Blaufelden Neue „Königin“ optimal angepasst

Orgelsachverständiger Burkhart Goethe spielt auf der neuen Orgel, (von links) Pfarrer Christoph Knoke, Orgelbauer Michael Mauch und Thomas Leicht (Diakonie Stetten) schauen zu.
Orgelsachverständiger Burkhart Goethe spielt auf der neuen Orgel, (von links) Pfarrer Christoph Knoke, Orgelbauer Michael Mauch und Thomas Leicht (Diakonie Stetten) schauen zu. © Foto: Guido Seyerle
Blaufelden / Guido Seyerle 19.09.2018
Die Kirchengemeinde Wiesenbach findet eine gebrauchte Orgel, die genau auf die vorhandene Empore passt. Am Sonntag hat sie der Orgelsachverständige Burkhart Goethe eingeweiht.

Auf dem Konto sind 30.000 Euro, doch die notwendige Investition beläuft sich auf 140.000 bis 180.000 Euro: Vor dieser großen Herausforderung stand die Kirchengemeinde in Wiesenbach. Die vorhandene Orgel der Firma Heissler aus dem Baujahr 1962 befand sich in einem schlechten Zustand. Der Orgelsachverständige und Kirchenmusikdirektor Burkhart Goethe aus Schwäbisch Hall hatte ihr bereits 1988 in einem Gutachten „schwerwiegende konstruktive und fertigungstechnische Mängel“ bescheinigt. Organisten, die in den vergangenen Jahren auf der Wiesenbacher Orgel gespielt hatten, waren immer wieder entsetzt von ihrem Klang.

Eigenleistungen mit den in jeder Gemeinde vorhandenen Handwerkern wie Flaschner, Maler und Elektriker würden die sechsstellige Differenz zwischen Soll und Haben ebenfalls nicht ausgleichen können. Zudem gibt es in Württemberg im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern für solch eine Investition keinerlei Zuschüsse von Gemeinde oder Land. „Die Kirchen bezahlen ihre Orgeln selbst“, erklärte Goethe am Sonntag.

Im Juli 2016 kam der Kirchengemeinderat und Pfarrer Christoph Knoke eine Idee: Man könnte doch auch eine gebrauchte Orgel einbauen. Der Sachverständige Goethe wurde damit beauftragt, danach zu suchen. „Das ist oft sehr schwierig“, beschrieb Goethe die Lage auf dem Gebrauchtorgel-Markt. „Entweder hat eine Gemeinde ausreichend Geld und die angebotene Orgel passt nicht in die Kirche. Oder die Orgel hat die richtige Größe und die Gemeinde kein Geld.“ Doch im Herbst 2017 gab es einen Hoffnungsschimmer: Die Diakonie Stetten im Remstal bot wegen der Aufgabe ihrer Betreuungseinrichtung Hangweide über die Firma Ladach-Gebrauchtorgeln eine Weigle-Orgel aus dem Baujahr 1962 mit zwei Manualen und Pedal für 9500 Euro an. Goethe nahm das Instrument unter die Lupe und befand es für geeignet, außerdem passte es von den Ausmaßen her relativ gut in die Wiesenbacher Kirche.

Nun hatte man eine Orgel in Aussicht, doch die „Königin der Instrumente“ musste in Stetten bis zum 31. März 2018 abgebaut sein. Dank glücklicher Fügung bewarb sich Orgelbaumeister Michael Mauch aus Tüngental um die Arbeiten. Er besitzt viel Erfahrung mit Weigle-Orgeln, weil er selbst vor seiner Selbstständigkeit in dieser Firma gearbeitet hat. Im Zusammenspiel von Goethe und Mauch wurde außerdem beschlossen, die Sahnestücke der ausrangierten Orgel mit der Neuerwerbung zu kombinieren. „So erkennt man das Alte im Neuen“, sagte Pfarrer Knoke bei der offiziellen Einweihung am Sonntag.

Von neun auf elf Register

Der Octavbass acht Fuß besteht wie bisher aus den kupfernen Pfeifen, die Subbasspfeifen wurden hinter die Orgel gelegt. Die meisten der rund 800 Pfeifen der elf Register (vorher neun) sind eh für den Besucher nicht sichtbar, sondern nur hörbar. Die Holzpfeifen der früheren Orgel werden aus Denkmalschutzgründen für die Nachwelt eingelagert.

Musik aus sieben Jahrhunderten

Die 40 Besucher am Sonntagmittag nach dem Gottesdienst erlebten dank des Organisten Goethe eine Demonstration der vielen Möglichkeiten der neuen Orgel – ein einstündiger musikalischer Gang durch sieben Jahrhunderte Orgelgeschichte mit Werken der Gotik über Mozart bis zum Blues. Thomas Leicht von der Diakonie in Stetten war danach sichtlich überrascht: „Ich habe unsere ehemalige Orgel erkannt, aber sie klingt anders.“ Orgelbauer Mauch hatte dafür eine mögliche Erklärung: „Die Bauweise der Wiesenbacher Kirche ist für solch eine Orgel sehr gut geeignet – sie ist klanglich optimal an den Raum angepasst.“

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