Von Samstag auf Sonntag ist Fahrplanwechsel. Auf der Murrbahn ändert sich auf den ersten Blick nur wenig. Die Abfahrtszeiten bei den Zügen aus dem Landkreis in die Landeshauptstadt variieren nur im Minutenbereich. Dennoch erfolgt ein einschneidender Wechsel: Erstmals sind zwei verschiedene Bahnunternehmen auf der Linie von Stuttgart über Gaildorf und Hessental nach Crailsheim unterwegs.

Während die Linien Regionalbahn 19 (Stuttgart - Gaildorf) und Regionalexpress 19 (Stuttgart - Hessental) weiter von der Deutschen Bahn gefahren werden, wird die Linie Regionalexpress 90 (Stuttgart - Hessental - Nürnberg) ab Sonntag von dem Ableger des britischen Unternehmens Go-Ahead betrieben. Damit verschwinden die roten Doppelstockzüge der DB. Sie sollten am Sonntag durch Triebwagen vom Typ Flirt3XL des schweizerischen Herstellers Stadler ersetzt werden, die ebenfalls in den Farben gelb/weiß gehalten sind wie die Triebwagen der Linie 19.

Go Ahead übernimmt Murrbahn Neue Züge gibt’s erst im neuen Jahr

Crailsheim

Neue Züge werden erst von Go Ahead getestet

Doch Go-Ahead wird am Sonntag nicht mit den neuen Triebwagen an den Start gehen. Zu groß ist die Sorge, dass es wieder einen Start mit vielen Pannen geben könnte. Die Fahrgäste auf der Rems-Bahn, dort übernahm Go-Ahead im Sommer den Betrieb von der DB, haben keine gute Erinnerung an diese Zeit. Bis heute konnte Go-Ahead die Probleme mit den neuen Fahrzeugen nicht vollständig beseitigen. Auch konnte das geplante Zugangebot im Stuttgarter Netz, für das Go-Ahead den Zuschlag bekommen hatte, bislang noch nicht vollständig umgesetzt werden.

Das Problem: Die neuen Züge seien erst spät geliefert worden. Schließlich stellen die Flirt-XL-Trieb­wagen, wie sie auf der Murrbahn eingesetzt werden, eine Weiterentwicklung des auf der Remsbahn eingesetzten Typs dar. „Wir sind damit Erstkunde“, so Hans-Peter Sienknecht, Geschäftsleiter Go-Ahead Baden-Württemberg.

Nun müssten die Züge erst getestet werden. Bis Ende Februar soll dies andauern. Ein Ersatzkonzept wurde aufgestellt. Die Bahnunternehmen Centralbahn aus Basel, Wedler-Franz-Logistik aus Potsdam und die Train Rental TRI (Eckental-Eschenau) werden in dieser Zeit die Züge und das Personal für den Verkehr zwischen Stuttgart und Nürnberg stellen. Da diese Firmen wohl nicht über die nötigen Kapazitäten verfügen, kommen noch andere Subunternehmen zum Zug. Es kommt wieder zum „Museumsbahnbetrieb“: Als Wagen werden überwiegend die als „Silberlinge“ bekannten und teilweise mehr als 40 Jahre alten „n-Wagen“ eingesetzt, die zuletzt auf der Murrbahn für wenig Freude sorgten und 2017 durch die Doppelstockwagen ersetzt wurden.

Fahrkartenausgabe in Hessental ändert sich

Sienknecht ist dennoch zuversichtlich, dass das Ersatzkonzept funktionieren wird: „Das sind sehr erfahrene Unternehmen.“ Der Go-Ahead-Geschäftsleiter macht aber klar: Wenn die ersten der elf neuen Triebzüge zur Verfügung stehen, werden diese auch eingesetzt. „Wir machen das Zug um Zug.“ Und Go-Ahead weiß dabei das Land an seiner Seite: „Für uns ist wichtig: Es fallen keine Züge aus, es wird alles gefahren“, so Markus Gericke vom Verkehrsministerium zum Thema „Ersatzkonzept“.

Eine Änderung erfolgt sofort: Wenn die Fahrkartenausgabe im Bahnhof Hessental am Montag öffnet, dann werden die Tickets nicht mehr von Mitarbeitern der DB sondern von Go-Ahead ausgegeben. Doch auch hier gibt es eine Einschränkung: Tickets für Fernzüge der DB gibt es nicht. „Wir sind aber willens“, so Sienknecht. Er hofft, dass diese Tickets ab Januar erhältlich sind.