Opfer Regierungspräsident Johannes Schmalzl würdigt die "Männer von Brettheim"

Regierungspräsident Johannes Schmalzl am Rednerpult in Brettheim, wo am Kriegsende 1945 drei mutige Männer hingerichtet wurden: "Diese Narben schmerzen bis heute", wie Ortsvorsteher Reiner Groß (Dritter von rechts) sagte.
Regierungspräsident Johannes Schmalzl am Rednerpult in Brettheim, wo am Kriegsende 1945 drei mutige Männer hingerichtet wurden: "Diese Narben schmerzen bis heute", wie Ortsvorsteher Reiner Groß (Dritter von rechts) sagte. © Foto: Harald Zigan
Brettheim / HARALD ZIGAN 12.04.2013
Drei Männer aus Brettheim stellten sich am Kriegsende dem NS-Terror in den Weg - und wurden erhängt. Heuer würdigte Regierungspräsident Johannes Schmalzl die Opfer bei der alljährlichen Gedenkfeier.

Allein schon die Besucherzahlen zeigen, dass auch 68 Jahre nach Kriegsende und dem furchtbaren Geschehen in Brettheim solche Gedenktage noch gebraucht werden. Denn "die Narben auf der Seele hören vor allem bei den Angehörigen nicht auf zu schmerzen", wie der Brettheimer Ortsvorsteher Reiner Groß erklärte.

Die Erinnerung an die Ereignisse am 10. April 1945 und in den folgenden Tagen, die insgesamt 21 Menschen das Leben kosteten und das Dorf in Schutt und Asche legten, geschehe nicht nur allein aus Respekt vor den Opfern.

"Wir brauchen diese Momente des Innehaltens, damit das, was geschehen ist, nicht verdrängt wird: Jeder von uns, der sich ein menschliches Herz bewahrt hat, darf niemals mehr solche Grausamkeiten zulassen", sagte Reiner Groß am Mittwoch bei der Gedenkfeier, die aus Witterungsgründen in die Aussegnungshalle verlegt und von Posaunenchor und Gesangverein musikalisch begleitet wurde.

Die Täter und Opfer in Brettheim stellte Regierungspräsident Johannes Schmalzl in einen direkten Bezug zur NS-Diktatur. Als der Bauer Friedrich Hanselmann einen Trupp von Hitler-Jungen entwaffnet hatte, ging er davon aus, dass die Folgen wohl nicht so schlimm sein werden: "Das dachten auch Millionen von Juden in Deutschland und Osteuropa."

"Unvorstellbar" sei das über ihn verhängte Todesurteil auch für den Bürgermeister Leonhard Gackstatter gewesen. "Und im entscheidenden Moment", so Schmalzl, "siegte auch beim NSDAP-Ortsgruppenleiter Leonhard Wolfmeyer die Menschlichkeit, auch wenn er seinen Schritt kurz vor dem Tod vielleicht bedauert hat." Täter und Opfer zugleich seien die Hitler-Jungen gewesen. Den SS-Sturmbannführer Friedrich Gottschalk und den SS-General Max Simon, die die Ermordung der drei Männer betrieben, bezeichnete der Regierungspräsident als "erbärmlichste Figuren, die ihren Spielraum nicht genutzt und stattdessen gnadenlos agierten".

Letztlich zeige das Beispiel Brettheim, "wie schwer es war, diesem terroristischen Staat Widerstand zu leisten". Die Tragödie dieses hohenlohischen Dorfes mahne dazu, "Frieden und Freiheit zu verteidigen". Mit der engagierten Erinnerungsarbeit in Brettheim jedenfalls werde "Frieden gestiftet", sagte der Regierungspräsident.

Ein Dorf träft Trauer

Die Brettheimer Flagge vor dem Rathaus wird an jedem 10. April auf halbmast gesetzt. An diesem Tag des Jahres 1945 brach über das Dorf eine Katastrophe herein, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. An den Linden vor dem Friedhof wurde auf Betreiben einer mörderischen SS nicht nur der Bauer Friedrich Hanselmann erhängt, der Hitler-Jungen entwaffnet hatte: Ermordet wurden auch Bürgermeister Leonhard Gackstatter und der NSDAP-Ortsgruppenleiter Leonhard Wolfmeyer, die das Todesurteil über ihren Mitbürger nicht unterschrieben.

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