Die Übergabe hat ein bisschen was von einem Frühschoppen. Am vergangenen Sonntag hat sich das Team des TSV Obersontheim auf dem Sportplatz in Untersontheim versammelt und erhält dort aus den Händen von Bezirksspielleiter Hartmut Megerle den Meisterwimpel. Die Stimmung ist locker und gelöst: Musik läuft, das eine oder andere Bier wird geöffnet.

Dass als Treffpunkt der Platz in Untersontheim gewählt wurde, kommt nicht von ungefähr. Denn Hartmut Megerle nimmt diesen ab. Er überprüft die Maße, die Beschaffenheit des Platzes und erklärt ihn dann für wettbewerbstauglich, „und zwar für alle Ewigkeit“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. Dass nun auch dieser Platz beispielsweise für Jugendspiele zur Verfügung steht, kann man auch als Signal deuten: Der TSV Obersontheim hat sich für die Zukunft etwas vorgenommen. Der Aufstieg in die Landesliga soll kein willkommener Ausrutscher sein.
Der Anlass sei schön, die Umstände weniger. So kann man die Worte von Hartmut Megerle an die Mannschaft zusammenfassen. Wegen der Corona-Pandemie musste die Saison nach dem ersten Spiel der Rückrunde abgebrochen werden. Obersontheim wies zu diesem Zeitpunkt den besten Quotienten auf und wurde dadurch Meister. Und verschwindet damit aus Hartmut Megerles Zuständigkeitsbereich, da der TSV nun überbezirklich spielt. „Ich will hier eines ganz klar sagen: Ich will euch nicht mehr wiedersehen!“ Damit sorgte Hartmut Megerle für einige Lacher und fügte hinzu, dass er hoffe, dass der Bezirk Hohenlohe „bald die gesamte Landesliga übernehmen wird“. Die lockeren Sprüche passten zur Atmosphäre.

Fünf Teams aus Hohenlohe

Einen wahren Kern indes haben Megerles Aussagen: In der kommenden Saison spielen mit der TSG Öhringen, dem TSV Pfedelbach, der SG Sindringen, der Spvgg Satteldorf, den Sportfreunden Hall und dem TSV Obersontheim sechs Vertreter des Bezirks Hohenlohe in der auf wohl 20 Mannschaften aufgeblähten Landesliga, also wahrscheinlich mehr als ein Viertel der Teams.

Das aber schreckt beim TSV Obersontheim niemanden. Trainer Michael Deininger ist davon überzeugt, dass seine Mannschaft auch in der Landesliga mithalten kann. „Es ist ein großer Schritt von der Bezirks- in die Landesliga, aber wir haben einige Spieler dabei, die dort oder sogar höher gespielt haben.“ Gemeint sind damit beispielsweise Kapitän Tim Blümel, Marcel Hoßner, Marco Pfitzer, Neuzugang Tobias Hornung oder auch der spielende Co-Trainer Andrej Nagumanov.
Dieser bildet gemeinsam mit Maik Weidner und Marc Schwerin das Trainerteam, das den Chef Michael Deininger unterstützt. Zu Beginn der vergangenen Runde war Andrej Nagumanov noch offiziell Cheftrainer. Nachdem der TSV an den ersten acht Spieltagen jeden Gegner schlug, folgte nach dem 0:2 in Michelfeld und dem wenig überzeugenden 4:2 gegen Leukershausen eine Rochade. Oliver Schwerin, ehemals beim FSV Hollenbach und Inhaber des kräftig gewachsenen Unternehmens 11teamsports, erklärte sich bereit, bei seinem Heimatverein auszuhelfen. „Ein Glücksfall“ nennt das Michael Deininger. „Und dann war auch klar, dass Olli der Chef ist“, fügt er hinzu. Die beiden kennen sich schon lange, unter anderem aus gemeinsamen Crailsheimer Zeiten.
Eigentlich hätte Oliver Schwerins Engagement bis zum Saisonende andauern sollen, wegen Corona war es verkürzt. Nun ist Michael Deininger offiziell der Chef. Damit hat Andrej Nagumanov keinerlei Probleme, im Gegenteil. Die beiden sind richtig gut befreundet, „er ist ein klasse Typ und ein großartiger Spieler“, sagt Deininger über Nagumanov.
Der Angesprochene scheint ein Händchen für besondere Aufstiege zu haben. Seit sieben Jahren ist Andrej Nagumanov in Deutschland, viermal bereits hat er Relegation gespielt. Vor zwei Jahren gelang ihm für den TSV Ilshofen in der 120. Minute der 3:1-Treffer gegen den Freiburger FC, der den Aufstieg in die Oberliga für Ilshofen bedeutete.
Diesmal also ein Aufstieg „am grünen Tisch“. Das fühle sich sehr sonderbar an, doch auch ihm ist die Vorfreude auf die Landesliga deutlich anzumerken.

Gaildorf

Die Vorbereitung auf die neue Saison hat im Grunde schon begonnen. „Wir hatten bislang einmal in der Woche ein Training auf freiwilliger Basis“, berichtet Deininger, „erst in Fünfer-Gruppen, dann in Zehner-­Gruppen, so wie es die Corona-­Auflagen eben zuließen. Da konnten wir viel in Sachen Kondition und Stabilisation machen.“ Ab heute lässt es die Landesverordnung zu, dass auch wieder Zweikämpfe trainiert werden können. „Wir werden jetzt einmal in der Woche ein Pflichttraining ansetzen.“

Chance auf den Bezirkspokal

Viele Vorbereitungsspiele wird der TSV Obersontheim nicht vereinbaren müssen, denn er ist noch im Viertelfinale des Bezirkspokals vertreten. Und dieser soll noch vor dem Rundenstart ausgespielt werden. Im Optimalfall hätte der TSV Obersontheim so drei Begegnungen und könnte sogar als neuer Bezirkspokalsieger die Landesliga-Saison in Angriff nehmen. Dort will er nicht nur für einzelne Überraschungen sorgen. Denn schließlich will Bezirksspielleiter Hartmut Megerle den TSV Obersontheim ja nie wiedersehen …