Phantombilder veröffentlicht Polizistenmord: Verbindungen nach Hall?

Dem NSU wird der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter zur Last gelegt. Foto: dpa
Dem NSU wird der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter zur Last gelegt. Foto: dpa
THUMILAN SELVAKUMARAN 18.07.2013
Die Hintergründe des Polizistenmords 2007 in Heilbronn sind nicht aufgeklärt. Die Tat wird dem NSU zugeschrieben - doch Phantombilder passen nicht zum Trio. Erstmals hat eine Zeitung die Bilder veröffentlicht.

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Hall/Heilbronn - Phantombilder zeigen keine echten Personen - sie werden anhand von Zeugenaussagen erstellt, die auf Erinnerungen basieren. So gibt es zum Polizistenmord in Heilbronn 14 Phantombilder. Mehrere Zeugen haben daran mitgewirkt. Die Bilder wurden zwischen 2007 und 2011 erstellt. Ihr Wert wird von Polizei und Behörden unterschiedlich eingeschätzt. Die Generalbundesanwaltschaft hat die Phantombilder als nicht glaubwürdig eingestuft - obwohl diese mit Tatrekonstruktionen korrespondieren, wie der damalige Chefermittler der Soko "Parkplatz" erklärte.

Am 25. April 2007 wurde Michèle Kiesewetter während der Pause auf der Theresienwiese im Streifenwagen mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Ihr Kollege Martin A. überlebte auf dem Beifahrersitz schwer verletzt. Er hatte den zweiten Täter im Rückspiegel gesehen und kurz vor dem Knall seinen Kopf gedreht. Die auf ihn abgeschossene Kugel drang oberhalb des rechten Ohrs in seinen Kopf ein und hinter dem Ohr wieder aus. Die Tat wird dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugeschrieben.

Noch heute wird vom Innenministerium behauptet, dass Martin A. sich nicht an die Tat erinnern könne. In den Ermittlungsakten, die dem Haller Tagblatt vorliegen, zeichnet sich aber ein anderes Bild: "Er hatte klare und konkrete Erinnerungen an die Situation, die er sich immer wieder vor seinem inneren Auge abrief und beschrieb", heißt es im Protokoll über A. Anhand seiner Aussagen wurden ebenfalls Phantombilder erstellt.

Wurden die Bilder nicht veröffentlicht, weil sie die Anklagekonstruktion im Münchner NSU-Prozess in Frage stellen könnten? Die Generalbundesanwaltschaft geht nämlich davon aus, dass die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt geschossen haben. Das passt aber nicht zu den Zeugenaussagen. Anhand dieser kommen bis zu sechs Täter in Frage. Keines der Phantombilder passt zum mutmaßlichen Terrortrio.

Die Stuttgarter "Kontext Wochenzeitung" hat als erste Zeitung bundesweit alle Phantombilder veröffentlicht - auch, weil es mögliche Verbindungen in den Haller Landkreis gibt, die nicht ausermittelt sind, wie das Haller Tagblatt bereits im Mai berichtete. So brachte eine ehemalige Informantin des Verfassungsschutzes mehrere NPD-Kader aus der Ilshofener Ebene mit der Tat in Heilbronn in Verbindung. Zumindest ist bei einer Funktionärin eine große Ähnlichkeit mit der einzigen Frau auf den Phantombildern zu erkennen.

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