Mainhardt Räuber brechen durch die Hecke Hardy Mann erläutert Mainhardter Gemeinderat den Stand zur Haller Landhege

Der Künstler Stefan Vollrath aus Schönbronn fertigt die Räuber-Figuren. Das Bild stammt aus der Anfangsphase seines Schaffens an diesem Werk. In etwa zwei Wochen sollen sie fertig sein, sagt Vollrath. Derzeit werde noch geschliffen.
Der Künstler Stefan Vollrath aus Schönbronn fertigt die Räuber-Figuren. Das Bild stammt aus der Anfangsphase seines Schaffens an diesem Werk. In etwa zwei Wochen sollen sie fertig sein, sagt Vollrath. Derzeit werde noch geschliffen. © Foto: Mann
Mainhardt / JOCHEN KORTE 20.09.2014
Hinter der Limes-Nachbildung am Mainhardter Ortseingang wird gegen Ende Oktober eine geschichtlich verbürgte Darstellung zu sehen sein: Drei überlebensgroße Räuber brechen durch die Haller Landhege.

Die Haller Landhege ist zwischen 1350 und 1530 angelegt worden und hat auf 200 Kilometern das Territorium der Reichsstadt Schwäbisch Hall umschlossen. Die Landwehr bestand aus bis zu drei Gräben und Wällen hintereinander. Auf den Wällen standen dichte Hainbuchenhecken. Durchlässe, als Fallen, Riegel oder Schlupf bezeichnet, ermöglichten beispielsweise den Bauern, zu ihren Feldern zu gelangen. Für Fuhrwerke aber waren die Durchlässe zu klein.

"Von der Landhege sind heute bei Hegenheule noch Gräben zu erkennen", erklärte Hardy Mann. Er hat das Konzept für die Haller Landhege ausgearbeitet. Die Landhege sei über weite Strecken parallel zum Limes verlaufen.

"An dem Standort in der Nähe der Limes-Rekonstruktion können wir die Infrastruktur wie Parkplätze und Wege mitnutzen", argumentierte Mann für den ausgesuchten Standort. Angelegt werden sollen etwa 1,50 Meter tiefe Gräben und ein Wall in gleicher Höhe. Dieser wird mit einer zwei Meter hohen und dichten Hainbuchenhecke bepflanzt. Die historische Landhege verlaufe im angrenzenden Wäldchen. Doch an dieser Stelle dürfe man die Rekonstruktion aus Denkmalschutzgründen ohnehin nicht bauen. Auf Info-Tafeln würden der Verlauf der Landhege und der Nachbau ausführlich erläutert. Der Holzkünstler Stefan Vollrath aus Schönbronn (bei Bühlerzell) hat den Auftrag, drei überlebensgroße Räuber aus Eichenholzstämmen zu sägen. Die Figuren zeigen, wie die Räuber die Landhege durchbrechen. "Dass das passiert ist, ist historisch verbürgt", erklärte Mann den Mainhardter Gemeinderäten.

9000 Euro werden dafür ausgegeben. Die Firma Deininger führt die Landschaftsbauarbeiten, die bereits begonnen haben, für 5000 Euro aus. Der Steinmetzbetrieb Walter Wieland aus Mainhardt fertigt für 4400 Euro zwei rund einen halben Meter hohe Grenzsteine. Über eine Länge von 20 Metern soll die Landhege rekonstruiert werden. "Im Vergleich zur Limes-Rekonstruktion ist das alles sehr günstig", versicherte der Fachmann.

Mann hat auch schon weitergehende Pläne. Da man die Hainbuchenhecke nicht einfach wuchern lassen könne, solle sie "gehegt" werden. "Die Äste müssen untereinander verflochten werden. Daraus könnte man ein jährliches Event machen", schlägt Mann vor. Im Laufe der Zeit werde aus der Hecke eine dichte Wand. Eingearbeitet wird ein "Schlupf" zum Durchgehen.

"Die Vorbereitungen haben lange gedauert. Aber jetzt geht es zügig", versicherte der Touristik-Experte. Bis Ende Oktober sollen die Arbeiten in Mainhardt weitgehend abgeschlossen sein.

Den Gemeinderäten schienen die Ausführungen gefallen zu haben. Einwände gab es nicht.

Rosengarten, Michelfeld, Mainhardt, Oberrot und Hall dabei

Projekt Bei der Haller Landhege arbeiten Rosengarten, Michelfeld, Mainhardt, Oberrot und Schwäbisch Hall Hand in Hand. Die Federführung hat Rosengarten. Die Konzeption von so genannten Jahrhundertfenstern auf dem Kelterbuckel (Rosengarten), beim Baierbacher Hof (Michelfeld), in Oberrot direkt am Rottal Rad- und Wanderweg und in Mainhardt stammt von Hardy Mann, Erlebniswelt Mainhardt. Das Projekt wird über das Leader-Programm finanziell gefördert. Die Arbeiten beginnen momentan zeitgleich in Rosengarten, Michelfeld und Mainhardt sowie in Kürze in Oberrot.

Tourismus Die Jahrhundertfenster sollen das Grundgerüst zu einer touristischen und geschichtshistorischen Nutzung der Landhege darstellen. Die Stadt Hall, zuständig für die Kommunikation, lässt einen Video-Clip erstellen, der mit schnellen Schnitten markante Punkte visualisiert.

KOR

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