Etwas verärgert ist die junge Mutter schon. Gerade hat sie mit ihrem Baby samt Kinderwagen an der Untermünkheimer Ortsdurchfahrt einen unfreiwilligen Kurzausflug auf die dort stark befahrene Bundesstraße unternehmen müssen. Der Grund: Falschparker haben ihren Wagen auf dem Gehweg abgestellt. „Und das ist jetzt und heute keine Ausnahme“, beklagt die 24-Jährige.

Ihren Namen will sie lieber nicht in der Zeitung lesen – gerade weil sie die Brisanz im Ort wegen dieses Themas kenne. „Ich gönne natürlich den Geschäftsleuten hier ihren Umsatz und bin froh, dass wir sie hier haben“, meint sie. Die könnten auch meist nichts dafür, dass ihre Kunden meinten, direkt vor den Läden ihr Auto abstellen zu müssen. Aber für sie und insbesondere auch ältere Menschen, die mit dem Rollator unterwegs sind, führe das zu Gefahrensituationen, wenn sie wegen des von Autos blockierten Gehwegs auf die Straße ausweichen müssten.

Und wenn sie – selbst im netten Ton – darauf hinweise, kassiere sie oft nur harte Worte. „Da heißt es ,Ich wollte ja nur kurz da rein’. Aber im Regen will ich auch nicht fünf Minuten warten. Und wenn das eine Auto wegfährt, steht ja schon das nächste da, und weiter kommt niemand vorbei“, lautet ihre Erfahrung. Oft nehme sie schon weitere Strecken zwischen den beiden Ampeln auf der anderen Straßenseite in Kauf.

Ein Szenario, das in Untermünkheim bestens bekannt ist. Auch der einzige Ehrenbürger der Kommune, Frieder Krumrein, hatte sich schon in der Bürgerfragestunde des Untermünkheimer Gemeinderats darüber beschwert. Aber die Verwaltung scheint relativ machtlos. „Vereinzelt haben wir schon Fahrer gemeldet, die auf den Gehwegen stehen“, erklärt Bürgermeister Christoph Maschke. Dabei gehe es weniger darum, dass die Ordnungswidrigkeit bestraft werde, sondern mehr darum, ein Zeichen zu setzen.

Verkehrszeichen könnten dort nicht angeordnet werden, auch keine Halteverbotslinien. Denn in der Straßenverkehrsordnung steht schon eindeutig, dass das Parken auf dem Gehweg schlichtweg verboten ist. Die Strafzettel fruchten eh eher wenig.„Das Problem zieht sich die ganze Bundesstraße entlang“, berichtet Maschke: egal ob vor dem Bäcker, der Post oder der Pizzeria, auch gegenüber der Metzgerei aus Richtung Hall kommend auf dem rechten Gehweg. „Das ging dort schon so weit, dass Leute nicht mehr aus ihrem Haus kamen, weil deren Eingangstür zugeparkt war“, weiß er.

Dass es zu wenige Parkplätze gebe, daran liegt es nicht. Die Fahrer müssten eventuell nur ein paar Meter weitergehen und mit ihrem Wagen die Durchgangsstraße verlassen, um Parkplätze – manche sogar im Eigentum der Geschäfte – zu erreichen. „Egoismus und Faulheit siegen da halt“, meint die Mutter. Sie finde es „einfach respektlos“, dass gerade Schwächere wie Gehbehinderte oder Eltern mit Kinderwagen darunter leiden müssten.

Rettungskräfte werden lahmgelegt

Und vielleicht schnell auch einmal Menschen, die sich in Not befinden und umgehend Hilfe brauchen. Denn auch Zufahrtswege für die Feuerwehr werden zugestellt. „Das beginnt schon direkt neben dem Rathaus auf dem Weg hinters Gebäude“, nennt Untermünkheims Feuerwehrkommandant Martin Munz ein Beispiel. Obwohl es ein Schild gibt, das auf die Zufahrt zur Fahrzeughalle hinweist, stellten Fahrer ihr Auto so ab, dass der notwendige Begegnungsverkehr unmöglich wird. Alarmierte anfahrende Feuerwehrleute und ausrückende Löschfahrzeuge kämen dann nicht mehr aneinander vorbei.

Beim Deutschen Roten Kreuz, das seinen Rettungswagen im Steinach stationiert hat, kommt es insbesondere bei Fußballspielen und anderen Veranstaltungen immer wieder vor, dass das Garagentor durch Falschparker blockiert werde. „Die stehen dann so, dass wir nur ein kleines Stück aus der Garage, aber nicht mehr an ihnen vorbeikommen“, verdeutlicht Bereitschaftsleiter Olaf Mutschler. Kritik von Falschparkern, man hätte sie doch kurz ausrufen können, lässt er nicht gelten. „Wenn wir los müssen, geht es manchmal um Sekunden, wenn ein Herz stillsteht“, gibt er zu bedenken.

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