Aus Leder, Eisen oder kombiniert, monumental im Freien oder kleinformatige Plastiken sowie Reliefs für den Innenbereich. In seinem umtriebigen Leben war Kunst die Konstante, die ihm immer wieder Orientierung bot.

Geboren wird John Jeanpierre in New Orleans als eines von sechs Kindern. Der Vater ist Chefkoch im berühmten Hotel Sheraton-Charles, legt den Posten jedoch nieder, als er nach dem Krieg einen jüngeren Weißen als Vorgesetzten bekommen soll. Jeanpierre feixend: "Er hat sich nach dem Krieg geweigert, sich unterzuordnen - das habe ich von ihm geerbt!"

Im Alter von neun Jahren begegnet der kleine John erstmals dem Material Leder in der Werkstatt eines weißen Schuhmachers, die er aufgrund seiner Hautfarbe nicht betreten darf, aber fasziniert vom Hinterhof aus beobachtet. Er erinnert sich: "Der Schuhmacher fragte mich an der Hintertür, was ich denn wolle, und ich sagte, dass ich das auch können möchte, was er da macht. So hat er mir nach und nach die Werkzeuge und die Handhabung gezeigt, und ich habe versucht so viel Geld wie möglich zu verdienen, um sie mir kaufen zu können."

Bereits in der Schulzeit gewinnt er dann verschiedene Kunstpreise für seine Lederarbeiten. Er lacht: "Ich habe alles ausprobiert, was man mit Leder anstellen kann." Doch der Schüler ist auch musikalisch begabt, erhält nach dem Abitur ein vierjähriges Stipendium für Schlagzeug an der Xavier University in New Orleans, das er aber entschieden ablehnt: "Ich wollte kein Berufsmusiker werden, die haben kein normales Privatleben!"

Er beginnt mit Begeisterung Pharmazie zu studieren, bricht jedoch nach einem Jahr ab, als er von der Universität in New Orleans an eine andere Einrichtung wechseln soll. Jeanpierre erklärt: "Damals wurde gerade die Rassentrennung aufgehoben, und ich hätte an eine Uni wechseln müssen zu lauter Weißen. Da die Gewalt gegen Schwarze dort sehr präsent war, habe ich mich dagegen entschieden."

Stattdessen macht er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Boeing, die er im Nachhinein als grundlegend für seinen künstlerischen Werdegang wertet: "Die präzise Arbeit dort hat die Grundlage geschaffen für meine spätere künstlerische Arbeit." 1968 wird der 24-Jährige zum Militär einberufen, prädestiniert für den Einsatz in Vietnam, doch der junge Mann ist sich sicher: "Ich weigere mich, ich gehe dort nicht hin." Tatsächlich bricht er sich vier Wochen später den Oberschenkel und muss somit nicht in den Krieg.

Dafür wird er nach seiner Genesung über ein Jahr später nach Deutschland geschickt. Er erinnert sich: "Es war ein wunderschöner Tag, und ich fuhr mit der Dampflok von Frankfurt nach Neckarsulm. Ich wusste noch nicht, dass ich in Deutschland bin, aber schon da kam mir der Gedanke, dass ich hier einmal bleiben möchte." Die Überraschung ist groß, als er am Bahnhof erfährt, dass er schon seit zwei Tagen in dem Land weilt, das in seiner Vorstellung zerstört und chaotisch ist. Er blickt zurück: "Ich dachte, das kann gar nicht sein. Nichts war kaputt und alles so schön und sauber!" Nach sechs Monaten scheidet er aus dem Militär aus und kehrt vorerst zurück nach Amerika. 1971 kehrt er aus Liebe zu seinem im gleichen Jahr geborenen Sohn und aus Faszination zu Deutschland wieder zurück.

Um Geld zu verdienen, arbeitet er bei Mercedes Benz, besucht aber nebenbei die Modeschule München, um sich weiterzubilden. Gleichzeitig beschäftigt er sich weiter mit der Lederkunst, schafft Reliefs und stellt aus. Über seine künstlerischen Aktivitäten hält er die wichtigen Museen, etwa das Ledermuseum in Offenbach, immer auf dem Laufenden. Als er in Schwäbisch Hall in der Galerie Wettbach ausstellt, wird das Ledermuseum tatsächlich auf ihn aufmerksam und lädt ihn ein, an der Ausstellung "Dialog" teilzunehmen, die sich mit Lederkunst in Deutschland und Frankreich befasst.

Doch das Doppelleben als Arbeiter und Künstler schlägt John Jeanpierre auf die Gesundheit. Ein Internist rät ihm, sich für eine der beiden Welten zu entscheiden. "Ab da habe ich nur noch Kunst gemacht", so Jeanpierre.

1991 teilt er sich ein Atelier mit einer Künstlerin aus Weinsberg. Daraus entwickelt sich eine Kunstfabrik, in der große monumentale Kunstwerke aus Eisen entstehen. Jeanpierre zu dieser Schaffensphase: "Ich habe mich auf meine Arbeit als Werkzeugmacher besonnen und habe begonnen, im großen Stil zu schweißen." Doch auch der Werkstoff Leder ist weiterhin präsent, nun auch in Kombination mit Eisen.

Die teilweise mehrere Tonnen schweren Kunstwerke aus dieser Zeit, sind heute deutschlandweit und darüber hinaus in öffentlichen Sammlungen vertreten, etwa im städtischen Museum in Heilbronn, im Ledermuseum Offenbach oder im Ledermuseum Waalwijk in den Niederlanden. Auch auf zahlreichen Grundstücken privater Sammler im In- und Ausland stehen die Werke des Künstlers.

Anfang der 90er-Jahre beginnt er die Serie "American way of life", die ihn thematisch bis heute fasziniert und beschäftigt und die sich mit dem Spieltrieb und dem kindlichen Verhalten der amerikanischen Gesellschaft auseinandersetzt. Er erläutert: "Mittlerweile ist meine Kunst politisch, und es geht nicht mehr nur um Amerika, sondern wird durch aktuelle Geschehnisse, wie etwa den arabischen Frühling, tatsächlich global."

Um diese Botschaft, die er mit seiner Kunst transportieren möchte, zu vertreten, verzichtet der Künstler nicht auf die Brisanz seiner politischen Aussage. So auch, als er für eine Ausstellung in China Mitte der 90er-Jahre ein Bild einreicht, das dort als Affront aufgefasst wird. Ihm bleiben so die Teilnahme und die Einreise versagt. Doch der Künstler äußert sich dazu bestimmt: "Was gesagt werden muss, muss auch gesagt werden!" Auch bei Auftragsarbeiten besteht er trotz oft großer finanzieller Anreize auf seiner künstlerischen Freiheit: "Wenn ich etwas entwerfe und der Auftraggeber ist damit nicht einverstanden, dann verbiege ich mich nicht, sondern verzichte auf den Auftrag."

Heute lebt er zurückgezogen in einer künstlerischen Lebensgemeinschaft in einem kleinen Dorf mit liebenswürdiger Nachbarschaft in der Nähe von Crailsheim. Und obwohl der umtriebige Künstler mittlerweile nach eigenem Bekunden eigentlich Rentner ist, wird er oft eingeladen, an Ausstellungen teilzunehmen - zuletzt im April dieses Jahres im Ledermuseum Offenbach anlässlich der langen Nacht der Museen. Was ihn antreibt, immer weiterzumachen, beschreibt er so: "Die Ideen, die Bilderflut im Kopf ist nie endend." Dann fügt er lachend an: "Man merkt nur irgendwann, dass man nie alles verwirklichen kann."