Erinnerung Regierungspräsident und Landrat Bauer besuchen Erinnerungsstätte in Brettheim

Norman Krauß und Fritz Braun (von links) informierten Regierungspräsident Johannes Schmalzl in der Erinnerungsstätte über die erschütternden Vorgänge in Brettheim während der letzten Kriegstage im April 1945. Weitere Gäste dort waren am Dienstag Simone Kayser (RP), Landrat Gerhard Bauer, dessen Mitarbeiter Steffen Baumgartner, Ortsvorsteher Reiner Groß sowie Regierungs-Vizepräsident Christian Schneider.
Norman Krauß und Fritz Braun (von links) informierten Regierungspräsident Johannes Schmalzl in der Erinnerungsstätte über die erschütternden Vorgänge in Brettheim während der letzten Kriegstage im April 1945. Weitere Gäste dort waren am Dienstag Simone Kayser (RP), Landrat Gerhard Bauer, dessen Mitarbeiter Steffen Baumgartner, Ortsvorsteher Reiner Groß sowie Regierungs-Vizepräsident Christian Schneider. © Foto: Mathias Bartels
Brettheim / MATHIAS BARTELS 27.09.2012
Regierungspräsident Johannes Schmalzl wird die nächste Gedenkrede für die Männer von Brettheim am 10. April 2013 halten. Das hat er am Dienstag bei seinem Besuch der Erinnerungsstätte in Brettheim zugesagt.

Erstaunlich informiert und interessiert am Thema zeigte sich Johannes Schmalzl bei seinem Informationsbesuch in Brettheim. Nach der Dienstbesprechung im Haller Landratsamt hatte er sich Zeit genommen für den Abstecher in die Landwehr - und zeigte sich tief beeindruckt. Fritz Braun, der dem Gedenken an die menschenverachtenden Vorgänge in Brettheim vor mittlerweile gut 67 Jahren Anfang der 80er überhaupt erst ein Forum gegeben hatte, und Fördervereins-Vorsitzender Norman Krauß führten den Regierungspräsidenten durch die Gedenkstätte im Brettheimer Rathaus und zum Friedhof, wo die Nazis um SS-General Simon die drei Brettheimer Friedrich Hanselmann, Leonhard Wolfmeyer und Bürgermeister Leonhard Gackstatter nach kurzem Standgericht und dem Todesurteil wegen "Wehrkraftzersetzung" erhängen ließen. Das Verbrechen blieb bekanntlich nach dem Weltkrieg in drei Prozessen ungesühnt.

Die Frage, in welcher Zeit er am liebsten leben würde, beantwortet Johannes Schmalzl stets mit "im Hier und Jetzt". Dennoch bleibe es ihm ein Anliegen, Erinnerungen in die Gegenwart zu tragen und sie wach zu halten. "Das gilt gerade jetzt", sagte Schmalzl, "in einer Zeit, in der wir braune Terrorspuren durchs ganze Land verfolgen." Schmalzl weiter an jene, die die "alten Zeiten" verherrlichten: "Wer etwa an Europa zweifelt, den nehme ich gern mit auf die großen Kriegsgräberstätten und erinnere ihn an Grauen und Elend."

Eine fast schon ein wenig banale Art der Aufarbeitung der schlimmen Jahre des sogenannten "tausendjährigen Reichs" seien die Hinweisschilder an Autobahnen, ergänzte der "RP". "Wenn aber bei Forchtenberg auf die Familie Scholl hingewiesen wird", führte er aus, "ist das dennoch ein Signal, dass wir diese Zeiten nie wieder haben wollen." Ihm als obersten Dienstherrn vieler Landesbeamter sei wichtig, seinen Mitarbeitern "einen inneren Kompass für Menschlichkeit" zu vermitteln, an denen sie sich orientieren könnten.

In Brettheim sei die Vergangenheit vorbildhaft aufbereitet worden, sagte Johannes Schmalzl: "Ich bin beeindruckt." Vor allem auch deshalb, weil der Gedanke der Völkerverständigung gelebt werde. Als Ortsvorsteher Reiner Groß erwähnte, dass die Zahl der Schulklassenbesuche in letzter Zeit abgenommen habe, reagierte der Regierungspräsident sofort: "Das werde ich im Oberschulamt einspeisen." Zumal es ja in der Brettheimer Umgebung weitere Beispiele für Widerstand gebe - in Forchtenberg etwa, in Crailsheim und nicht zuletzt in Königsbronn bei Heidenheim, woher bekanntlich der Hitler-Attentäter Georg Elser stammte.

Sehr zur Freude von Landrat Gerhard Bauer, der den Präsidenten begleitete, von Bürgermeister Siegfried Gröner und der Gedenkstätten-Betreiber sagte Schmalzl zu, die nächste Gedenkrede am Jahrestag der Hinrichtung der Männer von Brettheim am 13. April 2013 zu halten.

Info Mehr im Internet unter www.brettheimmuseum.hohenlohe.net.