Schrozberg Niederländisch-chinesische Nedschroef-Gruppe hat Whitesell-Werk übernommen

Besichtigung im Nedschroef-Werk Schrozberg (von links): COO Hanno Neizert, Werksleiter Philipp Oesterlee und Bürgermeister Klemens Izsak.
Besichtigung im Nedschroef-Werk Schrozberg (von links): COO Hanno Neizert, Werksleiter Philipp Oesterlee und Bürgermeister Klemens Izsak. © Foto: Nedschroef
Schrozberg / MATHIAS BARTELS 08.10.2015
Schon wieder ein neuer Name an der Tür des Schrozberger Automobilzulieferers: Nedschroef. Vor wenigen Tagen war die offizielle Übernahme des Betriebs im Nordwesten der Stadt. Die Belegschaft atmet hörbar auf.

Zugegeben: Der Name ist gewöhnungsbedürftig und zweifellos nicht so leicht auszusprechen wie diverse Vorgängernamen. Dafür steht Nedschroef als Kürzel für "niederländische Schrauben". Im Zuge der Whitesell-Pleite hat Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr offensichtlich ganze Arbeit geleistet und die Werke in Beckingen und Schrozberg an den Mann gebracht. Whitesell Neuwied steht vor der Übernahme durch eine deutsche Firmengruppe, die ehemalige Whitesell-Zentrale in Neuss wird aufgelöst und abgewickelt.

"Die Leute gehen wieder aufrecht"

Zwar hatte die hiesige Belegschaft mit der Kündigung weiterer 47 Mitarbeiter nochmal eine hässliche Kröte zu schlucken, doch jetzt sehen die knapp 150 Beschäftigten einer hoffnungsfroheren Zukunft entgegen. "Die Leute gehen wieder aufrecht", hat eine Mitarbeiterin beobachtet.

Der holländische Käufer - seinerseits im vergangenen Jahr von der chinesischen Shanghai Prime Machinery Company übernommen - gilt als seriös und zuverlässig wirtschaftendes Traditionsunternehmen, das in den letzten Jahren enorm gewachsen ist. In Europa ist Nedschroef inzwischen in zwölf Ländern vertreten, weltweit wird in 25 Werken produziert. Mit einem Umsatz von mehr als 550 Millionen Euro ist die Gruppe einer der weltweit größten Hersteller von Verbindungselementen und komplexen Kaltfließpressteilen. Die Kunden sind Marktführer verschiedener Industrien, der Luftfahrt etwa oder der Automobilbranche. Darüber hinaus entwickelt Nedschroef Maschinen und Werkzeuge und ist Marktführer bei Verbindungselementen für führende Automobilhersteller. Weltweit werden circa 2000 Mitarbeiter beschäftigt, die Mehrzahl an deutschen Standorten.

Die Whitesell-Werke Schrozberg und Beckingen werden voll in die Koniklijke Nedschroef Holding B.V. mit Zentrale im niederländischen Helmond integriert. Sie werden damit "Teil einer stabilen Gruppe mit einer langfristigen Wachstumsperspektive", wie in einer Pressemeldung aus der Nedschroef-Zentrale notiert wird. "In den vergangenen Jahren standen die Mitarbeiter und Kunden von Whitesell harten Zeiten gegenüber", heißt es dort weiter. "Mit seiner starken Marktpositionierung sieht sich Nedschroef verpflichtet, beiden Standorten eine Zukunftsperspektive innerhalb der Gruppe zu bieten".

Nedschroef-Vorstand Mathias Hüttenrauch ist aus dreierlei Gründen zuversichtlich. Zum einen habe er sich von der handwerklichen Leistung und dem hohen Qualitätsanspruch der Mitarbeiter überzeugen können, zum anderen zeichneten sich beide Werke durch außergewöhnliche Technologien aus, die in der weltweiten Verbindungselemente-Industrie von hoher Bedeutung seien. "Gemeinsam mit unseren Fähigkeiten im Maschinenbau", so der CEO, "eröffnet sich eine Fülle von Möglichkeiten". Und nicht zuletzt könne mit dem Erwerb der beiden Fabriken eine höhere Flexibilität erzielt werden. Dadurch könnten aktuelle Kunden-Engpässe überwunden werden, meinte Hüttenrauch.

Balance aus Vorsicht und Leidenschaft

Die Pressemitteilung endet mit dem Satz "Nedschroef ist begeistert über die Übernahme und wird beide Standorte in die eigene Unternehmensstruktur einbinden - mit der notwendigen Balance aus Vorsicht und Leidenschaft."

Bei der kleinen Übernahme-Feier am 1. Oktober begrüßte Produktionsvorstand Hans-Georg Neizert seine neuen Kollegen und sprach ihnen den Willen zu, aus der kommenden Zeit das Beste zu machen. Der Standort Schrozberg werde als eigenständiges und eigenverantwortliches Unternehmen im Konzerngefüge weitergeführt - und sei damit für Erfolg wie Misserfolg selbst verantwortlich. Doch die Belegschaft habe ja das Kämpfen gelernt, führte er aus. "Die Zeichen stehen gut", so Neizert, "dass der Erfolg nicht ausbleibt."

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