Petra Schmidt weiß, wie man sich etwas aufbaut. Sie war schließlich jahrelang Architektin - in ihrem "früheren Leben", wie sie selbst sagt. Dieses Wissen kann sie von heute an gut gebrauchen, denn: Die Kirchbergerin beginnt ihr Dasein auf der Straße. Mit einem Fahrer und 7,5-Tonner "Emma" klappert sie Dörfer in den Gemeinden Kirchberg, Rot am See, Wallhausen, Satteldorf, Gerabronn und Ilshofen ab und gibt den Menschen dort die Möglichkeit, endlich einmal wieder fußläufig einzukaufen.

Der demografische Wandel und seine Auswirkungen sind Schmidt schon als Architektin immer wieder begegnet. "Warum sollen wir in einem Dorf bauen, wo es nichts gibt?", fragten die Jungen. "Wie soll das einmal werden, wenn wir nicht mehr Auto fahren können?", fragten die Alten. "Muss das denn alles so sein?", fragte sich Schmidt.

Und plötzlich kam ihr die Idee, plötzlich sah sie sich im Laster sitzen. Dann las sie in der Zeitung von einem Vortrag über die Unterversorgung der Dörfer, ging hin, knüpfte erste Kontakte, recherchierte, fand heraus, dass es in Norddeutschland schon Hunderte mobile Supermärkte gibt - und beschloss: Das mache ich.

Am Samstag hat sie ihren Roll-Laden in Gaggstatt eingeweiht. Zahlreich schoben sich da schon die Gäste über die acht Meter lange Ladefläche und brachten Schmidts Nichten Jael Hanselmann und Michelle Schmidt ganz schön ins Schwitzen. Die halfen nämlich an der Kasse aus. "Ich war gar nicht darauf eingestellt, dass die Leute so einkaufen", sagt die Chefin. Taten sie aber.

Schwerpunkt: Erzeugnisse aus der Region

Christine Ziegler aus Beimbach zum Beispiel freute sich über glutenfreie Nudeln: "Die findet man nicht überall." Manches freilich wird man auch im rollenden Supermarkt nicht finden, aber das Nötige auf jeden Fall. Und einen Schwerpunkt legt Schmidt ganz bewusst auf Erzeugnisse aus der Region: "Ich möchte weg von Industrieprodukten", sagt sie.

Es ist kein Geheimnis, dass sich in Hohenlohe mehr als nur eine Handvoll Direktvermarkter tummeln. Schmidt hat sich umgeschaut und bündelt einige dieser Angebote. So gibts Wurst aus Asbach, Brot aus Wallhausen, Gummibärchen aus Schainbach, Käse aus Langenburg, Putenfleisch aus Weikersholz, Nudeln aus Dankoltsweiler, und so weiter. Schritt für Schritt will Schmidt noch mehr Lieferanten gewinnen - und zwar nicht nur für Lebensmittel, sondern gerne auch für Geschenkartikel. So gibt es an Bord beispielsweise Stahlschalen der Beimbacher Kunsthandwerkerin Beate Binder zu kaufen.

Wenn alles gut läuft, werden schon bald weitere Haltestellen dazukommen und will Schmidt einen Bring- und Lieferdienst frei Haus aufbauen. Sie ist zuversichtlich, dass ihr Angebot auf eine freudige Nachfrage trifft, weiß aber auch, dass gut Ding Weile haben will: "Ein paar Wochen oder Monate muss ich schon durchhalten. Aber da bin ich zäh genug."

www.unser-rollender-supermarkt.de

Wo der rollende Supermarkt wann hält


Route des rollenden Supermarktes durch Hohenlohe auf einer größeren Karte anzeigen