Wann haben Sie die Entscheidung getroffen, vor dem Ende Ihrer regulären Amtszeit aufzuhören?

Jürgen König: Die Entscheidung, im April 2020 nicht für eine fünfte Amtszeit zu kandidieren, haben wir im Familienkreis an Weihnachten 2017 getroffen. Das muss man sich ja rechtzeitig überlegen, um die Öffentlichkeit frühzeitig informieren zu können. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch nicht an die Kommunalwahlen im Mai 2019 gedacht. Als die ganzen Termine vorlagen, hielt ich es für sinnvoller, neun Monate früher aufzuhören und die Wahlen zusammenzulegen, um Synergie­effekte zu erreichen. Sonst hätte ich jetzt im Sommer nach der Sitzungspause sagen müssen, dass ich nicht mehr für eine fünfte Amtszeit kandidiere. Dann hätte vielleicht der eine oder andere gesagt: „Hättest du das im Hinblick auf die Gemeinderatswahl nicht früher sagen können?“

Wie waren denn die ersten Reaktionen aus dem Gemeinderat, der Verwaltung oder Bürgerschaft auf Ihre Ankündigung, aufhören zu wollen?

Die waren auf jeden Fall überrascht. Es war mit Bedauern verbunden aus den unterschiedlichsten Richtungen. Das war letztendlich auch der Gedanke von mir: selbstbestimmt den Zeitpunkt wählen, an dem man aufhört. Wenn man in einem Wahlamt den richtigen Zeitpunkt erwischt, ist das für beide Seiten angenehmer.

Sie waren ja damals bei Ihrem Amtsantritt der jüngste Bürgermeister im Landkreis ...

… nicht nur im Landkreis, im ganzen Land Baden-Württemberg. Ich habe es jetzt nicht mehr ganz parat, aber ich meine sogar, die Bild-Zeitung schrieb damals von Deutschlands jüngstem Bürgermeister. Aber das lassen wir mal dahingestellt sein.

Ihr Nachfolger Julian Tausch ist auch noch recht jung. Freuen Sie sich, dass sich ein jüngerer Kandidat durchsetzen konnte?

Auf jeden Fall. Damals, 1988, war es schon ein Generationswechsel, und so ist es jetzt wieder. Mein Vorgänger, Ernst Weidner, war 16 Jahre lang Bürgermeister von Rosengarten und vor der Gebiets­reform in Baden-Württemberg schon 18 Jahre von Westheim.

Können Sie sich noch an Ihren allerersten Arbeitstag als Bürgermeister erinnern?

Im Detail nicht mehr. Aber die Erinnerung ist positiv behaftet. Da war nichts, wo man gesagt hätte: „Oh je, oh je“. Man muss eins dazu wissen: Ich war hier im Rathaus schon 1982 anderthalb Jahre in der praktischen Ausbildung. Ich habe das Rathaus also gekannt. Ich erinnere mich auch an meine beiden Damen im Sekretariat, die 18 und 21 Jahre waren, ich war 26. Und natürlich erinnere ich mich daran, dass wir damals noch elektrische Schreibmaschinen hatten, keine Bildschirme, kein Fax.

Was war eine Ihrer ersten Amtshandlungen?

Ich wollte das umsetzen, was ich im Wahlkampf angekündigt habe: mehr Bürgernähe. Deshalb habe ich vom Bauhof einen Durchbruch für eine neue Tür zu meinem Amtszimmer machen lassen. Zuvor kam der Bürger nur über das Sekretariat zum Bürgermeister, das wollte ich schnell ändern.

Was ist das prägendste Erlebnis Ihrer Amtszeit?

Da muss man differenzieren. Wir sind in der glücklichen Lage – wenn ich das vergleiche mit Braunsbach –, dass wir keine großen Katastrophen hatten. Natürlich sind Sie auch in einer Kommune mit 5000 Einwohnern mit allem Freud und Leid konfrontiert, auch mit schlimmen Einzelschicksalen. Durchschnittlich 50 Geburten im Jahr sind zum Beispiel ein Grund zur Freude. Auf der anderen Seite nicht zu vergessen auch die durchschnittlich 50 Sterbefälle pro Jahr. Das heißt, in der Zeit, in der Sie für eine Gemeinde tätig sind, sterben so viele, wie geboren werden. Ein schwerer Schlag war auch der überraschende Tod eines Gemeinderats. Oder auch die Großbrände, ob nun das Wohnhaus in der Ziegelmühle oder aktuell die Metzgerei in Uttenhofen. Das sind Sachen, die einen belasten. Aber prägend? Die positiven Eindrücke überwiegen bei mir.

Was war denn Ihr größter Erfolg?

Ich würde das jetzt nicht an Projekten festmachen. Sondern eher daran, dass es uns gelungen ist, das „Rosengarten-Bewusstsein“ zu schärfen. Ich war ja sozusagen der erste „echte“ Rosengartener Bürgermeister, da Ernst Weidner zuvor schon Bürgermeister von Westheim war. Das habe ich als Chance begriffen. Und „unser Rosengarten“ hat auch nach außen hin einen guten Ruf.

Sie würden also sagen, dass sich die Bürger mit ihrem Rosengarten identifizieren?

Ja, absolut. Es ist völlig okay, wenn man sagt, ich komme aus Westheim, Rieden oder Utten­hofen, aber die Identifikation, man lebt in der Gemeinde Rosengarten, die ist schon da. So etwas muss erarbeitet werden, das ist etwas völlig anderes als bei gewachsenen Kommunen wie zum Beispiel Kirchberg oder Vellberg.

