Kirchberg Preisungen als Schriftkunst Fahnen-Schmuckstücke nun in Kirchberg

Auf acht großen Schriftfahnen hat die Kalligrafin Maya Huber die Seligpreisungen der Bergpredigt künstlerisch dargestellt. Foto: Hartmut Volk
Auf acht großen Schriftfahnen hat die Kalligrafin Maya Huber die Seligpreisungen der Bergpredigt künstlerisch dargestellt. Foto: Hartmut Volk
Kirchberg / HARTMUT VOLK 04.05.2012
Die Seligpreisungen aus der Bergpredigt sind das Thema der acht großen Schriftfahnen, die derzeit von der Empore der Kirchberger Stadtkirche herabhängen. Gestaltet hat sie die Kalligrafin Maya Huber.

Seit 1988 beschäftigt sich die gelernte grafische Zeichnerin intensiv mit Kalligrafie - der Kunst des schönen Schreibens, die vor allem im asiatischen Raum einen hohen Stellenwert hat. Von der asiatischen Schriftkunst sind auch ihre Werke inspiriert: Auf eine historische chinesische Reiscollagentechnik geht die Gestaltung der 3,60 Meter langen Fahnen zurück, die Maya Huber ursprünglich für die Lüneburger Nicolaikirche gefertigt hat. Dort hat sie der Kirchberger Stadtpfarrer Alfred Holbein entdeckt und spontan beschlossen, die Kunstwerke auch in Kirchberg zu präsentieren, als künstlerische Ergänzung zu den drei Seligpreisungen, die im Emporengeländer der Stadtkirche eingearbeitet sind.

Jeder der acht Verheißungen Jesu an die Armen und Leidtragenden, an die Barmherzigen und Friedfertigen hat die Darmstädter Künstlerin eine eigene Fahne gewidmet. Auf der Vorderseite stehen in lebendigen Schriftformen die Verse aus dem Matthäusevangelium, zusammen mit weiteren biblischen Begleittexten. Die zentralen Aussagen und Begriffe sind dabei durch eine freie, ausdrucksstarke Gestaltung hervorgehoben, bei der Schrift und Grafik oft zu Wortbildern verschmelzen - als abstrakter Schriftteppich zum Beispiel, wie bei dem Wort Barmherzigkeit, bei dem die getuschten Buchstaben sich in Farbfelder auflösen, oder als Baumkrone mit Blättern aus Worten. Als Kalligramm charakterisierte die Kunsthistorikerin Dr. Martina Kitzing-Bretz in ihrer Einführungsrede zur Vernissage die "Verspannung von Text und Bild" und verwies auf die fließenden Übergänge zwischen Kalligrafie und Malerei.

Es ist das Anliegen der Künstlerin, durch ihre Form der Darstellung die inhaltliche Botschaft zu unterstreichen: In weichen Tuscheschwüngen wird die Seligkeit der Sanftmütigen verheißen, wie Messerstiche hingegen wirken die zornigen Lettern, die von denen künden, die um der Gerechtigkeit Willen verfolgt werden. Die Ästhetik der schwarzen Schriftzeichen auf weißem Grund wird noch gesteigert durch die sparsam eingesetzten Goldtöne, die auf Transzendentes verweisen - wie in der Darstellung des Namen Gottes als geheimnisvolle Chiffrenornamentik oder als goldener Bogen, der Himmel und Erde verbindet.

Auf der Rückseite der Fahnen finden sich weiterführende Texte von zeitgenössischen Autoren. Neben theologischen Betrachtungen hat Maya Huber auch bewusst andere Beiträge ausgewählt, etwa aus Liedern von Reinhard Mey oder der Comedian Harmonists.

Die Faszination der Schriftfahnen liegt nicht nur in der jahrzehntelangen kalligrafischen Übung der Künstlerin begründet, sondern auch in ihrem intensiven inneren Umgang mit den Inhalten der Seligpreisungen, deren Paradoxität sie als besondere Herausforderung angenommen habe. "Ich war gefangen von dieser Arbeit", berichtete die 65-jährige Maya Huber, und die Intensität ihrer Auseinandersetzung wird bei der Betrachtung dann auch spürbar.

Info Die Schriftfahnen in der Stadtkirche sind noch bis Sonntag,17. Juni, zu sehen. Bis dahin findet jeden Sonntag um 9.30 Uhr ein Gottesdienst zu einer der Seligpreisungen statt. Die Kirche ist sonn- und feiertags von 10.30 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen sind auf Anfrage möglich (Telefon 0 79 54 / 323).