Überwacht von Notar Harald Graf, verteilten vier Jurymitglieder Startnummern an die Tänzer und achteten auf die Einhaltung der Kleiderordnung. Denn nur, wer in Dirndl und Lederhose erschien, durfte mittanzen. Um 19.36 Uhr gab Schirmherr Oberbürgermeister Rudolf Michl das Startsignal. Sechs Minuten und 18 Sekunden lang tanzten daraufhin 401 Paare - der alte Rekord lag bei 250 Paaren - im Zeppel-Schritt zur eigens für den Wettbewerb komponierten Polka "Musikantentraum". Notar Harald Graf konnte keine Unregelmäßigkeit im Protokoll vermerken. "Aus meiner Sicht hat alles gepasst", stellte er fest. Der Bericht des Notars, Film- und Fotomaterial und Presseberichte werden jetzt vom Guinness-Komitee ausgewertet. Dann gibt es die Nachricht, ob der Rekord anerkannt wird.

Von Waldkraiburg bis zum Schwarzwald waren Tanzpaare angereist, um Teil des Weltrekordversuchs zu werden. Und auch viele Einheimische hatten sich unters Tanzvolk gemischt. Mittendrin der Crailsheimer Stadtrat Jochen Lehner mit Ehefrau Corinna. "Ich habe schon beim Herbstball der Banater Schwaben mitgetanzt. Da wurde ich vom Temperament der Frauen mitgerissen", erzählt er. Zwar tanzt der Stadtrat lieber Disko Fox, doch die Polkaschritte - zwei links, zwei rechts - bereiteten ihm keine Probleme. "Meine Frau ist Tanzlehrerin. Da habe ich gewisse Vorteile", verriet Lehner.

Drei Generationen der Familie Jäger aus Mannheim drehten sich im Zweivierteltakt durch die Halle. Theresia Jäger war mit Sohn Richard, Schwiegertochter Christine und den beiden Enkelinnen Theresia (7) und Johanna (5) nach Crailsheim gereist - die ganze Familie in Tracht, versteht sich. Theresia Jäger trug die schwarze Hochzeitstracht ihrer Großmutter. "Es ist ein tolles Erlebnis, beim Rekord mitzutanzen", schwärmte die 64-Jährige und ließ sich von ihrem Sohn zu den schwungvollen Klängen der Kapelle Original Banater Echo aus Spaichingen ebenso schwungvoll über die Tanzfläche führen. "Man sollte nicht glauben, dass meine Mutter erst vor einem Jahr eine neue Hüfte bekommen hat", so Jäger.

Schon vor dem Weltrekordversuch hatte Erich Furak ein siegessicheres Lächeln im Gesicht. Seit dem Volksfest hatte er Werbung gemacht und Polkatänzer aus ganz Deutschland nach Crailsheim eingeladen. "Es sind so viele Paare gekommen - das ist eine sichere Sache. Vorausgesetzt, sie können tanzen", meinte der Vorsitzende der Tanzgruppe der Banater Schwaben. Die Sorge war unbegründet: Schon in den zwei Proberunden zeigten die Tänzer, dass sie viel mehr als die Grundschritte beherrschten. Sie wiegten sich im Takt, stampften, jauchzten und drehten sich, dass sich die Trachtenröcke bauschten und die ersten Hochsteckfrisuren auflösten. "Sinn und Zweck dieser Veranstaltung ist, dass wir uns der Tradition erinnern und gemeinsam etwas schaffen", betonte Erich Furak. Beides ist eindrucksvoll gelungen. Der Erlös der Tanzveranstaltung (über die der SWR am heutigen Montag ab 18.45 Uhr in der Landesschau berichtet) kommt der Kinder- und Jugendstiftung St. Raphael in Unterdeufstetten zugute.