Rot am See Norman Krauß erhält Rotary-Preis für Engagement für Brettheimer Erinnerungsstätte

Norman Krauß bei seiner Dankesrede im Landhaus Hohenlohe in Rot am See. „Es kommt selten vor, dass ich sprachlos bin. In diesem Rahmen geehrt zu werden, ist etwas ganz Besonderes“, sagt er.
Norman Krauß bei seiner Dankesrede im Landhaus Hohenlohe in Rot am See. „Es kommt selten vor, dass ich sprachlos bin. In diesem Rahmen geehrt zu werden, ist etwas ganz Besonderes“, sagt er. © Foto: Alexander Schreiber
Rot am See / ALEXANDER SCHREIBER 18.05.2016
Seit zwölf Jahren ist Norman Krauß Vorsitzender des Fördervereins Erinnerungsstätte „Die Männer von Brettheim. Nun hat er den Rotary-Preis erhalten.

Seit der Einweihung der Erinnerungsstätte im Jahr 1992 ist sichergestellt, dass das Schicksal, das Friedrich Hanselmann, Leonhard Wolfmeyer und Leonhard Gackstatter im April 1945 ereilte, nicht in Vergessenheit gerät.

Zwölf Jahre steht der Brettheimer Lehrer Norman Krauß nun dem Förderverein Erinnerungsstätte „Die Männer von Brettheim“ vor. Am Donnerstag bekam er beim monatlichen Mittagessen der Rotarier im Landhaus Hohenlohe in Rot am See den mit 1000 Euro dotierten Rotary-Preis verliehen.

Damit wurde dem 63-Jährigen eine besondere Ehre zuteil: Die Auszeichnung wird nicht jedes Jahr vergeben, sondern nur, wenn ein Mitglied der Rotarier einen Ehrenamtlichen vorschlägt. In Krauß’ Fall war das sein Bekannter Albert Pfänder aus Hausen am Bach, der Vorstand des Rotary-Clubs Crailsheim stimmte geschlossen zu. „Das Betreiben von Erinnerungsstätten ist nur durch die ehrenamtliche Tätigkeit von Menschen wie Herrn Krauß möglich“, betonte Ralph Linke, Präsident der Crailsheimer Rotarier. Die 1000 Euro seien eine Anerkennung für Krauß’ Engagement, „da er dieses nie in den öffentlichen Vordergrund gerückt hat“.

Ursprünglich hatte nur eine kleine Gedenktafel am Brettheimer Friedhof an die „Männer von Brettheim“ erinnert. Erst als Krauß’ Schwager Friedrich Braun 1980 Ortsvorsteher wurde, kam Bewegung in das Projekt Erinnerungsstätte. Ohne den 1988 von Braun gegründeten Förderverein hätte es sie wohl nie gegeben. „Wie würden wir heute dastehen in einem Ort, in dem so etwas Schlimmes passiert ist, und wir nur eine Gedenktafel hätten?“, fragte Krauß in seiner Dankesrede.

Pro Jahr besuchen bis zu 2000 Personen die Erinnerungsstätte, die der Förderverein betreut. Als Vorsitzender leistet Norman Krauß viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit: vom Vereinbaren von Terminen bis zu den Führungen durch die Dokumentationsstätte. Das zehrt auch mal an den Nerven. So wie neulich an einem Sonntag, als Norman Krauß mit der Gartenarbeit beschäftigt war und plötzlich eine Radfahrergruppe vor seinem Haus stand. „Die wollten spontan eine Führung. In solchen Situationen schnauft man halt kurz durch und macht es dann.“

Zur Tragödie der drei Männer hat er einen ganz persönlichen Bezug: Leonhard Wolfmeyer war sein Großonkel. Und seit Norman Krauß im Jugendalter von den schrecklichen Ereignissen im April 1945 erfahren hat, hat ihn die Geschichte der ermordeten Männer nicht mehr losgelassen.

Ein Zitat, es stammt von Friedrich Braun, dient ihm bis heute als Motivationsquelle für sein Engagement: „Wir wollen nicht wegschauen, sondern hinschauen auf das, was in unserem Ort passiert ist.“ Vergangenheitsbewältigung – sie fängt im Kleinen an.

Warum es so wichtig ist, zu erinnern? „Um aufzuzeigen, wohin ein diktatorisches Regime führen kann, wenn man es gewähren lässt“, antwortet Krauß.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel