geplant hatte, seine Mutter und Halbschwester zu entführen und langsam zu Tode zu foltern, richtete er stattdessen am 24. Januar 2020 mit einer Pistole vom Kaliber neun Millimeter im Gasthaus „Deutscher Kaiser“ in Rot am See ein Blutbad an. Zum Opfer fielen ihm nicht nur Mutter, Vater und Halbschwester sondern auch Onkel, Tante und Halbbruder. Zwei weitere Familienmitglieder kamen schwer verletzt, aber mit dem Leben davon.
Das Verbrechen hatte in der Gemeinde Entsetzen ausgelöst und bundesweit Aufsehen erregt. Während der Gerichtsverhandlung hatte der psychiatrische Gutachter Peter Winckler Adrian S. eine wahnhafte Störung in Kombination mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung bescheinigt und ihm keine günstige Prognose ausgestellt - da die Krankheit schwer zu behandeln sei und der Fokus der Wahnvorstellungen in Zukunft auf andere Personen „überspringen“ könnte.

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