Fasten Religion oder Trend? 40-tägige Fastenzeit geht bis Gründonnerstag

Das Aschekreuz wird Katholiken traditionell am Aschermittwoch, zu Beginn der Fastenzeit, auf die Stirn gezeichnet. Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit des Menschen. Foto: epd
Das Aschekreuz wird Katholiken traditionell am Aschermittwoch, zu Beginn der Fastenzeit, auf die Stirn gezeichnet. Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit des Menschen. Foto: epd
Bühlertann/Bühlerzell / MICHAELA CHRIST 06.03.2014
Vorgestern endete der Fasching. Am gestrigen Aschermittwoch begann die Fastenzeit. Beides wird in katholischen Gemeinden mit einem Gottesdienst gefeiert. Doch wird tatsächlich noch gefastet?

Am Faschingssonntag feierten die Bühlertanner in der Sankt-Georgs-Kirche eine Messe für die Narren. Die Kirche war voll - mit jungen Menschen. Die Kirche war bunt - die ersten Reihen füllten die Garden in ihren roten, blauen, gelben, schwarzen und grünen Uniformen. Die Kirche bebte - vom Singen und Klatschen und zum Himmel erhobenen Händen. Gestern am Aschermittwoch feierten die Bühlertanner um 18.30 Uhr die Abendmesse mit Aschenbestreuung. "Nicht mehr ganz so jung wie am Sonntag" seien dann die Besucher, so Pfarrer Bernhard Staudacher, doch der Beginn der Fastenzeit spreche auch heute noch viele an.

Statt Kostümen haben die Besucher wieder ihre meist dunklen Wintermäntel getragen. Statt fröhlichen Liedern bekamen sie ein Aschekreuz, aus dem Osterfeuer des Vorjahres, auf die Stirn gemalt. "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst", zitierte der Pfarrer aus der Bibel.

Bedenken, Nachdenken, Überdenken - das sind die Leitmotive der Gläubigen an diesem Tag. Dem Tag eins von insgesamt 40 Fastentagen bis Ostern. Biblischer Hintergrund ist das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste.

Doch ist das Fasten im Jahr 2014 überhaupt noch angesagt? "Es wird mehr gefastet, als man vermutet", weiß der Bühlertanner Pfarrer. Nicht, weil ihn seine Pfarrgemeindemitglieder um Rat angefragt hätten. Sondern weil er beobachten konnte, dass gerade in dieser Zeit Gewohntes unterbrochen werde. Dass beispielsweise auf Vereinssitzungen statt Alkohol jetzt saurer Sprudel getrunken werde.

Fastet der Bühlertanner Faschingspräsident? "Ich bin rund um Fastnacht immer viel unterwegs und werde mich die nächsten 40 Tage vermehrt um meine Frau kümmern", nimmt sich Felix Pfitzer vor. Und Bürgermeister Michael Dambacher? Als Kind habe er immer Süßigkeiten gefastet. Alle eingesammelten Bonbons an Fasching kamen in eine Kiste, die am Ostersonntag der Osterhase im Garten wieder für ihn versteckt habe. Heutzutage sei der bewusste Verzicht von Bequemlichkeit die größere Herausforderung. "Ich habe mir vorgenommen, die nächsten 40 Tage vermehrt zu joggen", verrät Dambacher seinen Fastenvorsatz.

Es sind Beispiele für modernes Fasten, deren Tendenz auch Pfarrer Staudacher sieht. Die bewusst gesetzte Zäsur beziehe sich nicht mehr auf das einerseits bewusste Leeressen und Austrinken der Vorräte an Fastnacht.

Die Fastenzeit werde nicht nur als enthaltsame Vorbereitung auf das Hochfest der Auferstehung Jesus Christus an Ostern begangen, sondern auch auf den Wechsel der Jahreszeiten. Als Frühjahrsauftakt, um die über den Winter angesetzten Fettpolster wieder loszuwerden. Mit neuer Wärme und mehr Licht als Motivationsmagnet, der die Menschen nach draußen locke.

Und ganz wichtig: nicht als Eintagsfliege, sondern als echte Herausforderungen über 40 Tage. "Wer 40 Tage bewusst auf etwas verzichtet, der hat sich selbst bestätigt: Ich kanns noch. Ich bin nicht abhängig. Ich bin Herr meiner Selbst", sagt Staudacher voller Hochachtung.

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