Rosengarten

Sie haben in all den Jahren unzählige Projekte begleitet. Gibt es noch etwas, das Sie noch gern zu Ende gebracht hätten?

Der Zeitpunkt, als Bürgermeister aufzuhören, ist nie geschickt. Das gilt auch für Projekte. Nehmen wir als Beispiel die Ballsporthalle, die genehmigt und finanziert ist. Es ist nur noch eine Frage der Umsetzung. Eine weitere Herausforderung wird die Zukunft des Lebensmittelmarktes in Westheim. Nahversorgung ist eines der Themen, die immer wiederkehren. Das wird sicher auch der Nachfolger gut bewältigen.

Werden Sie eigentlich in Rosengarten wohnen bleiben?

Wir haben die Absicht, hier wohnen zu bleiben, und gehen davon aus, auch als normale „Königsfamilie“ akzeptiert zu werden. Da­rauf freuen wir uns. Bisher war es nämlich so: Ich habe das Amt mit Haut und Haaren gelebt, dann bist du eigentlich immer gefordert. Das habe ich auch gerne gemacht. Man kann sich ja kein Schild umhängen „Ich habe heute frei oder Urlaub“. In Zukunft bin ich dann nicht mehr zuständig und verantwortlich. Das muss dem Bürger klar sein.

Haben Sie vor, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Durchaus denkbar, allerdings erst mal nicht in der eigenen Gemeinde. Neulich habe ich mich amüsiert: Der Gemeindetag bietet Seminare an für jüngere Bürgermeister, die neu im Amt sind, mit einem Punkt „Konflikte mit dem Amtsvorgänger“. Da musste ich schmunzeln, weil es das definitiv in Rosengarten nicht geben wird. Ich werde mich völlig aus dem Tagesgeschäft heraushalten. Es gibt ja so Extrembeispiele wie Kollegen, die sich dann in den Gemeinderat wählen lassen oder andere verrückte Dinge.

In den Gemeinderat wollen Sie also nicht in fünf Jahren?

Nein, nein, um Gottes Willen. Also es wird wirklich ein absoluter Schnitt. Mein Nachfolger muss die Möglichkeit haben, es so zu machen, wie er es für sinnvoll hält.

Fast 32 Jahre im Amt ist ein Pfund. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die moderne Verwaltung verändert?

Nicht nur die Verwaltung, auch die Gesellschaft hat sich durch das digitale Zeitalter verändert. Das gilt natürlich auch fürs Rathaus. Damals gab es nur elektrische Schreibmaschinen, die ich schnell gegen welche mit Bildschirm getauscht habe. Heute haben wir schon das fünfte PC-Netz.

Was war denn Ihre erste E-Mail, privat oder geschäftlich?

Das war definitiv geschäftlich. An wen die ging, weiß ich nicht mehr. Sicherlich an irgendwen im Rathaus. Die Digitalisierung hat die Verwaltung total verändert, auch die Abläufe. Wo man früher noch etwas diktiert hat, macht man es heute schnell selber. Und auch die Geschwindigkeit hat sich verändert. Wenn Anfragen per Mail kommen, wird eine schnelle Antwort erwartet. Bei komplexen Zusammenhängen kann das auch mal etwas dauern, wenn es noch was zu recherchieren gibt. Der Druck durch das Digitale ist definitiv höher.

Gehen Sie eigentlich richtig in den Ruhestand oder werden Sie nach einer neuen Aufgabe suchen?

Angenehm ist die erst einmal bevorstehende Urlaubszeit. Danach will ich mir ein halbes Jahr Auszeit nehmen und mich auf Dinge konzentrieren, die liegen geblieben sind. Danach kann ich mir vorstellen, den erworbenen Sachverstand und das Know-how noch mal einzubringen. Eine konkrete Aussage kann ich da noch nicht machen. Es könnte durchaus eine beratende Tätigkeit sein, aber eher in selbstbestimmter Teilzeit.

Was werden Sie an Ihrer Arbeit vermissen und was nicht?

Vermissen werde ich die oft über Zehn-Stunden-Tage und die  Rund-um-die-Uhr-Verantwortung sicher nicht. Aber die Mitarbeiter, engagierte Mitstreiter, das vielfältige Tagesgeschehen und viele lieb gewonnene Abläufe wie beispielsweise die Vorbereitung und Leitung von Sitzungen werde ich sicher vermissen.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Ich wünsche ihm, dass er auf der Basis, die wir miteinander aufgebaut haben, einen guten Start hinbekommt und mit dem, was vorhanden ist, die positive Entwicklung der Gemeinde auch in Zukunft gewährleisten kann. Möge ihm das auf seine eigene Art gelingen. Das Gute an demokratischen Wahlämtern ist: Der Wechsel ist immer auch mit vielen Chancen verbunden.

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Rosengarten

Erst im Landratsamt, dann Bürgermeister


Jürgen König wurde 1961 in Tübingen geboren. 1966 zog die Familie nach Gaildorf, wo Königs Vater Hans zum Bürgermeister gewählt worden ist. Nach dem Abitur und zwei Jahren bei der Bundeswehr absolvierte König ein Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Nach dem Diplom arbeitete König zwei Jahre im Haller Landratsamt als Geschäftsführer des Kreistags, als Pressereferent und Referent des Landrats. Am 16. April 1988 wurde er erstmals als Bürgermeister von Rosengarten verpflichtet. Seit 1987 ist König mit seiner Frau Andrea König verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder. noa

Info Am kommenden Montag, 22. Juli, lädt die Gemeinde Rosengarten anlässlich der Verabschiedung von Bürgermeister Jürgen König zum Bürgerfest. Ab 19 Uhr wird rund um die Feuerwache gefeiert.