Vom Dachboden aus sieht man kleinere Löcher im Dach. Ein paar Firstziegel fehlen. Zum Teil ist der Speis herausgebrochen und wir hatten auch schon mal einen Stromschaden durch eintretendes Wasser“, zählt Pfarrer Volker Adler augenscheinliche Schäden an der evangelischen Kirche auf. Einen genaueren Überblick über die Schäden im Dachstuhlgebälk hat ein 3-D-Scan im Zuge der Voruntersuchungen ergeben: Vor allem im Traufbereich, wo die Balken auf das Mauerwerk stoßen, lassen sich Schäden erkennen. Die Schadenskartierung diente auch der Kostenermittlung. Auf 940 000 Euro hat Architektin Sabine Kronmüller, die auch schon die Sanierung der Kirche in Untersontheim geplant und beaufsichtigt hat, die Kosten kalkuliert. „Bei der Ausschreibung hatten wir Glück, dass wir bei niedrigeren Kosten herausgekommen sind“, meint Adler.

60 000 Euro fehlen noch

Erst vor ein paar Tagen ist die letzte Förderzusage eingetroffen. „Frau Kronmüller hat uns auf die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz aufmerksam gemacht. 100 000 Euro bekommen wir von dort. Das hat uns sehr gefreut, denn damit hat sich unser Eigenanteil ordentlich verringert“, erklärt Kirchenpfleger Timo Schmidt. Bei rund 300 000 Euro liegt er. „60 000 Euro fehlen uns noch. Die hoffen wir, durch Spenden aus der Gemeinde zu decken“, so Schmidt.

Schon Ende Februar wurde der westliche Teil der Kirche, der im 19. Jahrhundert angebaut wurde, eingerüstet. „Ich wollte so früh wie möglich im Jahr beginnen, damit wir bis Ende November fertig werden. Es ist ja ein großes Dach“, so die Architektin. Nicht nur unter Zeitdruck steht das Bauvorhaben, eine Herausforderung ist auch die schlechte Zugänglichkeit der Kirche. Adler weist darauf hin, dass nur der Grund, auf dem die Kirche steht, der Kirchengemeinde gehört. Das umgebende Gelände mit dem kürzlich sanierten Friedhof gehört der Stadt Vellberg und darf nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. „Man kommt nur von hinten durch den Friedhof zur Kirche. Aber für Lkw ist der Hauptweg zu schmal, da würden die seitlichen Natursteinplatten zerbrechen“, so Adler. Nur Kleintransporter können den zuführenden Weg befahren, ohne ihn zu beschädigen. Vom Parkplatz aus haben die Bauarbeiter außerdem ein Gerüst über die Friedhofsmauer gebaut, über das sie zur Kirche gelangen und teilweise auch Material transportieren.

Martinskirche in Vellberg Dachstuhlsanierung in der Vellberger Kirche

Inzwischen haben die Handwerker im Traufbereich die Dach­ziegel entfernt und sorgsam gestapelt. Viele sind verformt, andere zerbrochen. „Das Denkmalamt wünscht, dass wir beim Wiedereindecken so viele alte Ziegel wie möglich verwenden. Auf dem Teil des Daches, an dem jetzt gearbeitet wird, sollen die noch brauchbaren alten Ziegel verwendet werden. Das Dach auf der Ostseite wird mit neuen Biberschwanzziegeln eingedeckt“, beschreibt Kronmüller die Vorgehensweise. Alle werden mit Klammern gesichert, damit das Dach bei einem Sturm nicht beschädigt wird.

Crailsheim

Richtig sichtbar wurde das Ausmaß der Schäden erst, als die Ziegel entfernt waren. Besonders auf der Nordseite sind viele Sparren, wo sie auf der Mauer aufliegen, marode. An manchen Stellen an der Traufe sind ursprünglich liegende Balken vollkommen verschwunden. Sie haben sich im Lauf der Zeit zersetzt. Aber es sind schon Baufortschritte erkennbar: Die Zimmerleute zweier Hessentaler Firmen haben bereits einige verfaulte Balkenteile passgenau durch neue ersetzt. Dabei verwenden sie wie früher ausschließlich Nägel aus Holz und keine Metallverbindungsstücke. „Wir brauchen genug Manpower auf der Baustelle, immer vier bis fünf Zimmerer, damit uns die Zeit reicht“, begründet Kronmüller, dass zwei Zimmereien gleichzeitig bauen.

Auch ein Steinmetz ist vor Ort und beseitigt Schäden an der Fassade und den Fenstergewänden, der steinernen Umrahmung der Fenster im Kirchenschiff. Am Schluss wird das ganze Mauerwerk frisch gestrichen, auch der Turm. Davon wollen Pfarrer Adler und die Architektin den Oberkirchenrat noch überzeugen. „Es sieht doch besser aus, wenn die Kirche insgesamt einheitlich wirkt“, meint Pfarrer Adler.

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Auch die Kelten waren schon da


Auf dem Bergvorsprung zwischen Bühlertal und dem Aalenbachtal haben schon vor unserer Zeitrechnung Kelten gesiedelt. Erstmals genannt wird die Martinskirche innerhalb der Stöckenburg in einer Urkunde Ludwigs des Frommen aus dem Jahr 822. Sie gehörte zum Bistum Würzburg. Erbaut wurde sie wohl wie die Burg Stöckenburg im 7. Jahrhundert. Der geschnitzte Hochaltar entstand um das Jahr 1500, er wird der Schule Tilman Riemenschneiders zugeschrieben. Sehenswert sind auch die Decken- und Wandbemalungen. siba