Das wünscht man wirklich keinem!“ Konrad Hahn deutet noch einmal auf das Foto auf der Leinwand. Es zeigt einen ausgebrannten Stall, nur noch zwei verbogene Stahlträger ragen in den rauchigen Himmel. „Danach wird Ihr Freund, der Versicherer, zum Feind. Das können Sie mir ruhig glauben.“ Hahn ist Geschäftsführer der Würzburger GVP, der Gesellschaft für Versicherungsprüfung.

Viele der 120 Besucher in der Schmalfeldener Ernst-Sachs-Liederhalle schauten erstaunt – nicht nur in diesem Moment. Auch Lothar Mühlenstedt vom veranstaltenden Maschinenring Blaufelden schüttelte immer wieder den Kopf: „Es ist der Hammer, woran die Landwirte alles denken müssen.“ Bereits beim Vortrag von Jürgen Gierke von der Schrozberger GET Elektrotechnik wurde klar, wie umfangreich das Fachgebiet Elektrik in der Landwirtschaft ist. „Wichtig sind bei einer Besichtigung nicht nur Zählerplatz und Verteiler, sondern auch Dinge wie Kabelbeschriftung und Erdungspläne.“ Die Vorbereitung auf eine elektrische Prüfung sei umfangreich: „Der Betreiber muss zum Beispiel die Unterverteilungen und die Brandschutzwände einzeichnen.“

Sachsenheim

Auch wenn die Landwirte sehr viele Bauarbeiten selbst übernehmen könnten, erreicht dies bei der Elektrik seine Grenze. „Es muss eine Elektrofachkraft benannt werden, die die gesetzlichen und behördlichen Sicherheitsvorschriften kennt“, sagte Gierke. Mindestens alle vier Jahre müssen alle elektrischen Anlagen und Betriebsmittel überprüft werden.

Landwirte haben Beweispflicht

Wenn doch einmal der Schadensfall eintritt, dann erreicht die Schadenssumme schnell eine sechs- oder siebenstellige Höhe. „Das kann die Existenz kosten“, erzählte der Brandschadensmanager Konrad Hahn aus seiner rund 30-jährigen Berufserfahrung. Eines seiner eindringlichsten Rechenbeispiele: Ein Landwirt versichert seinen Hof mit einer Million Euro. Das Wertgutachten beträgt aber 1,3 Millionen Euro. Der Brandschaden wird auf 800.000 Euro geschätzt. „Da denkt man dann doch: Passt, der Schaden ist niedriger als die Versicherungssumme.“ Hahn fragte in die Runde: „Wer denkt, dass dann 800.000 Euro von der Versicherung überwiesen werden?“ Viele werden wohl entsprechend gedacht haben. Doch im Endeffekt fehlen dem Landwirt rund 200.000 Euro, weil das Wertgutachten höher lag. Der Hof war unterversichert.

Doch selbst wenn die Versicherungshöhe ausreichend war oder zum Neuwert versichert war, kämpfe „die Versicherung mit allem, was sie aufbieten kann“. Das sei vor 20 Jahren noch nicht so gewesen. Firmen wie die GVP würden versuchen, „auf Augenhöhe“ mit den Versicherungen zu verhandeln: „Es geht um sehr viel Geld.“ Allerdings sei es meist zu spät zum Verhandeln, wenn das Wertgutachten bereits erstellt ist.

Eine weitere Herausforderung im Schadensfall sei, dass Versicherungszahlungen lange hinausgezögert würden. Wenn dann noch die Betriebsunterbrechungsversicherung fehle, werde es finanziell eng. Vor allem die sogenannte „Obliegenheitsverletzung“ ziehe Probleme nach sich. Dahinter verbergen sich Bereiche wie Elektro, abgestellte Pkws oder die Heuselbstentzündung. „Da müssen Sie beweisen, dass Sie nicht verantwortlich sind“, sagte Hahn in die Runde. Beim fehlenden „Elektro-TÜV“ seien finanzielle Abzüge in der Höhe von 10 bis 50 Prozent von der Versicherungssumme möglich. Manch ein Landwirt war nach den zweieinhalb Stunden ob der vielen zu beachtenden Vorschriften und Paragrafen sichtlich bedient.

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