Wirklich brauchen tut man gar nichts, sagt der eine, aber ich muss doch auch was verdienen, der andere. So gesehen prallen beim Ostermontagsflohmarkt in Bartenstein eigentlich Welten aufeinander. Und trotzdem wechseln tausend nützliche und unnütze Dinge den Besitzer. Eine klitzekleine Auswahl: Tassen, Bügeleisen, Lampen, Gläser, Schallplatten, Telefone, Kreuze, Heiligenbilder, Uhren, Ferngläser, Puppenstuben, Schuhe, Kleider, Lederhosen, Stahlhelme, Krauthobel, Nähkästchen, Schlüssel, Hammer, Hufeisen, Telefonbücher, Romane.

Und wer hat den Bartensteiner Flohmarkt erfunden? Nein, nicht die Schweizer, sondern eine kleine Gruppe von Hohenloher Sammlern, allen voran Gisela (73) und Traugott (71) Döring aus Schrozberg. Ortsvorsteherin Rose-Marie Nauber habe nachgefragt, ob sie sich mit einem Stand am Ostermontagsmarkt beteiligen können. Und warum wurden gerade sie gefragt: Weil sie schon immer alte Sachen gesammelt und damals noch einen Antik- und Trödelmarkt betrieben haben. Gerade mal 20 Stände waren vor 20 Jahren im Bereich des Brunnens aufgestellt. Heute geht die einen Kilometer lange Flohmarktmeile vom Schloss bis vor das Tor der Stadt, und es werden an 150 Ständen Waren unterschiedlichster Art angeboten. "Und wir sind dem Markt bis heute treu geblieben", strahlen die Dörings.

Einer sucht nur eines: Bierkrüge und nichts sonst. Er kommt aus Tauberbischofsheim, wo "na ja, vielleicht so um die tausend Krüge" stehen. Sein Name tut nichts zur Sache, sagt er, doch ansonsten redet er sehr offen über seine Sammelleidenschaft, die ihn vor fünf Jahren gepackt hat. Jungfräulich soll das für den Genuss des Gerstensaftes geschaffene Gefäß sein, also wenig Gebrauchsspuren aufweisen. Und alt, möglichst ganz arg alt, sollten die Krüge sein. Am Stand der Flohmarkt-Mitbegründer Döring wird der Mann von der Tauber fündig: ein echter, mindestens 70 Jahre alter Riedbacher Frankenbräu Krug. Sechs andere hat er an anderen Ständen gefunden, "und ich bin noch nicht durch".

Etwas schneller durch ist man beim gleichzeitig stattfindenden Markt in Langenburg. Er ist kleiner und gemütlicher, hat eine andere Atmosphäre und ein anderes Angebot. Wer frische Mandeln und neue Socken sucht, Silberschmuck und Halbedelsteine, süße Spezialitäten und Schwiegermutterkäse (am Anfang würzig, im Nachhinein pikant), Sonnenbrillen und Gartenfiguren, Korbwaren und Kleidung aus Guatemala, der wird in Langenburg fündig. Ein bestens bestückter Krämermarkt, bei dem sich viele Menschen treffen, schlendern, schauen und kaufen.

Hochprozentige und andere Hohenloher Produkte gibt es auf dem alten Brauereiplatz am Stadttor: Stutenmilch, Bauernhofeis, Honig, Käse sowie auf besondere Weise behandeltes und in Flaschen abgefülltes Obst. Monika und Andreas König aus Elzhausen bei Braunsbach bieten hochprozentige Quitten, Aprikosen, Birnen, Äpfel, Johannisbeeren, Himbeeren, Erdbeeren und Holunder aus Hohenlohe an. Und die Königs gehen bei der Produktion von Schnäpsen und Likören auch immer wieder neue Wege. Jüngste Krönung des Erfolgs: Ein Obstler, der in einem Fass aus Kastanienholz gereift ist.