Ein roter Teppich war nicht ausgerollt worden beim Neujahrsempfang am Mittwochabend – dafür sind die Schrozberger natürlich viel zu bodenständig. Aber immerhin: Das Wetter legte den Besuchern einen schneeweißen Teppich zu Füßen. Und wer es ohne auszurutschen bis zur Stadthalle schaffte, wurde dort hochoffiziell, per Handschlag und mit guten Wünschen für 2019 von der Bürgermeisterin und ihrem Gatten Manuel Förderer begrüßt. Die Schrozberger folgten der Einladung wie immer zahlreich, sodass sich am Eingang eine Schlange bildete und in der gut gefüllten Halle viele Dutzend Gespräche und klirrende Sektgläser ein fröhlich-­neujährliches Grundrauschen ergaben.

Unzufriedenheit verwundert

Es ist ja bisweilen von ernsten Zeiten, in denen wir leben, die Rede, aber die Gesichter der Besucher zeigten Optimismus – ebenso wie die Liedauswahl des Neuen Chors Schrozberg unter Leitung von Veronika Grossenbacher zum Auftakt des Programms: „Oh Happy Day“ hieß es da und „Have a Nice Day“. Für alle, die des Englischen nicht mächtig sind: Es ging um glückliche Tage. Und Bürgermeisterin Förderer zeigte sich in ihrer Ansprache überzeugt davon, dass Deutschland gerade solche erlebe: „funktionierender Staat, stabile Wirtschaft, wenig Arbeitslose, ein hohes Maß an Sicherheit und Platz für jeden in der Gesellschaft“. Da verwundere doch manche Unzufriedenheit, „die mehr laut als inhaltsvoll verbreitet wird“.

Wallhausen

Es habe sie nachdenklich gemacht, so Förderer, wie Menschen miteinander umgingen. Oft werde nicht der Konsens, sondern die Konfrontation gesucht. „Es hat beinahe den Anschein, als sei die Menschheit dazu übergegangen, persönliche Interessen als das Gemeinwohl darzustellen, den Fehler grundsätzlich immer bei einem anderen zu suchen, obwohl man selbst möglicherweise in die falsche Richtung unterwegs ist.“

In Schrozberg freilich hat Förderer primär eine andere Erfahrung gemacht. Der gesellschaftliche Zusammenhalt, den sie in der Stadt erlebe, sei einzigartig und zeige die Verbundenheit der Menschen mit der Region. Die Ehrenamtlichen, „die oftmals im Stillen wirken und dadurch weniger wahrgenommen werden als jene, die lautstark ihre vermeintlichen Rechte durchsetzen wollen“, seien der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhalte. Sie dankte fürs Engagement, das auch künftig nicht als Selbstverständlichkeit hingenommen werden dürfe.

Zehn Millionen Euro für Breitband

Förderer wandte sich gegen Populismus, rief zur Wahl pro-­europäischer Parteien bei der Europawahl und zum Mitmachen in der Kommunalpolitik auf, zeigte Verständnis für Ängste, stellte aber auch fest: „Stillstand ist Rückschritt.“ Manchmal übersehe man leicht Chancen, die es zu ergreifen gelte. In Schrozberg freilich seien die Weichen richtig gestellt. Ausführlich ging sie etwa auf ihr Herzensthema, die Breitbandversorgung, ein: Die Stadt nimmt – bei einer Förderung von 70 Prozent – zehn Millionen Euro in die Hand, um alle Weiler ans Glasfasernetz anzuschließen. Die Bagger sind schon gerollt und rollen weiter. Weil die Digitalisierung in jedem Lebensbereich Einzug halte, sei das ein wichtiger Standortfaktor.

Für den Neubau der Stadtbücherei würden bald die Wände gestellt, kündigte Förderer an, fürs neue Freibad würden noch Rettungsschwimmer gesucht, die Stadtsanierung sei weitgehend abgeschlossen, im letzten Abschnitt der Blaufeldener Straße fehle nur noch die Deckschicht. Förderer rief die Bürger dazu auf, die Chance zu nutzen und noch Fördergeld aus dem Programm für private Vorhaben zu beantragen. Der Bau der Mensa für die Schule hat sich indes verzögert. Förderer hofft auf einen Probebetrieb im Frühjahr und eine Eröffnung im Sommer.

Die Bürgermeisterin wünschte sich von allen am Stadtleben Beteiligten Optimismus und Tatkraft für 2019 – und half gleich dabei, die nötigen Grundlagen zu schaffen: Stärkende Häppchen und Getränke gingen, wie das gute Tradition ist, auf die Stadt.

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