Die Testlabore stehen derzeit vielerorts vor dem Kollaps, insbesondere die Kapazitäten für sogenannte laborgestützte PCR-Tests sind erschöpft. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hat daher seine Test-Empfehlung noch einmal geschärft. Ziel ist nicht nur eine Entlastung der Labore. Es soll auch verhindert werden, dass es zu längeren Bearbeitungszeiten bei der Ergebnisübermittlung kommt. Es gilt daher die Devise „Testen, testen, testen, aber gezielt“, schreibt das Landratsamt.
In den letzten Wochen hat die Übermittlung von Testergebnissen durch Labore auch im Rems-Murr-Kreis zunehmend länger gedauert und teils mehrere Tage in Anspruch genommen. Ein Umstand, der nicht nur für Betroffene belastend ist, sondern auch nachteilig für die schnelle Ermittlung von engen Kontaktpersonen und das Unterbrechen von Infektionsketten.

Im Schnelltestzentrum finden Reihentestungen statt

Die Ärzteschaften haben schon vor den Herbstferien signalisiert, dass die Versorgung symptomatischer Patienten Priorität habe und gerade Reihentestungen in Schulen, Kitas und vor allem auch Pflegeeinrichtungen ohne eine Anpassung der Test-Strukturen nicht mehr dauerhaft leistbar sei. Der erweiterte Corona-Krisenstab des Rems-Murr-Kreises sieht die Lösung in einem Corona-­Schnelltestzentrum.
Dafür stellen die Rems-Murr-Kliniken am Standort Winnenden zwei Veranstaltungsräume im Verwaltungsgebäude zur Verfügung. Ein eigenes Hygienekonzept – unter anderem mit separaten Ein- und Ausgängen – wurde für das Testzentrum entwickelt und umgesetzt.
7-Tage-Inzidenz Landkreis Schwäbisch Hall 23.11.20 Die Lage im Kreis SHA bleibt angespannt

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Unser Ziel war es, auf die Wintermonate vorbereitet zu sein, wenn die Schulen und Kitas nach den Herbstferien wieder öffnen“, sagt Landrat Richard Sigel. Im Corona-Schnelltestzentrum können seit vergangener Woche insbesondere Reihentestungen für Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen mit Corona-Antigentests zur patientennahen Anwendung, sogenannte „PoC-Schnelltests“ durchgeführt werden. Die Anmeldung erfolgt bei einem Corona-Ausbruch elektronisch über die jeweilige Schule oder Kinderbetreuungseinrichtung in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.

Rems-Murr-Kreis betritt Neuland

Es stehen zunächst zwei „Teststraßen“ von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 12.30 Uhr bis 16.30 Uhr zur Verfügung. Im Hintergrund ist immer ein Arzt der Kliniken verfügbar. Mitarbeiter des Landratsamts unterstützen beim Empfang und der Verwaltung. Die Tests werden direkt vor Ort ausgewertet, das Ergebnis liegt nach rund 30 Minuten vor und wird den Testpersonen schnellstmöglich per E-Mail übermittelt. „Wir haben uns darauf vorbereitet, zu Beginn rund 80 Tests pro Tag durchzuführen. Eine Ausweitung der Testkapazitäten wäre jederzeit möglich“, erklärt Projektleiter Jörg Behrens vom DRK-Kreisverband Rems-Murr.
Mit dem Schnelltestzentrum hat der Rems-Murr-Kreis Neuland betreten. Es ist das erste Corona-Schnelltestzentrum, das in dieser Form vom öffentlichen Gesundheitsdienst in Baden-Württemberg eingerichtet und betrieben wird, heißt es aus dem Landratsamt weiter. Der Landrat freut sich über die reibungslose Zusammenarbeit mit dem Kultus- und dem Sozialministerium: „Mit beiden Ministerien konnten innerhalb weniger Tage offene Fragen von der Zulässigkeit bis hin zur Abrechnung von Schnelltests lösungsorientiert geklärt werden. Unser Ansinnen, im Rems-Murr-Kreis schnell praktikable Lösungen zu suchen, um angemessen auf die angespannte Lage zu reagieren, wurde umfassend unterstützt.“

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Schnelltests sind ausreichend vorhanden

Das Testzentrum konnte auch deshalb so schnell eingerichtet werden, weil die Rems-Murr-Kliniken ausreichend Schnelltests beschafft hatten. „Für die Rems-Murr-Kliniken hat ein sicherer Klinikbetrieb oberste Priorität. Wir haben für eine Testung der Patienten, Mitarbeitenden und Besucher bereits vor Wochen Schnelltests beschafft. Wir können daher mit mehreren Tausend Schnelltests das Schnelltestzentrum bestücken und den Betrieb über die Wintermonate auch sicherstellen“, sagt der Klinikgeschäftsführer Marc Nickel.
Für Landrat Sigel sind Reihentestungen im neuen Corona-Schnelltestzentrum bei Ausbrüchen in Schulen und Kitas ein wichtiger Schritt, um in den kommenden Wintermonaten verlässlich Corona-Tests im Landkreis sicherstellen zu können. Der Landkreis denkt aber längst weiter: „Die Antigen-Schnelltests sind in vielen Pflegeeinrichtungen noch nicht angekommen, obwohl der Herbst längst da ist“, meint der Landrat. „Es wird noch dauern, bis in der Praxis überall nach den Vorgaben der nationalen Testverordnung beispielsweise Bewohner und Personal von Pflegeeinrichtungen regelmäßig und flächendeckend mit Corona-Schnelltests getestet werden können.