Marktlustenau Reingeschmeckte als Glücksgriff

Pfarrer Claus Bischoff überreicht Gründungsdirigentin Antje Widdra unter anderem einen Blumenstrauß als kleines Dankeschön. Foto: Daniela Röhling
Pfarrer Claus Bischoff überreicht Gründungsdirigentin Antje Widdra unter anderem einen Blumenstrauß als kleines Dankeschön. Foto: Daniela Röhling
DANIELA RÖHLING 14.01.2013
Auf ausgefallene Methoden hat die Gründungsdirigentin des Marktlustenauer Kirchenchores "Stimmungsvoll", Antje Widdra, gesetzt und damit ein glückliches Händchen bewiesen. Nun hört sie auf.

In ihrem Abschlusskonzert in der eveangelischen Georgskirche kitzelten die 40 Chormitglieder ihr ganzes Können aus ihren Kehlen und erwiesen somit ihrer Dirigentin eine musikalische Ehre. Nach sieben Jahren heißt es Abschied nehmen von Marktlustenau. Es zieht Widdra, ihren Mann und ihre drei Kinder in die alte Heimat nach Niedersachsen zurück. Dort wartet eine neue Aufgabe auf die Dirigentin, als Englisch- und Musiklehrerin.

Vor dreieinhalb Jahren trat Widdra aktiv in das Leben der Parrgemeinde, erklärt Pfarrer Claus Bischoff. Damals war an ein Neuaufflammen des Kirchenchors fast nicht mehr zu denken. Wäre da nicht das Angebot von Kirchengemeinderatsmitglied Birgit Strauß an Bischoff gekommen: "Wenn du dich um die Dirigentin kümmerst, stelle ich die Mannschaft." Bischofs Wahl fiel auf seine Schulkollegin Widdra. "Mit Kindern und Jugendlichen", ergänzt Widdra, "kannte ich mich aus. Aber ein Erwachsenenchor, das ist eine ganz andere Nummer."

Die Bedenken waren schnell beiseite gewischt, und die chorlose Zeit gehört seitdem in Marktlustenau der Vergangenheit an. Mit fachlichem Hintergrund und pädagogischem Geschick formte die gebürtige Niedersächsin in kürzester Zeit ein stimmkräftige Truppe. "Daher hat es mich eiskalt erwischt, als ich im Herbst von deinen Lebensplänen erfuhr", erklärt Chormitglied Gerd Beierlein. Der Hiobsbotschaft zum Trotz meint Beierlein: "Das legendäre Einsingen mit ,Mon Cherie wird uns ewig im Gedächtnis bleiben."

Einige Sänger, erinnert sich Widdra, seien ganz gerne mal zu spät zur Probe gekommen, eventuell auch, "um sich vor dem Einsingen zu drücken". Doch unter der Dirigentin machte es bald allen Spaß.

Wie viel Dynamik die Truppe beim Einsingen entwickelte, zeigte sie dann auch beim Konzert: Tumba, Tumba - das klassische Einsingritual der Mannschaft - wurde zur Singprobe für die Besucher des Konzerts. Im Kanon, langsam, schnell, laut und leise, schwappte der Spaß der Sängerinnen und Sänger auf das Publikum über.

Herzlich bedankte sich Widdra bei ihrer Truppe: "Ihr habt mich als Reingeschmeckte super aufgenommen. Oft bin ich nach den Proben mit einem Schmunzeln nach Hause gefahren", sagte die Dirigentin.

Ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Ich bin eine Hohenloherin" soll Antje Widdra dann auch an ihre wahren Wurzeln erinnern. Sie quittierte es mit Abschiedsworten auf Zeit: "Also ,Auf Wiedersehen, denn wir kommen auf jeden Fall mal zu Besuch."