Verwertung Obstverwertung: Viel Arbeit statt saftiger Gewinne

Wolpertshausen / CLAUDIA KERN-KALINKE 08.03.2013
Aus einem Hobby entstand die kleine Firma "Hofsaft Limited" in Reinsberg. Christian und Elke Rauscher konnten im vergangenen Jahr die Produktion auf 20.000 Liter hochfahren - mit einem ganz besonderen Saft.

Es gibt sie noch, die stolzen Besitzer von Streuobstwiesen, die sich der ökologischen Bedeutung ihrer Grundstücke bewusst sind und die Früchte zu schätzen wissen, die dort wachsen. Aber wohin mit den Bergen von Äpfeln, Birnen und manchmal auch Quitten? Wie kann man den Obstsegen aus dem eigenen Garten über den Herbst hinaus haltbar machen?

Christian und Elke Rauscher wissen Rat: Die Früchte pressen, den Saft pasteurisieren und in luftdichte Plastikbeutel abfüllen. Diesen Service bieten sie alljährlich vom zweiten Septemberwochenende bis Anfang November. Dafür erhielt Christian Rauscher nun den Agrarkulturpreis in der Kategorie Biodiversität.

Rund 80 Familien aus der Umgebung nutzten das Angebot im vergangenen Jahr, genießen nun den Saft aus ihren eigenen Früchten, der auch Monate nach dem Pressen noch den frischen unvergorenen Geschmack hat. Die Obstbesitzer müssen nicht einmal mithelfen, wie es sonst in den ländlichen Mostereien üblich ist. Sie liefern nur ihre Äpfel und Birnen ab und können tags darauf den fertigen Saft mitnehmen.

Wenn im Spätsommer die Äpfel reif sind, beginnt eine besondere Betriebsamkeit auf dem Nebenerwerbshof der Familien Rauscher und Hanselmann in Reinsberg. Christian und Elke Rauscher sowie deren Schwester Dorothee Hanselmann - alle drei haben Agrarwirtschaft studiert - stehen von September bis November jedes Wochenende und oft auch unter der Woche an der Saftpresse und am Pasteur.

"Bis zu vier Tonnen haben wir schon an einem Tag geschafft", erzählt Christian Rauscher "aber für so eine Menge müssen wir morgens um drei Uhr aufstehen und bis Mitternacht durcharbeiten". Anschließend den Maschinenpark zu putzen, dauere allein zwei Stunden, sagt Rauscher, der hauptberuflich bei der Ilshofener Firma Inotec für den Vertrieb zuständig ist.

Kunden bringen das Obst lose im Pkw-Anhänger oder in Säcken. Manchmal sind auch Quitten dabei. 200 Kilogramm sollten es mindestens sein. "Jeder kann sich seine Mischung selbst zusammenstellen, und jeder Saft schmeckt anders", freut sich Christian Rauscher, der selbst gern mit verschiedenen Obstsorten experimentiert.

Die Früchte werden erst ins Wasserbad gekippt und gewaschen. Eine Förderschnecke schiebt sie in die Rätzmühle, wo sie zu Mus gemahlen werden. Von dort fällt die Maische direkt in Presstücher. Abwechselnd gefüllte Tücher und Holzlattenroste werden aufgeschichtet. Dadurch entsteht ein Turm aus acht bis neun Lagen, der dann mit 320 Bar gepresst wird. 100 Kilogramm Obst ergeben 60 Liter Saft. Schnell noch durch den Filter und dann ins Fass, das mit dem Namen des Kunden beschriftet ist.

Aus dem Fass geht es in den gasbetriebenen Pasteur, der 450 Liter in der Stunde schafft. Der heiße Saft wird in Fünf- oder Zehn-Liter-Beutel gefüllt. Jeder ist mit einem kleinen Zapfhahn ausgestattet, der später kinderleichtes Abfüllen in Gläser oder Karaffen erlaubt. Ein Pappkarton erleichtert die Handhabung. In Gitterkästen kühlen die Beutel ab, ehe die Kunden sie holen.

"Bei uns geht nur kalter Saft vom Hof", betont Rauscher, der auf schnelles Erhitzen und schnelles Abkühlen schwört: "So bleiben Geschmack und Vitamine am besten erhalten."

Ganz ohne Zugabe chemischer Substanzen hält sich der Saft mindestens ein Jahr lang. Dass sie ihre Bäume nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandeln, wissen die Gartenbesitzer selbst am besten. So wird der naturreine und alkoholfreie Süßmost zum idealen Getränk für Familien mit Kindern.

Christian Rauscher, der 1976 in Lörrach geboren ist, brachte bereits die Begeisterung für Äpfel und den daraus entstehenden Saft ins Hohenlohische mit, als er in die Familie Hanselmann einheiratete. Mit dem ersten Pasteurisiergerät, das 60 Liter Saft in der Stunde erhitzen konnte, versorgte er die Familie und ein paar Freunde. Schon im dritten Jahr baute er sein Hobby aus, schaffte größere Geräte an und musste notgedrungen eine Firma für seine nun gewerblich betriebene Mosterei gründen: die Hofsaft Limited.

"Der Stundenlohn geht allerdings gegen Null", räumt Christian Rauscher ein. Grund ist die Ausstattung mit immer größeren Maschinen und Geräten. Jetzt träumt er von einem neuen Filter, mit dem es im Herbst noch besser läuft.