Stimpfach Porträt: Susanne Dextor ist Kfz-Mechatronikerin

Lieber Kfz-Mechatronikerin als Erzieherin: Die 20-jährige Susanne Dextor aus Stimpfach sagt, dass sie eher praktisch veranlagt ist.
Lieber Kfz-Mechatronikerin als Erzieherin: Die 20-jährige Susanne Dextor aus Stimpfach sagt, dass sie eher praktisch veranlagt ist. © Foto: Julia Vogelmann
JULIA VOGELMANN 06.11.2014
Als einzige Frau ihres Ausbildungsjahrgangs hat Susanne Dextor aus Stimpfach in diesem Herbst ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin abgeschlossen. Ihre Eltern haben sie immer unterstützt.

Eigentlich waren es ursprünglich drei junge Frauen, die zusammen mit der heute 20-Jährigen die Berufsschulbank drückten und die Lehre zur Kfz-Mechatronikerin begannen. Bereits nach einem Schuljahr jedoch fand sich Susanne Dextor allein unter Männern wieder. Für den eigentlich typischen Männerberuf hat sich die Werkrealschülerin nach einem Praktikum entschieden. "Ich habe zwei Praktika gemacht, einmal im Kindergarten und einmal in der Kfz-Werkstatt. Danach habe ich mich für die Werkstatt entschieden, weil ich eher praktisch veranlagt bin und auch weil ich aus Trotz beweisen wollte, dass Frauen auch etwas anderes als Erzieherinnen werden können", erinnert sie sich an ihren Berufsfindungsprozess. Die Eltern reagierten überrascht auf ihre Berufswahl, unterstützten die junge Mutter einer kleinen Tochter aber, die Ausbildung in einem Stück und in Vollzeit zu absolvieren. "Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mir das ermöglicht haben", betont Dextor.

"Ich bin ein Exot"

Ein Lehrer am Berufskolleg vermittelte ihr schließlich die Lehrstelle in den Werkstätten des Autohauses Wiedmann in Crailsheim. Welche Sonderstellung sie als Frau in diesem Beruf haben würde, war der 20-Jährigen zu diesem Zeitpunkt gar nicht wirklich bewusst. Sie gibt zu: "Mir war nicht klar, dass ich ein Exot bin, das hab ich erst realisiert, als es mir immer wieder gesagt wurde. Doch die Vorzeige-Azubine wollte ich nie sein, und ich war froh, dass mich nie jemand in diese Rolle drängen wollte."

Mit ihren männlichen Kollegen kam sie ganz gut zurecht, auch wenn sie betont, dass man als Frau ein dickes Fell braucht, um im rauen Werkstatt-Alltag zu bestehen. "Man hat schon teilweise das Gefühl, dass manche der Meinung sind, Frauen gehören in die Küche, nicht in die Werkstatt, aber andere sind auch ganz locker. Anhören muss man sich die Späße schon immer wieder, doch genau das gefällt mir an der Zusammenarbeit mit Männern besser. Sie verstehen mehr Spaß, stellen weniger Ansprüche und sind nicht so zickig wie Frauen manchmal", so Susanne Dextor. Doch schnell hat sie auch gemerkt, dass sie als Frau oft eine andere Herangehensweise bei der Arbeit hat als ihre Kollegen: "Ich gehe als Frau anders an Dinge heran, überlege erst mal, wie ich etwas am besten mache oder löse und mach nicht einfach drauflos", beschreibt sie, um dann anzufügen: "Das kann manchmal ein Hindernis sein und einem als Langsamkeit ausgelegt werden."

Mit abgeschlossener Lehre zufrieden

Ein Klischee, das immer wieder im Zusammenhang mit Handwerksberufen und Frauen auftaucht, bestätigt die Mechatronikerin allerdings lachend: "Vom Fingergeschick her war ich oft besser, einfach weil ich als Frau kleinere Hände habe, was ein echter Vorteil ist, wenn es eng zugeht!" Nach dem Abschluss ihrer Lehre hat sie gleich eine Vollzeitstelle in einem kleineren Betrieb gefunden und ist froh über einen Arbeitsplatz mit familiärer Atmosphäre. Karrierepläne hat sie erst einmal nicht: "Ich bin froh, dass ich eine gute Arbeitsstelle habe und eine abgeschlossene Lehre, das genügt mir fürs Erste."