Mistlau Quellhof-Symposium: Großer Andrang bei Vorstellung der Vollgeld-Idee

Mistlau / SEBASTIAN UNBEHAUEN 11.03.2015
Roman Huber hat im Quellhof in Mistlau die Vollgeld-Idee vorgestellt. Mit seinen Antworten überzeugte er zwar nicht alle. Aber fast alle waren sich einig: Es ist richtig, das Geldsystem zu hinterfragen.

In der Schweiz sammeln die Anhänger der Vollgeld-Initiative momentan fleißig Unterschriften: Ein Volksentscheid soll her und damit eine schlagzeilenträchtige Diskussion über das Geldsystem. In Deutschland ist der Weg hinein ins Zentrum politischer Macht weiter. Da führt die Umleitung meist übers Hinterzimmer. So gesehen war Roman Huber am Freitag im Quellhof goldrichtig. Denn es pressten sich eine Menge Menschen in ein doch recht kleines Räumchen - und zeigten damit: Das Nachdenken über das viel beschworene "Schmiermittel der Wirtschaft" ist längst kein Randphänomen mehr.

Huber hat zusammen mit Thomas Mayer das Buch "Vollgeld - Das Geldsystem der Zukunft" geschrieben, führt den Verein "Mehr Demokratie" und lebt auf dem Kreßberger Tempelhof. Jüngst hatte er im großen HT-Interview von seiner Sicht aufs Geld gesprochen, jetzt präsentierte er sie zum Auftakt des Quellhof-Symposiums "Wer regiert die Welt? Wir oder das Geld?" per Vortrag. Seine Grundthese ist eine einfache: Die Zentralbank sollte wieder 100 Prozent des Geldes in Umlauf bringen, private Geschäftsbanken ihrer Geldschöpfungsmöglichkeit beraubt werden. Dies ziehe einen segensreichen Rattenschwanz nach sich: Der Staat müsse sich kein Geld mehr bei Banken leihen, Schulden könnten abgetragen werden, der Zinsdruck und damit auch der Wachstumsdruck würden sinken, Spekulationen eingedämmt.

Der Erfinder der Brotsuppe

Einem Vermögen stünden heute immer in etwa gleicher Höhe Schulden gegenüber, so Huber - weil Geld durch das Gewähren von Krediten geschaffen werde. Die Geldmenge wachse exponentiell, was "früher oder später zum Zusammenbruch" führen müsse. 80 Prozent der Menschen zahlten Zinsen, 20 Prozent strichen sie ein: "Das ist ein eingebauter Mechanismus von Arm zu Reich." Huber konstatierte: "Vollgeld ist nicht die ultimative Antwort, aber eine gute." Schließlich handle es sich um eine "relativ einfache Änderung". Manche Zuhörer nickten, manche schüttelten die Köpfe, einer sagte: "Das hört sich an, als ob Sie der Erfinder der Brotsuppe wären."

Einig war man sich indes, dass die Gesellschaft allen Grund hat, über ihr Verhältnis zum Geld nachzudenken. Das sahen auch die Teilnehmer einer Gesprächsrunde so, die an den Vortrag anschloss: der Gammesfelder Bank-Rebell Fritz Vogt, Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft, Wilfried Münch von der GLS-Bank, die ausschließlich in soziale und ökologische Projekte investiert, sowie Jörg Kunze vom Holzhof in Dünsbach, der die Idee der Gemeinwohlökonomie unterstützt. Vogt sieht die Vollgeld-Idee gleichwohl bereits "an harten Stirnen" zerschellen. Der Gammesfelder setzt stattdessen auf "eine Revolution der Herzen und Köpfe". Widerstand laute das Zauberwort, ein großer Umbruch sei nur durch das zigfache Besinnen im Kleinen zu erreichen - mit dieser Einsicht: "Dass man sich nicht an einem System beteiligt, das man anprangert." Wenn jeder Mensch sich mit dem begnüge, was er wirklich braucht, sei viel erreicht.

Der GLS-Banker Münch begrüßte, dass Huber das Bewusstsein in Bezug auf Geld aufbreche, aber: "Mir fehlt der Mensch dazwischen." Einen "Monolith Zentralbank" sieht er skeptisch. Es müsse darüber diskutiert werden, wohin Geld fließe. Münch forderte einen Wertewettbewerb der Banken.

Auch Kunze kam zum Schluss, jeder habe die Möglichkeit, anders zu handeln, sein Geld nicht die Wege gehen zu lassen, die der Steuerberater vorschlage, sondern es in Sinnvolles zu stecken. Und Bühler trat für ein solidarisches Wirtschaften ein, das seine Erzeugergemeinschaft bereits stringent praktiziere - im Gegensatz zum großen Rest. "Bei uns ist heute derjenige der Erfolgreichste, der das Maximum an Geld auf sich akkumuliert. Wie beim Schraubenhandel zum Beispiel", sagte er und präsentierte den Bauern im Folgenden als Prototypen eines nicht auf kurzfristigen Gewinn zielenden Akteur.

Info Mehr zum Thema Vollgeld: www.vollgeld-initiative.ch

Ein Gespräch über Geldschöpfung aus dem Nichts, Milliardengewinne und Politik auf Sicht
 

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