Theater Publikumslacher beflügeln das Ensemble

Auch das Publikum durfte mitspielen – und eine Wäscheleine halten.
Auch das Publikum durfte mitspielen – und eine Wäscheleine halten. © Foto: Lothar Schwandt
Blaufelden / Lothar Schwandt 02.07.2018

Mundarttheater, von Laien gespielt, hat meist ein ähnliches Strickmuster. Richtig tragisch wird es selten, die wiederhergestellte heile Welt wird am Schluss hervorgehoben und alle sind wieder miteinander versöhnt. Bei der Theatergruppe Wiesenbach ist das nicht anders, und dennoch sind Klaus Eisenbarths Theaterstücke vom üblichen Schwank weit entfernt. Er schreibt den Schauspielern ein Stück auf den Leib, allen voran Sabine Völkert, die in der Rolle der „Erna Gugger“ seit vielen Jahren die Truppe aufmischt. Ihr neu eröffnetes Detektivbüro leidet anfangs not, bis sie sich auf ihre eigentlichen Fähigkeiten besinnt und selbst für allerlei Verwirrung sorgt und falsche Fährten legt.

Auch dass der Bio-Bauer Hodde Haberstroh von Michael Häußermann gespielt wird, passt so ins Bild, denn irgendwann weiß jeder: „Mit Bio-Kohl von Haberstroh machst du deine Oma froh!“ Zudem nimmt man ihm die angedichtete Affäre mit der Tierärztin ab, von Silke Luh mit viel Temperament verkörpert. Unwiderlegbar scheint das Beweisstück in Form einer männlichen Unterbekleidung, die sich im Hause der Ärztin wiederfindet, und natürlich setzt die astrologisch angehauchte Uschi Haberstroh (sehr skurril: Tanja Piller) alles daran, diese eheliche Untreue auffliegen zu lassen.

Die Zuschauer wissen immer schon etwas mehr als die Akteure, nämlich dass Erna Gugger auch hier bereits am Werke war, indem sie sich als türkische Putzfrau Aische ausgibt und sich in deren Praxis Eintritt verschafft. Und so ergeben sich manche Lacher, die ihrerseits wieder das Ensemble beflügeln, das Verwirrspiel fortzusetzen.

Für keine Intrige zu schade

Zweimal mischen sich die Schauspieler unters Publikum und lassen es mitspielen. Richtig Fahrt nimmt das Stück auf, als der Ehemann der Tierärztin seinerseits verdächtigt wird, etwas mit der Bio-Bäuerin zu haben. Auch dies wird zum Fall für Erna Gugger, die voller Überzeugung feststellt: „Mei Loode leffd wie gschmierd“ und sich für keine von ihr eingefädelte Intrige zu schade ist.

Für den erkrankten Jürgen Völkert schlüpfte Beate Ganzhorn in die Rolle der Postbotin Windisch und wahrte damit die langjährige Kontinuität dieser Besetzung, einschließlich der Schildkröte Esmeralda. Dazu gehörte auch, den verhängnisvollen Einschreibebrief mit dem Foto ihres nur spärlich bekleideten Mannes an die Tierärztin Dr. Gundula Schneck zu überbringen, die wiederum aus allen Wolken zu fallen schien. Schließlich ist ihr Mann durch einen Beilhieb beim Western-Treffen in Hessental leicht daneben und macht als Häuptling Röhrender Hirsch, von Marcel Schürger in witziger Manitou-Art gespielt, so manchen Fauxpas. Am Marterpfahl hängt jedoch am Schluss Erna Gugger, deren berechnendes Spiel am Schuss von allen durchschaut wird.

Die Wiesenbacher Truppe kennt sich so gut, dass sie ihre Rollen verinnerlicht hat, bevor Spielleiter Sebastian Glemser mit der Probearbeit beginnt. Jahrelanges Teamwork macht dies möglich.

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