Gerabronn / Langenburg / Rot am See Netze BW bevorzugt zwei Trassen

Gerabronn / Langenburg / Rot am See / Erwin Zolll 22.08.2018
In der Diskussion um die geplante Hochspannungsleitung von Kupferzell nach Rot am See hat eine neue Phase begonnen. Die Netze BW GmbH hat jetzt das Raumordnungsverfahren beantragt.

Nachdem die Netze BW den Antrag am vergangenen Freitag eingereicht hat, ist jetzt das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart am Zug. Es prüft, ob die eingereichten Unterlagen ausreichen und entscheidet dann über die Einleitung des Raumordnungsverfahrens.

Im Raumordnungsverfahren wird geprüft, ob die geplante 110-Kilovolt-Leitung mit dem Landesentwicklungsplan und dem Regionalplan grundsätzlich vereinbar ist. Erst dann folgt ein Planfeststellungsverfahren, in dem über die eigentliche Baugenehmigung entschieden wird.

In ihrem Antrag gibt die Netze BW zwei möglichen Korridoren den Vorzug. Die Variante mit der Bezeichnung E2 sieht eine Freileitung von Kupferzell nach Orlach vor. Von Orlach aus soll dann ein Erdkabel verlegt werden, das zwischen Hürden und Bächlingen das Jagsttal durchquert, an Binselberg und Michelbach/Heide vorbei nach Rechenhausen nördlich von Gerabronn verläuft, bei Amlishagen das Brettachtal kreuzt und schließlich bei Lenkerstetten an dem geplanten Umspannwerk ankommen soll.

Die zweite favorisierte Variante mit der Bezeichnung F3 setzt die in Orlach ankommende Freileitung fort; die Jagst soll ebenfalls zwischen Hürden und Bächlingen überquert werden. Dann soll die Freileitung südlich an Michelbach/Heide und Gerabronn vorbei verlaufen, das Brettachtal beim Stausee kreuzen und nördlich an Beimbach vorbei nach Lenkerstetten geführt werden.

Unterlagen werden ausgelegt

Im Raumordnungsverfahren, über dessen Einleitung das Regierungspräsidium binnen vier Wochen entscheiden muss, werden nicht nur die betroffenen Gemeinden und andere Stellen beteiligt, sondern auch die Öffentlichkeit. Zu diesem Zweck werden die Unterlagen einen Monat lang in den Gemeinden zur Einsicht ausgelegt. Bis zwei Wochen nach Ende der Auslegungsfrist kann sich jedermann zu dem Vorhaben äußern. Aller Voraussicht nach gibt es dann einen Erörterungstermin, bei dem das Regierungspräsidium mit den Beteiligten diskutiert. Das Landesplanungsgesetz sieht vor, dass das Raumordnungsverfahren binnen sechs Monaten abgeschlossen wird: Dennoch gehen RP und Netze BW davon aus, dass das Verfahren bis 2020 dauert.

Über die Bevorzugung der Varianten E2 und F3 hatte die Netze BW die Gemeinden bereits im Juni unterrichtet. Bis dahin hatte für das Unternehmen eine Freileitungstrasse mit dem Verlauf der Variante E2, also nördlich an Gerabronn vorbei, als Favorit gegolten. Nach einem Einwand der Bundeswehr, eine Freileitung dort könnte die Radaranlage in Lauda-Königshofen beeinträchtigen, hat sich die Netze BW jedoch von dieser Vorstellung verabschiedet. Dasselbe gilt für einen Freileitungskorridor bei Kirchberg, gegen den die Bundeswehr nach Angaben der Netze BW ein „potenzielles Zulassungshemmnis“ geltend gemacht hat. Vermutlich geht es dabei um einen Hubschrauber-Tiefflug-Korridor.

Unterdessen hat sich der Verein „Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Hohenlohe“ mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet und vor allem die Freileitungs-Variante F3 kritisiert. „Allein der Gedanke an eine zusätzliche Stromtrasse als Freileitung schmerzt die Hohenloher sehr“, schreibt Vorsitzende Ruth Tischer. Bei den favorisierten Strecken fänden sich „übermäßig viele Fluss- und Klingenquerungen“. Dort sei überall eine große Vielfalt an Vögeln, Waldtieren und seltenen Pflanzen anzutreffen. Am Panoramaweg südlich von Gerabronn sei der mögliche Korridor der Variante F3 besonders schmal. „Die Trasse würde deshalb zu nahe an die Stadt und das Naturschutzgebiet des Brettach­tals ragen“, heißt es in der Stellungnahme.

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