Der Rems-Murr-Kreis hat im Jahr 2018 an mehreren Anschlussstellen der B 29 im Bereich von Schorndorf, Winterbach und Geradstetten große Blühflächen, Schmetterlingssäume und Wildbienenhabitate auf einer Gesamtfläche von rund vier Hektar angelegt. Die Flächen waren diesen Sommer durch ihre wechselnde Blütenpracht in verschiedenen Farben „ein echter Hingucker“, schreibt das Landratsamt – und nicht nur das: Ein Monitoring ergab, dass sich bereits einige Insektenarten angesiedelt haben und die Flächen regelmäßig von Honigbienen aus der Umgebung besucht wurden.

Blühflächen im Rems-Murr-Kreis sind mehr als nur bunte Wiesen

Auch bei den Bürgern, den Naturschutzverbänden sowie den Imkern seien die Blühflächen gut angekommen. Bestärkt durch diesen Erfolg weitet der Rems-Murr-Kreis das Projekt nun aus: Weitere Blühflächen entstehen entlang der B 14 im Bereich der Anschlussstellen Winnenden-West (rund ein Hektar), Schwaikheim (rund 0,6 Hektar) und Waiblingen-Nord/Korb (rund 0,2 Hek­tar). Auch an der B 29 bei Weinstadt entstehen weitere Flächen mit rund 0,7 Hektar.

Landkreis Ludwigsburg

„Mit dem blühenden Naturpark, der Remstal-Bienenroute und unseren Blühflächen entlang der Bundesstraßen bringen wir den ganzen Landkreis zum Blühen“, freut sich Landrat Dr. Richard Sigel. „Wir haben vieles vernetzt und interkommunal zusammengearbeitet. Wichtig ist mir, nicht nur bunte Blumenwiesen anzulegen. Wir schaffen einen dauerhaften Lebensraum für zahlreiche Insekten. Damit nehmen wir im Landkreis unsere Verantwortung wahr und leisten unseren Beitrag zur Stärkung der Biodiversität.“

Das Blühflächenprojekt des Landkreises sei nicht nur Beiwerk der Remstal-Gartenschau, sondern ein „zentraler Bestandteil des blühenden Remstals“, so Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky. „Der Kreis hat die Chance genutzt, bisher eher weniger beachtete Flächen zu Hinguckern zu entwickeln, die auch für die Insekten und die Umwelt wertvoll sind.“

Gemeinsame Verantwortung

Bürgermeister Gerhard Häuser aus Schwaikheim lobt die interkommunale Zusammenarbeit: „Der Verantwortung für unsere Natur können wir uns nur gemeinsam stellen. Wildbienen, Käfer oder Schmetterlinge scheren sich ja auch nicht um Gemarkungsgrenzen. Besonders freut es mich, dass mein Korber Amtskollege Jochen Müller und ich uns gemeinsam dafür stark machen konnten, die Kreisinsel an der Kreuzung von K 1911 und K 1850 in das Blühflächenprojekt mit aufzunehmen und dass wir damit Erfolg hatten. Immer wieder haben Bürger diese Fläche als ungepflegt kritisiert. Nun wird sie hoffentlich bereits im nächsten Frühjahr in eindrucksvoller Blüte stehen, das Auge erfreuen und gleichzeitig wichtigen Lebensraum bieten.“

Bei der Umsetzung wird zuerst der nährstoffreiche Oberboden abgetragen und der Boden mit Splitt vermengt, um ihn abzumagern. Nur so können sich artenreiche Bestände mit reicher Blühte, wie sie in den Saatgutmischungen enthalten sind, entwickeln. Anschließend werden diese speziell abgestimmten Mischungen eingesät. Im Bereich der Schmetterlingssäume werden zusätzlich noch Nisthügel geformt, in deren Spalten und Klüften sich Insekten ansiedeln können. Diese Nisthügel sind als pyramidenförmige Erdhaufen bereits an mehreren Stellen zu sehen.

Mehr als 60 verschiedene Arten


Die Herstellung der Blühflächen entlang der B 29 sowie das erste Jahr der Pflege wurden mit einem Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt am Ministerium für Verkehr finanziert. Ein Diplombiologe sowie die untere Naturschutzbehörde begleiten die Maßnahme in fachlicher Hinsicht. In den Flächen wurden spezielle Saatgutmischungen für Blumenwiesen und für Wildbienensäume mit jeweils mehr als 60 verschiedenen Blumen- und Kräuterarten eingebracht, darunter auch Arten, die auf der roten Liste stehen. Der Rems-Murr-Kreis wird, abhängig von der weiteren Förderung, weitere Blühflächen anlegen.