Crailsheim Ob Confiserie, Kühlraum oder Kirche - nicht überall wütet die Sommerhitze

Crailsheim / LINDA GALUMBO 27.07.2013
Wenn bei uns endlich einmal südliche Temperaturen herrschen, freuen sich all diejenigen, die das Sommerwetter am Baggersee oder im Freibad genießen können.

Für viele Beschäftigte im unklimatisierten Büro oder in der freien Natur wird die Arbeit während der Affenhitze jedoch oftmals zu einer Tortur.

Doch wer kennt es nicht, das wohltuende Gefühl, wenn man im Hochsommer während des Urlaubs in Barcelona die "Sagrada Familia", in Rom den Petersdom oder einfach die kleine Dorfkapelle von nebenan betritt? Eine kurze Verschnaufpause von der anstrengenden Stadtführung in der Mittagssonne. Mit einem erleichterten "Gott sei Dank - endlich mal wieder Schatten und Kühle" werden die ersten Schritte in die Kirche getätigt. Die Schweißperlen werden noch schnell mit dem Taschentuch abgetupft, bevor es ans Vaterunser-Beten geht. Die Kirche bietet nämlich niedrige, angenehme Temperaturen, während draußen das Eis innerhalb von Sekunden dahinschmilzt. Wenn also die Glocken der Ulrichskirche in Blaufelden am Wochenende ertönen, klingt das schon fast wie eine Einladung zur großen Flucht vor der Hitze. Hitzefrei? Kennt sie nicht. Klimaanlage? Nicht an ihrem Arbeitsplatz. Kleiderordnung? Ist für sie höchstens eine Frage des Anstands.

Sie ist Rosemarie Herrmann. Sie ist Mesnerin der evangelischen Kirche in Blaufelden und kann sich über die derartig hohen Temperaturen bei der Arbeit nicht beschweren. Egal, ob sie gerade die Liedernummern für den Gottesdienst aufsteckt, den Blumenschmuck erneuert oder die Kirche fegt - bei 19 Grad beneidet sie wohl gerade der ein oder andere Schwitzende um ihren Arbeitsplatz. 15 Grad seien für den Sommer normal, doch das Gebäude hat sich wegen der hohen Temperaturen der letzten Wochen sehr aufgeheizt. Im Winter hingegen kann es schon einmal vorkommen, dass Rosemarie Herrmann ihre Dienste mit einer dicken Daunenjacke erledigt. Da fallen die Temperaturen nämlich auf sechs bis acht Grad.

"Am Donnerstag war es mir zu Hause so warm, dass ich am Nachmittag zum Putzen in die Kirche gegangen bin", sagt Herrmann. Heute und morgen geht es in der Ulrichskirche richtig zur Sache. Am Samstag steht eine große Trauung an mit über 150 Gästen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren - Rosemarie Herrmann ist noch für den Feinschliff zuständig. "Mir macht es unheimlich Spaß, mit jungen Brautpaaren zusammenzuarbeiten", so die 49-Jährige. Und natürlich muss der wöchentliche Gottesdienst am Sonntag vorbereitet werden.

Mit dem ganzen Herzen dabei

Vor allem der Kontakt zu den Leuten habe sie vor elf Jahren dazu bewegt, den Mesner-Dienst zu übernehmen. Laut Herrmann "ist es nicht nur ein Job, man muss mit ganzem Herzen dabei sein". Viele ältere Leute sind alleinstehend und haben kaum soziale Kontakte, um sich auszutauschen. Auch das sieht Rosemarie Herrmann als ihre Aufgabe an, nämlich in der Gemeinde präsent zu sein.

Die evangelische Kirche in Blaufelden ist täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet - für alle Besucher also eine Möglichkeit, die Stille zu genießen, in sich zu gehen und zu beten. Und wer weiß, vielleicht schaut am Wochenende jemand auch aus anderen Gründen vorbei - zum Beispiel, um vor der Hitze zu fliehen und einfach die Kühle in den dicken Wänden zu genießen. Ein Schmunzeln ruft jedenfalls schon ein Gästebucheintrag aus den letzten Wochen hervor: "Die Kirche ist schön kühl."