Kirchberg Neues Haus auf altem Fundament

Die sechsjährige Hanna Dück steht auf dem Trümmerhaufen, der einst ihr Zuhause war. Ihr Vater Viktor Dück ist optimistisch, dass die Familie bald wieder in den eigenen vier Wänden wohnt – auch wenn der Termin Sommer „ein sehr sportliches Ziel“ sei.
Die sechsjährige Hanna Dück steht auf dem Trümmerhaufen, der einst ihr Zuhause war. Ihr Vater Viktor Dück ist optimistisch, dass die Familie bald wieder in den eigenen vier Wänden wohnt – auch wenn der Termin Sommer „ein sehr sportliches Ziel“ sei. © Foto: Luca Schmidt
Kirchberg / Luca Schmidt 14.03.2018
Zwei Kirchberger Familien haben im vergangenen Jahr ihre Häuser bei einem Brand verloren – innerhalb von wenigen Wochen. Die Dücks schauen nach vorne und beginnen mit dem Wiederaufbau.

Kirchberg, Montag, 11. September 2017, gegen 23.15 Uhr: Alexander Müller, Chef der Kirchberger Feuerwehr, muss zusammen mit seinen Kameraden ausrücken. Als er an der Ecke Ahornstraße/Fichtenstraße eintrifft, steht das Wohnhaus der siebenköpfigen Familie Dück in Flammen. Verletzt wird zum Glück keiner, die Feuerwehr kann das Haus aber nicht mehr retten.

Nur wenige Wochen später müssen sich die Kirchberger Floriansjünger fühlen, als hätten sie ein Déjà-vu-Erlebnis: Am Samstag, 18. November, werden sie gegen 19.45 Uhr erneut alarmiert. Diesmal steht mitten in der Altstadt ein Haus in Flammen, dort wohnt Familie Arndt. Auch dieses Haus kann nicht gerettet werden (unsere Zeitung berichtete).

Sechs Monate nach der Katastrophe wohnt Familie Dück immer noch bei der Familie, bei der sie direkt nach dem Brand untergekommen ist. „Da ist es kuschelig und gemütlich“, sagt Vater Viktor Dück. Er schlafe mit seiner Frau und den beiden Jüngeren im Matratzenlager, die drei Großen im Keller.

Das Haus, in dem sie einst wohnten, ist momentan ein Trümmerfeld. „Wir haben alles bis zur Kellerdecke abgerissen“, erklärt Viktor Dück. Er kennt sich aus, kommt vom Bau. „Die Versicherung wollte das nicht, hat gemeint, wir könnten das sofort wieder aufbauen.“ Er war anderer Meinung, ließ die Überreste bis auf die Kellerdecke abreißen – und ist damit sehr zufrieden. „Die ehemalige Wohnzimmerdecke aus Beton ist abgebröselt und war schon wie Sand“, sagt er. Die Mehrkosten muss die Familie nun selbst übernehmen, ebenso den Hausrat – der war nicht versichert. Deshalb mache er nun so viel wie möglich in Eigenregie.

Dück arbeitet als Verkäufer von Fliesen bei Maas Baustoffe in Ilshofen, momentan mit reduzierter Arbeitszeit – der Arbeitgeber kommt ihm entgegen. „Wenn sie mich dringend brauchen, rufen sie an.“

Zu Hause steckt er fast jede freie Minute in den Wiederaufbau des Hauses. „Bis zum Sommer könnte unser Haus bereits wieder stehen, das wäre aber sehr sportlich. Meine Frau will so früh wie möglich einziehen“, sagt Dück. Denn: „Daheim ist daheim.“ Eine andere Wohnung sei nicht in Frage gekommen.

Keine Zeit für Blick zurück

Auf die Frage, was das Liebste sei, dass er in den Flammen verloren hat, überlegt er lange – und findet doch keine Antwort. „Ich hatte noch gar keine Zeit, darüber nachzudenken, ich bin mit so vielen Dingen beschäftigt.“ Vor zwei Wochen wurde alles mit der Versicherung geklärt. „Ich bin mehr mit den Gedanken bei anderen Sachen: Wie mache ich was, wie kann ich was umsetzen“, sagt Dück. Aktuell sei einfach keine Zeit für einen Rückblick, es gehe jetzt um die Zukunft.

Dankbar ist er für die Spenden – auch wenn er die meisten der Geber gar nicht kennt. „Sogar Gemeinden von der Nordsee haben gespendet“, sagt Dück.

Begeistert von der Hilfsbereitschaft zeigen sich nicht nur die beiden Familien, sondern auch Kirchbergs Bürgermeister Stefan Ohr. „Als ich am nächsten Tag bei Familie Dück ankam, wurde bereits besprochen, wie die Küche eingerichtet werden soll“, sagt Ohr. Die freikirchliche „Gemeinschaft Gottes“, der auch die Dücks angehören, habe sehr viel geleistet – egal, ob Unterkunft oder Sachspenden.

Auch bei den Arndts half die Gemeinschaft Gottes mit Sachspenden, ebenso der evangelische Kindergarten. Die Stadt und die Kirche kümmerten sich um Geldspenden. „Es ging darum, die Familie Arndt wieder unter ein Dach zu bringen“, so Ohr. Der Kirchberger Ordnungsamtsleiter Jürgen Köhnlein habe hier geholfen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel