Rosengarten Nur nicht verheddern

Arm in Arm und mit dem Band in der Hand üben die Paare ihre Choreographie ein. Nach langer Pause wird der Bändertanz beim Uttenhofener Ortsjubiläum wieder zu sehen sein. Foto: Ufuk Arslan
Arm in Arm und mit dem Band in der Hand üben die Paare ihre Choreographie ein. Nach langer Pause wird der Bändertanz beim Uttenhofener Ortsjubiläum wieder zu sehen sein. Foto: Ufuk Arslan
Rosengarten / JAHN NITSCHKE 10.09.2013
Einen aufwändigen Bändertanz studieren zwölf Paare fürs 675-jährige Bestehen Uttenhofens ein. Gruppenleiterin Bärbel Rumi-Ilg erinnert sich an die hiesige Geschichte des Bändertanzes.

"Wir machen jetzt Musik an," entscheidet Übungsleiterin Bärbel Rumi-Ilg, als alle ihren Platz rund um den Baum gefunden haben. Sie läuft zu einem Plattenspieler und legt die Nadel auf die Vinylscheibe. Während die Paare mit konzentrierten Gesichtern und Zungenspitze zwischen den Zähnen ihre Figuren zu dem Dreivierteltakt tanzen, hüpft Rumi-Ilg in der Mitte hin und her und gibt Kommandos: "Vor und zurück, vor und zurück!"

Zum ersten Mal nach der Sommerpause müssen die zwölf Paare den Bändertanz abspulen, den sie vor sechs Wochen für das Dorffest zum 675-jährigen Bestehen Uttenhofens gelernt haben. Bei diesem Tanz hält jede Person ein Ende eines farbigen Bandes in der Hand, die in der Mitte des großen Kreises zusammengehen und dort an einem Pfahl, dem "Baum" befestigt sind. Durch den Tanz ergeben sich komplizierte Flechtmuster, die am Ende wieder aufgelöst sein sollten.

"Halt", schallt es durch das Dorfgemeinschaftshaus in Uttenhofen, jemand hat sich verheddert. Ein kurzes Tohuwabohu entsteht, als jeder die Ursprungsposition sucht und dabei das bereits geflochtene Muster löst. Zweiter Versuch: Das Netz aus Bändern spannt sich tiefer, die Paare müssen jetzt fest an den Bändern ziehen, um sie weiter zu flechten, während sie unter dem Basketballkorb und über das Handballfeld tanzen.

Anfang der 80er Jahre hat Rumi-Ilg mit den Landfrauen zum ersten Mal den Bändertanz zur Sichelhenket, einem Bauernfest zur Ernteeinfuhr, getanzt. "Der Herr König hat die Sichelhenket geliebt," erinnert sie sich an den jetzigen Bürgermeister Rosengartens. Deshalb habe er sie angesprochen, einen Bändertanz zum Dorffest einzustudieren. "Früher habe ich das mit Jugendlichen von der Dorfjugend gemacht," meint Rumi-Ilg, "das war aufwändig. Erwachsene können sich da mehr zusammenreißen."

Auffällig sind die Trachten: Originale alte Kleider, die sie vom Verein Alt Hall ausgeliehen hat, kommen zum Einsatz. "Mit der Dorfjugend haben wir damals die Kleider selbst genäht," sagt sie, kramt in einer Kiste und hebt ein rosa Kleid mit weißen Rüschen in die Höhe. "Aber Erwachsene haben andere Figuren als Jugendliche," die Tracht ist wieder in der Kiste verschwunden. Zwei der Kleider hängen als Beispiel aus, aber eigentlich will Rumi-Ilg das Geheimnis um die Trachten bis zum Dorffest wahren.

"Wenn das Band sich nach unten webt, sieht das immer schön aus," findet Sabine Baumann aus Bibersfeld, "aber eigentlich finden wir alles schön", ergänzt sie lachend. Als Jugendliche hat sie den Tanz schon in den 80ern in der Landjugend getanzt. Claus Breuninger, Klärwärter aus Westheim, kennt es "halt von früher, da habe er zugeschaut." Dann wurde er gefragt, mitzumachen. "Tanzen tue ich nicht", hat er gesagt, nur die Stange halten. Er war als Ersatzmann geplant, bis zwei Leute abgesprungen sind. Jetzt tanzt er doch.

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