Dienstagvormittag in Wolpertshausen: An der Hauswand eines leer stehenden Abrissgebäudes gleich an der Haller Straße stehen Polizeibeamte in schwerer Schutzausstattung mit Helmen und schusssicheren Westen. Die Pistolen sind im Anschlag. Aus dem Haus brüllt ein Mann nach draußen. Auf einmal fällt ein Schuss. Dann geht alles schnell. Die Tür des Wohngebäudes wird aufgebrochen und mehrere Beamte dringen mit einem Polizeihund an der Leine in den Flur des Gebäudes ein. „Gesichert“, ruft ein Polizist nach draußen.

Polizeihunde Wolpertshausen Polizeihundestaffel übt in Wolpertshausen

Das ist der erste Teil eines Übungsszenarios, das Spezialisten der Polizeihundeführerstaffel des Polizeipräsidiums Aalen sowie Streifenbeamte des Polizeireviers Aalen an diesem Tag drei Mal durchspielen. „Die Lage ist folgende: Ein Gewalttäter in einer psychischen Ausnahmesituation randaliert. Die Vermieter haben gemeldet, dass ihr Untermieter Sachen aus dem Fenster schmeißt und herumbrüllt“, erklärt Jörg Nester, erster Polizeihauptkommissar und Chef der Hundestaffeln des Polizeipräsidiums. „Der Mann ist mit einem Messer bewaffnet, auch eine Schusswaffe ist im Spiel.“ Bei der Übung gehe es darum, mögliche Einsätze unter realistischen Bedingungen zu trainieren. „Und dabei muss alles Hand in Hand gehen. Das muss auch immer wieder geübt werden“, so Nester. Vor allem bei einem sogenannten Notzugriff, denn darum handelt es sich bei der Übung. Die Beamten sollen eine sogenannte „stabile Lage“ herstellen, bis ein Sondereinsatzkommando (SEK) vor Ort ist. Dabei kommt es auch auf Psychologie an, man versucht, mit dem Täter zu kommunizieren.

Die Übung geht weiter. Im Flur des zweistöckigen Hauses stehen Streifenbeamte und zwei Hundeführer mit Butcher, einem dreijährigen Holland Herder – ein holländischer Schäferhund. Plötzlich eskaliert die Situation.

Der Randalierer öffnet die Tür zu seiner Wohnung und schreit die Beamten an. Diese müssen nun schnell reagieren. „Zugriff!“, ruft einer der Polizisten. Gesichert durch die Leine geht Butcher auf den Mann los. Der zweite Hundeführer sichert die Lage mit der Pistole im Anschlag. Der aggressive Mann geht zu Boden. Weitere Polizisten betreten den Raum. Sie fixieren den Angreifer und legen ihm Handschellen an. Butcher ist von seinem Hundeführer zurückgezogen worden, beobachtet den Mann aber sehr genau. Die Lage ist vorerst geklärt, das SEK muss nicht zum Einsatz kommen.

„Es geht bei solchen Einsätzen darum, Unbeteiligte zu schützen“, erklärt Nester. Die Lage sehe vor, dass sich die Vermieter im ersten Stock befinden. Aber auch der gegenseitige Schutz der Polizisten ist ein wichtiges Element bei dem Training. „Dass unsere Übungen wichtig sind, zeigt der Fall in Böblingen“, so Nester. Anfang Juli sind zwei Streifenbeamte bei einem Ruhestörungseinsatz von einem 24-Jährigen mit einem Messer attackiert worden. Sie wurden dabei schwer verletzt. Der Täter konnte nur noch durch Schusswaffengebrauch überwältigt werden. Dabei ist er lebensgefährlich verletzt worden.

Bei diesen Übungen muss auch immer einer den Angreifer mimen. Diesmal ist es Polizeihauptmeister Gerhard Letterer von der Hundestaffel aus Kirchberg. Damit er nicht verletzt wird, trägt er einen sogenannten Vollschutz – einen Anzug aus zentimeterdickem, festem Stoff. „Das zwickt schon ein bisschen, wenn Butcher in den Arm beißt“, sagt der Beamte. Aber das gehöre eben zu einer realistischen Übung dazu. „Und auch wenn ich den Hund kenne: Die Tiere sind so trainiert, dass sie angreifen, wenn es zu einer Situation wie gerade eben kommt“, so Letterer. Übrigens: Seinen martialischen Namen – Butcher bedeutet Metzger im Englischen – hatte der Hund schon, bevor er zur Polizei gekommen ist.

Ideales Übungsgebäude

In dem leer stehenden Gebäude hat die Hundestaffel schon öfters geübt. „Das ist ideal für uns. Nach so was suchen wir“, sagt Nester. Im Wolpertshausener Rathaus ist man natürlich informiert. „Die Feuerwehr hat an und in dem Haus auch schon geübt“, sagt Bürgermeister Jürgen Silberzahn.

Mittlerweile ist Mittag. Drei Durchläufe der Übung liegen hinter den zehn Beamten. Vier Streifenpolizisten aus Hall, vier Hundeführer aus Kirchberg und zwei aus Schorndorf stehen zusammen und halten Manöverkritik mit Kommissar Nester. Butcher ruht sich derweil mit seinem Kollegen Argo – der achteinhalbjährige Schäferhund hat auch geübt – in einem Polizeifahrzeug aus. „Das war eine gute Übung“, sagt Nester. Der Reporter zieht sich zurück und in Wolpertshausen kehrt wieder Ruhe ein.

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Die Hundestaffel des Polizeipräsidiums


Auf zwei Standorte ist die Polizeihundeführerstaffel des Polizeipräsidiums Aalen aufgeteilt. Hauptstandort ist in Schorndorf mit 16 Beamten, in Kirchberg sind sechs stationiert. Die Staffel verfügt über 20 ausgebildete Hunde und einen in Ausbildung. Die Tiere leben bei ihren Hundeführern. „Da legen wir Wert drauf, weil es die Bindung zwischen Mensch und Hund verstärkt“, sagt Jörg Nester, der Leiter der Staffel. noa