Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat Ende Dezember davon berichtet, dass jede dritte Lebensmittelkontrolle in Deutschland ausfällt. Als Schlusslichter der Befragung für das Jahr 2018 werden die Bundesländer Berlin und Bremen genannt. Bei den 44 befragten Behörden in Baden-Württemberg liegt die Soll-Erfüllungsquote zwischen 50 bis 75 Prozent.

Mehr Restaurants und Lebensmittelbetriebe als bei den Nachbarn

Doch wie steht der Landkreis Hall da? Foodwatch nennt für 2018 eine Quote von 79 Prozent. Das Soll sieht 3168 Kontrollen vor, der Landkreis meldetet 2495 durchgeführte Kontrollen. Es gab 8442 zu kontrollierende Lebensmittelbetriebe, 4083 zählen zu den Primärerzeugern. Im Vergleich mit den Nachbarkreisen ergibt sich folgendes Bild: Der Hohenlohekreis kommt auf 87 Prozent der Soll-Erfüllung, der Ostalbkreis auf 77 Prozent und der Rems-Murr-Kreis auf 62 Prozent. Im Landkreis Hall gibt es allerdings auch mehr Lebensmittelbetriebe als in der Nachbarschaft.

„2019 erfolgten bislang 2353 planmäßige Routinekontrollen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl aus dem Jahr 2018 mit knapp 2500 Kontrollen wieder erreicht wird“, lässt Dr. Werner Schreiber, Leiter des zuständigen Amts für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, durch die Pressestelle des Landratsamts mitteilen. Damit werde das Soll regelmäßig zu etwa 80 Prozent erfüllt.

Im vergangenen Jahr seien bis Mitte Dezember 230 Verstöße festgestellt worden. Das sind 20 mehr als im Vorjahr. „Die mit Abstand häufigste Beanstandungsursache liegt in Hygieneverstößen, gefolgt von Kennzeichnungsmängeln“, führt das Landratsamt weiter aus. Die Ahndung erfolge in gravierenden Fällen über Straf- oder Ordnungswidrigkeitenverfahren. Diese beliefen sich einschließlich gebührenpflichtiger Verwarnungen jährlich auf rund 50 derartige Verfahren. „Da unsere Lebensmittelüberwachung eine konsequent präventive Vorgehensweise verfolgt, wurden zudem in den vergangenen Jahren jeweils 80 bis 100 förmliche Verwaltungsverfahren eingeleitet“, ergänzt das Landratsamt.

Kontrolleure im Kreis Hall sind relativ zufrieden

Foodwatch bemängelt regelmäßig die personelle Ausstattung der Kontrollbehörden. „Wie unsere Recherchen belegen, können die Plankontrollen in keinem Bundesland eingehalten werden, weil die politischen Entscheidungsträger am Personal sparen“, schreibt die Organisation in einer Pressemitteilung. Im Landkreis zeigt man sich mit dem vorhandenen Personal indes relativ zufrieden. Im Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz sind für die Lebensmittelüberwachung derzeit acht Lebensmittelkontrolleure, drei Amtstierärzte sowie ein Verwaltungsvollzugsbeamter zuständig. Ab Januar 2021 kommt eine weitere Stelle für einen Lebensmittelkontrolleur hinzu. Hinzu kommen 13 amtliche Tierärzte sowie 35 amtliche Fachassistenten an den Schlachthöfen in Crailsheim und Schwäbisch Hall. Dieses Personal übernimmt dort die Lebendtieruntersuchung vor dem Schlachten, die Fleischuntersuchung danach sowie die Hygieneüberwachung an den angeschlossenen Zerlege- und Verarbeitungsbetrieben. „Dazu kamen für den Zeitraum von Januar bis Ende November 2019 noch rund 400 Lebendbeschauen von Schlachttieren, vor allem Puten, Kaninchen und Hähnchen, die zu Schlachthöfen außerhalb des Landkreises gebracht worden sind“, ergänzt die Pressestelle des Landratsamts. Weitere 20 amtliche Tierärzte übernähmen diese Aufgabe bei den kleineren Metzgereien im Landkreis.

Rechtliche Anforderungen sind stark erhöht worden

Während sich die Zahl der zu überprüfenden Lebensmittelbetriebe in den vergangenen Jahren nur unwesentlich verändert habe, hätten sich die Anforderungen an Kontrollen, der Kontrollumfang und die Kontrolltiefe aufgrund sich ändernder EU-Rechtsvorgaben stark erhöht. „Dem wurde seitens des Landes dadurch Rechnung getragen, dass die Zahl der Lebensmittelkontrolleure im Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz von sechs im Jahr 2009 auf acht im Jahr 2019 erhöht wurde“, lässt Amtschef Schreiber mitteilen.

Nicht nur die Quote zählt zur Qualität der Lebensmittelüberwachung

„Die Personalaufstockung hat dazu geführt, dass wir 2018 und 2019 im Rahmen der risikoorientierten Kontrollzahlen bei den Routinekontrollen eine Kontrollquote von fast 80 Prozent erreicht haben“, so Schreiber. Er geht davon aus, dass diese weiter verbessert werden kann. „Es bleibt festzustellen, dass allein die Quote nicht geeignet ist, die Qualität der Lebensmittelüberwachung in einem Landkreis seriös zu bewerten“, stellt Schreiber abschließend fest. Die zahlreichen anlassbezogenen Kontrollen infolge von Verbraucherbeschwerden oder im Rahmen von Produktrückrufen oder Probenahmen kämen zu den Routinekontrollen hinzu. Sie seien ein wichtiger Bestandteil einer effektiven Lebensmittelüberwachung.

Info Der Foodwatch-Bericht „Kontrolle ist besser“ steht unter www.foodwatch.org/de/pressemitteilungen zum Download bereit.

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