Kirche Pfarrer Hans-Gerhard Hammer verlässt Gemeinde

Brettheim / CHRISTINE HOFMANN 02.07.2013
In Brettheim geht eine Ära zu Ende: Pfarrer Hans-Gerhard Hammer geht nach 35 Jahren Kirchendienst Ende August in den Ruhestand. Er hinterlässt fünf Chöre, ein Begegnungshaus und jede Menge Musik.

Es ist kein leichter Abschied, das sagt Hans-Gerhard Hammer frei heraus. Nur schwer kann er zurücklassen, was er gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth und seinen vier Söhnen in dreieinhalb Jahrzehnten aufgebaut hat. Doch mit Vollendung seines 65. Lebensjahres ist es Zeit für den Ruhestand.

Sorge bereiten Hammer nicht nur die elf Monate Vakanz, die die knapp 950 Gemeindemitglieder und vor allem die 28 Gruppen der Kirchengemeinde ohne Pfarrer überstehen müssen, sondern auch die Pläne, die Pfarrstelle auf weitere Ortsteile auszuweiten. Denn: Durch die Geschäftsführung und den geistigen Betreuungsauftrag im Haus der Musik und Begegnung, das die Familie Hammer vor 17 Jahren gründete und das jährlich etwa 1800 Gäste besuchen, sei das Pfarramt gut ausgelastet.

"Wenn durch weitere Gemeindemitglieder noch mehr Aufgaben dazukommen, wird es für einen Pfarrer zu viel", so Hammer. Doch der Brettheimer Geistliche ist ein Mensch, der positiv denkt und - eingebettet in seinen Glauben - Vertrauen hat. Deshalb schiebt er seine Zweifel beiseite: "Ich habe die Zuversicht nicht verloren, dass es für diese Aufgabe jemanden gibt, der es weitermacht und Freude daran hat."

Hans-Gerhard Hammer wuchs als Sohn eines Pfarrers in Bad Friedrichshall auf. "Mein Vater hat mich in die geistliche Laufbahn hineingedrückt", erinnert sich der 65-Jährige. Er studierte Theologie in Tübingen und Heidelberg. Hammer: "Ich bin zunächst aus den väterlichen Plänen ausgeschert und habe Tanzmusik gemacht." Samstagabend Tanzmusik, Sonntagmorgen Orgelspiel - so ging es einige Jahre. Bis der junge Theologe in seiner Vikariatszeit in Waldenburg durch den dortigen Kinderchor die Verbindung von rhythmischer Musik und Verkündigung kennenlernte. Da hatte er seinen Weg gefunden.

Zu seiner ersten Pfarrstelle in Brettheim brachte er die Musik mit. Er gründete gemeinsam mit seiner Ehefrau zunächst den Jugendchor "Of Sing", später den Brettheimer Kinderchor, der heute in zwei Altersgruppen existiert. Daneben gibt es noch den Kirchenchor und den Projektchor. Viele auswärtige Sänger kommen zu den Proben nach Brettheim, die Chöre haben Auftritte in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland. Dass jeder Gottesdienst einen musikalischen Schwerpunkt hat, versteht sich von selbst.

"Ich bin ein kleiner Christ, das Kreuz mein Zeichen ist. Ob ich sitze oder steh, Gott ist in meiner Näh", textet Hans-Gerhard Hammer und komponiert dazu eine kleine Melodie. Es ist das erste von vielen Mitmachliedern für Kinder, das der musikalische Pfarrer geschrieben hat. Jedes Jahr komponiert er ein Kindersingspiel zu einer biblischen Geschichte, das der Brettheimer Kinderchor auf der Kindermission aufführt. Daneben produziert er Lieder für Jugendliche und Erwachsene - die CD-Sammlung mit Hammer-Werken füllt bereits mehrere Regalbretter. Auch die vier Söhne sind in die musikalischen und geistlichen Fußstapfen getreten. "Die Musik ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens", sagt Hammer. "Heute singt kaum noch jemand. Es ist mir ein Anliegen, wieder mehr Menschen zum Singen zu bringen."

Die christliche Botschaft verbreitet Pfarrer Hammer über seine Lieder und Chöre weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Es ist seine Art der Missionsarbeit. Damit erfüllt er einen Plan, den er vor vielen Jahren fasste: Im Alter von sechs Jahren spürte er die Berufung, Missionar zu werden.

Hans-Gerhard Hammer ist Prädikantenpfarrer und Mitglied im Prädikantenrat. Außerdem gehört er dem Kirchenbezirksausschuss an und ist zuständig für die Kirchenmusik im Kirchenbezirk Blaufelden.

Nach der Verabschiedung in den Ruhestand zieht das Ehepaar nach Großaltdorf. "Hier ist ein Pfarrhaus zu mieten, es gibt viele Chöre in der Gemeinde und manchmal wird auch ein ehrenamtlicher Pfarrer gebraucht", berichtet Hans-Gerhard Hammer. Das klingt tatsächlich, als wäre das absolut der richtige Platz für ihn.

Musik und Begegnung
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