Einen Tag lang aufs Auto verzichten? Das muss doch machbar sein. Ich wähle einen Donnerstag aus, an dem ich vormittags um 11 Uhr einen Termin in Schwäbisch Hall in der Mauerstraße, also in der Innenstadt, habe und am Nachmittag einen in Ellrichshausen. Geschickt wäre es, am Morgen gleich noch einen Besuch im Diak zu machen. Mit dem Auto wäre das alles kein Problem. Aber mit dem ÖPNV? Ich suche im Internet und versuche, Verbindungen auszuknobeln. Ich saß mehrere Stunden dran.

Dabei ist das System einfach, das der Verkehrsverbund Kreisverkehr auf seiner Homepage anbietet: einfach Einstiegsort und gewünschten Zielort eingeben – fertig. Aber muss ich jetzt beim Diak die Haltestelle „B19“ wählen oder doch die andere? Und wo genau war noch mal der Stadtbahnhof in Schwäbisch Hall?

Laut Plan eine lange Fahrt

Für die erste Fahrt – von Ingersheim ans Diak – bietet mir das Fahrplansystem eine Verbindung an, bei der ich in Crailsheim 35 Minuten zu Fuß auf den Bahnhof laufen muss. Dann mit Zug und Bus weiter. Eine Stunde und 23 Minuten wäre ich unterwegs.

Eine etwas spätere Verbindung ist schneller, nur eine Stunde und zwölf Minuten. Das geht, finde ich, gerade noch, auch wenn das Auto natürlich schneller ist. Meistens jedenfalls. Der Nachteil dieser Verbindung: In Hall soll ich 30 Minuten vom Haller Stadtbahnhof ins Diak hinüberlaufen. Das ist sportlich, denke ich, vor allem im Businessoutfit mit Computertasche.

Das muss auch anders gehen, denke ich, und rufe im Kontaktbüro des Kreisverkehrs in Crailsheim an. Es ist eine freundliche Dame dran. „Sie nehmen einfach den S1 zum ZOB und von dort aus geht es mit der Stadtbuslinie 4 weiter“, wird mir erklärt – die Stadtbusse fahren ja regelmäßig, in Hall wie in Crailsheim. Man muss also nur so lange an der Haltestelle warten, bis ein Bus vorbeikommt. Also alles kein Problem?

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Landkreis

Der S1 – das ist der Schnellbus von Crailsheim nach Schwäbisch Hall, und der ist wirklich schnell: 35 Minuten laut Fahrplan von ZOB zu ZOB. In ihm sitzen morgens und nachmittags vor allem Bausparkassen-Mitarbeiter, denn er hält für sie direkt vor der „Büchs“ – vor ihrem Büroturm an der Crailsheimer Straße in Hall. Doch der Bus hat einen Nachteil, er fährt nicht am Vormittag. Kein Wunder also, dass mir das Internet-Fahrkartensystem die Verbindung gleich gar nicht angezeigt hat.

Mit anderen Worten: Ich verschiebe meinen Besuch im Diak. Das ist vielleicht doch eher eine Sache fürs Auto, denke ich und wähle eine Verbindung aus, die mich nahe an die Haller Innenstadt, und in diesem Fall zum Haller Stadtbahnhof bringt. Der Weg hinunter zur Mauerstraße ist nicht weit. Ich muss dann zwar noch eine halbe Stunde warten, aber na ja, es geht halt nicht alles.

Termine nach ÖPNV richten

Danach mache ich einen gemütlichen Bummel durch die Stadt, ich habe ja Zeit bis zum Bus zurück. Denn für die Rückfahrt habe ich mir den Nachmittags-Schnellbus ausgesucht, der am Crailsheimer ZOB direkt auf den Bus nach Ellrichshausen trifft. Eine gute Stunde werde ich unterwegs sein und pünktlich in Ellrichshausen – aber nur, weil ich den Termin dort verschieben konnte. Sonst wäre ich doppelt so lange unterwegs gewesen.

Und das ist der Trick am ÖPNV auf dem Land: Wer ihn nutzen will, der muss seine Termine auf die Bus- und Bahnzeiten einrichten und muss Wartezeiten einkalkulieren – doch das hat auch sein Gutes. Denn beim Warten hat man Zeit. Und wann hat man die schon mal?

Nett auch: An diesem Tag ohne Auto bin ich zwei Mal unverhofft mit Menschen ins Gespräch gekommen. Einmal beim Bummeln in Hall: Eine Dame pflegte ihren kleinen Stadtgarten – es entspann sich ein netter Plausch über den Gartenzaun. Im Bus zurück erzählte meine Nebensitzerin von den Abenteuern, die man im Bus erleben kann, und die erlebte ich dann selbst: Denn auch wenn die Straße von Roßfeld nach Ilshofen zur Zeit gesperrt ist: der Bus fährt sie. Über verschlungene Pfade und den Fahrradweg. Dort kam unserem Bus dann ein anderer Bus entgegen. So etwas erlebt man nicht alle Tage.

Ich musste abends übrigens noch nach Bölgental, und da waren die Grenzen des ÖPNV natürlich erreicht. Mobil ohne Auto? Das ist auf dem Land wirklich schwierig. Mit dem Fahrrad wäre ich natürlich noch nach Bölgental gekommen. Vielleicht denke ich demnächst mal über ein E-Bike nach?

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