Schwäbisch Hall Nichts ist geradeaus

Brigitte Pietschmann bei den hochwachsenden Gräsern in ihrem Garten.
Brigitte Pietschmann bei den hochwachsenden Gräsern in ihrem Garten. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 10.10.2018
Um den Garten zu ihrem gewünschten Lebensraum zu machen, hat sich Brigitte Pietschmann vor Jahren professionelle Hilfe geholt. Das Ergebnis beglückt sie jeden Morgen.

Die Stadt Schwäbisch Hall kam dem Paar, das zuvor in Stuttgart lebte, vor wie ein Paradies. Über ihnen nur der Himmel, keine Stromleitungen. Das Haus in der Kreuzäckersiedlung, das sie 1982 bezogen haben, tat sein Übriges zum Wohlfühlen. Damals war schon ein hübscher Garten angelegt, aber nachdem sie 22 Jahre dort lebten, wollten sie Veränderung. Vor dem Haus war eine Mauer, als Eingangspforte diente ein schmiedeeisernes Törchen. Brigitte Pietschmann wollte es offener und luftiger. Der Weg zum Haus verlief schnurgerade und war aus Naturstein. Die Platten wurden brüchig und waren im Winter glatt.

Sie ließ sich von Gartenplanerin Rita Walpurgis beraten. Heute gibt es vor, hinter und neben dem Haus keinen Weg und keine Beetumrandung mehr, die gerade ist. Der Weg von der Straße zur Haustür ist geschwungen und an einer Stelle offen.

Das Pflaster ist dort in Form eines Auges gelegt. Es entstand die Fläche für einen Sitzplatz. Einer von vielen im Pietschmann-Garten. An mindestens sechs Stellen stehen Stühle, eine Bank, eine Liege, eine Sitzgruppe, um je nach Jahreszeit, Wärme und Lichteinfall den perfekten Platz zu finden. „Ich setze mich im Sommer jeden Morgen um kurz nach sechs mit einer Tasse Kaffee hinaus und genieße.“ Dabei beobachtet die pensionierte Waldorflehrerin und Schul-Entwicklungsbegleiterin die Natur um sich herum.

Der Garten gefällt ihr, wenn er gelebte Wildnis ist. So wie beim Menschen gebe es auch bei Pflanzen Verletzungen und Wunden. Die brauchen Zeit. Dann ist es eben auch mal nicht perfekt im Beet. Und nur wenn sie genau beobachtet, erkennt sie, wie es ihnen geht und sieht rechtzeitig zum Beispiel, wann sie den Buchs mit biologischen Spritzmitteln bearbeiten kann.

Pflanzen nicht gewässert

Hinein in den grünen Außenwohnbereich geht es nicht nur über den geschwungenen Pflasterweg, sondern auch vorbei an Gräsern, die seit dem Frühjahr unbeirrt von der langen Trockenperiode des Sommers hochwachsen und ihre Puschelspitzen im Wind neigen. „Ganz unkompliziert“, empfindet Brigitte Pietschmann das Calamagrostis acutiflora Karl Foerster Reitgras. Sie schneidet es lediglich nach dem Winter runter und kurze Zeit später steht es schon wieder da. Gewässert hat sie es nicht.

Gegossen wurde in diesem heißen Sommer nur die Hortensie und der Apfelbaum. Alles andere war „gut erzogen“. Das Ehepaar Pietschmann hat nur in den ersten Jahren, nachdem 2004 der Garten neu angelegt und bepflanzt wurde, mit einem Schlauchsystem bewässert. Dann sollten die Pflanzen auf sich selbst angewiesen lange Wurzeln bilden.

Das hat geklappt. Als besonders robust und schön hat sich die Fetthenne gemacht. Die Staude steht an verschiedenen Stellen im Garten. Mal als Gegenpunkt zum Reitgras. Mal in Kombination zu hell- und dunkellilafarbenen Astern sowie rosafarbenen Rosen.

Nicht nur die Haller Gartengestalterin, auch ihr Sohn, ein gelernter Garten- und Landschaftsbauer, hat das Aussehen des Gartens beeinflusst. Von den Profis hat die Gartenliebhaberin Pietschmann gelernt, dass auch Blätter Gestaltungselement sind und sie nicht nur in Blüten denken sollte. Sie zeigt auf ein Ensemble von Winterjasmin, Spiree und Ahorn. Alles Gewächse mit feingliedrigen Blättchen, darunter Bergenien. Mit ihren großen, adrigen Blättern bilden sie einen wirkungsvollen Gegenpart.

In Brigitte Pietschmanns Garten in den Haller Kreuzäckern könnte man das ganze Jahr Ostereier suchen, nur sind keine Eier versteckt, sondern Spiralen. Sie finden sich in den Pflastersteinen, dem Kräuterarrangement, am Treppengeländer und in Stein gehauen.

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