Radtour Neun Anitas geben Gas

JOACHIM MAYERSHOFER 30.07.2013
Die Tour de Ländle führt 1600 begeisterte Radfahrer durch Hohenlohe. Am Etappenzielort in Crailsheim steigt eine große Party, die allerdings wegen des Wetters kleiner als erwartet ausfällt.

Neun Teilnehmerinnen der Tour de Ländle dürften am Montag leicht traurig gewesen sein, dass anstelle des erkrankten Schlagerstars Costa Cordalis dessen Sangeskollege Markus Mörl auftrat. Nicht weil sie den Vertreter des griechischen RTL-Dschungelkönigs (2004) nicht leiden können, sondern weil sie einen durch Costa Cordalis oft besungenen Namen tragen. "Es sind heute ganze neun Anitas mit auf der Tour", teilte Heidi Orth von der Pressestelle des SWR auf HT-Anfrage mit. Mit dem Titel Anita hatte Cordalis seinen größten Erfolg gelandet und es Ende des Jahres 1976 auf Platz 3 der Hitparade geschafft. Noch erfolgreicher war allerdings Markus Mörl, der im Juni 1982 mit "Ich will Spaß" sogar den Spitzenplatz der beliebtesten Lieder hatte erklimmen konnte.

Nach Crailsheim strömten am Montag 1600 Radfahrer - und dazu kam noch ein Tourtross von weiteren 200 Personen, die bei Sponsoren und Partnern arbeiten, sich um Verpflegung und vieles mehr kümmern. Wie Matthias Schmid, Benjamin Heine, Wolf Haug und Beppo Schmid vom Reparaturservice-Team. Das Quartett wird pro Tag mit etwa 20 platten Reifen, etlichen gerissenen Ketten, verbogenen Speichen, quietschenden Tretlagern und ab und zu sogar mit Rahmenbrüchen konfrontiert. "Jeder von uns macht bestimmt 50 Reparaturen am Tag", verriet Matthias Schmid. Zwei Sprinter voller Ersatzmaterial begleiten die Radfahrer auf der Tour. Wer einen Defekt hat, zahlt nur die Materialkosten und zusätzlich fünf Euro.

Nicht den Kocher-Jagst-Radweg nutzten die Radler von Kirchberg Richtung Crailsheim, sondern die normale Straße. Streckenplaner Gundolf Greule sagte, dass es wegen des engen Zugangs zum hölzernen Jagststeg bei Kirchberg unmöglich gewesen wäre, die vielen Teilnehmer sicher ans Ziel zu bringen. "Wenn die ersten 100 Leute vorbei sind, dann gäbe es richtig tiefe und matschige Erosionsrinnen", so der Experte. Mittels GPS-Daten, langer Planung am PC und intensiver Recherche vor Ort wählt Greule die Etappen aus, die er dann auch selbst mitfährt. "Ich muss es doch spüren, wenn die Leute erzählen, dass das Wetter schlecht war", erklärte der Sportwissenschaftler lachend.

Nass und matschig wars - doch davon ließen sich Mila, Sophia, Franziska, Lisa und Alena nicht entmutigen. Das Quintett wartete an der Strecke mit Luftballons und Pappschildern und begrüßte die Tour-Teilnehmer mit einem lauten "Herzlich willkommen in Lobenhausen und gute Fahrt". Die Radler lächelten und winkten, die Mädchen winkten und lächelten. "Besser als jedes Ferienprogramm", erklärten die stolzen Mamas. Ein paar Kilometer entfernt ging das Team um Thomas Keller, den Vorsitzenden des SV Tiefenbach, noch einen Schritt weiter und offerierte den Radlern Radler, Sekt und Knabberstangen - weil es eben etwas Besonderes ist, "wenn über 1000 Leute mal durch den Ort radeln".