Wie viele Gutsle am 2. Februar auf die Zuschauer herabprasseln werden, weiß niemand genau. So viel aber steht fest: Der Pferdemarkt wird alle bisherigen Dimensionen sprengen. Denn Creglingen steht am Wochenende, 1. und 2. Februar, ein besonderer Geburtstag ins rappelvolle Haus: der 100. Gailmarkt, wie sie hier zum Pferdemarkt sagen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, das Programm kann sich sehen lassen. Der Festumzug erreicht rekordverdächtige Ausmaße: Über 100 Gruppen haben sich gemeldet.

Im Creglinger Rathaus herrscht schon vor einem „normalen“ Pferdemarkt erhöhter Pulsschlag, doch diesmal ist alles anders. Im Hauptamt, wo die Fäden zusammenlaufen, glühen die Drähte genauso heiß wie im Bauamt. Der Bauhof ist rund um die Uhr im Einsatz, die Hausmeister des Schulzentrums ebenfalls, müssen sie doch unter anderem die beiden Hallen für den großen Ansturm vorbereiten.

Ilshofen

Jeder will beim Creglinger Pferdemarkt dabei sein

„Bei allem Stress überwiegt die Vorfreude, denn alle ziehen mit“, sagt Bürgermeister Uwe Hehn, der sich frühzeitig dafür starkgemacht hatte, den 100. Pferdemarkt-Geburtstag gebührend zu feiern – und zwar nicht an einem Mittwoch, sondern ausnahmsweise zwei Tage lang an einem Wochenende. Die hohe Zahl an Anmeldungen für den Festumzug am Sonntag geben dem Bürgermeister recht: „Jeder will dabei sein, überall wird gebaut wie verrückt“, so das Stadtoberhaupt, das 13 Ortsteilen mit insgesamt 4700 Einwohnern vorsteht.

Der Zug wird so lang, dass die Industriestraße nicht zum Aufstellen ausreicht. Das ist mit ein Grund, weshalb die Creglinger Ortsdurchfahrt am Sonntag, 2. Februar, von 13 bis 17 Uhr komplett für den Verkehr gesperrt wird.

Es gibt 750 Kilogramm an Süßigkeiten

Und einer logistischen Herkulesaufgabe gleicht es zudem, den Zug geordnet starten zu lassen, bevor er sich dann, wie schon 2019, in entgegengesetzter Richtung zur bislang gewohnten Streckenführung durch die Stadt schlängeln wird. Eine gehörige Portion Disziplin der Umzugsteilnehmer wird unabdingbar sein, damit sich der ganze Tross, der weit über einen Kilometer lang werden dürfte, um 14 Uhr in Bewegung setzen kann. Aus allen Ortsteilen und aus der Kernstadt kommen die Umzugsteilnehmer, und die Schulen sind noch stärker als sonst vertreten. Auch die Neunt- und Zehntklässler sind diesmal mit von der Partie. Für die Schülerinnen und Schüler gibt es für den sonntäglichen Einsatz ein kleines Zusatz-Bonbon: Sie bekommen alle am Montag frei.

Auch zahlreiche Gruppen von außerhalb des Stadtgebiets sind mit dabei, unter anderem aus Assamstadt, Lauda oder den angrenzenden fränkischen Gemeinden.

„Bewaffnet“ werden die Umzugsteilnehmer traditionell mit Süßigkeiten. Diesmal haben die städtischen Mitarbeiter insgesamt 250 Säckchen vollgepackt mit Bonbons, Schokolade oder Gummibärchen. Jeder Sack wiegt drei Kilo – macht gut 750 Kilogramm Leckerlis für das staunende Volk.

Für Bürgermeister Uwe Hehn wird der Umzug zum Höhepunkt des Jubiläums, aber: „Eigentlich ist das ganze Wochenende das Highlight“, so der Chef der Stadtverwaltung. Ob Musik-Festival in der Mehrzweckhalle, Vergnügungspark für Alt und Jung, Brillantfeuerwerk, Spielstraße und die von Vereinen und Betrieben mit Leben gefüllte Aktionsbühne in der Kieselallee: Das Programm ist so vielfältig, dass man schon mal den Überblick verlieren kann.

Deshalb rät Uwe Hehn auch dazu, nicht nur am Sonntag nach Creglingen zu kommen, sondern bereits am Samstag. Denn der Sonntag werde von der Pferdeprämierung und dem Umzug dominiert, sodass kaum Zeit bleibt, um das Programm auch nur annähernd ausgiebig nutzen zu können.

Heuer mehr Pferde?

Auch die Zahl der Pferde dürfte sich im Vergleich zu den Vorjahren erhöhen. „Die Pferdebesitzer können ihre Tiere am Samstag herrichten und dann am Sonntag stressfrei anreisen“, so Uwe Hehn.

Dass es mit dem Wetter Probleme gibt, glaubt der Bürgermeister nicht. Wetter-Apps sind nicht sein Ding, er verlässt sich da lieber auf sein Gefühl: „Das Wetter wird passen“, so Uwe Hehn mit der Zuversicht der langjährigen Erfahrung. Hauptsache trocken, lautet die bürgermeisterliche Devise.

Dann wird Creglingen an dem ersten Februar-Wochenende aus allen Nähten platzen – vergleichbar allenfalls mit den großen Stadtjubiläen 1949 und 1999.

Nichts gibt’s umsonst

Umsonst gibt es das große Fest – die „Creglinger Nationalfeiertage“ – natürlich nicht. Uwe Hehn rechnet mit Gesamtkosten von 90.000 bis 100.000 Euro. Davon gehen allerdings noch etliche Tausend Euro ab, die die Stadt durch Eintrittsgelder und Spenden einnimmt.

Wenn es denn am 1. und 2. Februar an etwas mangeln wird, dann sind das nicht Abwechslung, Spaß und Genuss, sondern schlicht und einfach „Schlaf“, wie der Bürgermeister schmunzelnd anmerkt. Ob man das Stadtoberhaupt übrigens auch beim Bull-Riding sehen wird? Auszuschließen ist das nicht, denn, wie sagt Uwe Hehn über sich selbst: „Ich bin zu allen Schandtaten bereit.“