Die Gemeinde Michelbach steht seit Längerem in Kontakt mit der Geschäftsführung der Discounter-Kette Netto. Diese hatte signalisiert, einen Markt im Gewann „Wegleinsäcker“ bauen zu wollen. Als diese Nachricht in der Kommune die Runde machte, reagierte Uwe Ferdinand, Besitzer des Dorfladens in der Ortsmitte. Der Einzelhandelskaufmann bietet seither die Räumlichkeiten zum Verkauf an, da er neben einem Discounter nicht bestehen könne.
Per E-Mail erhielt die Gemeindeverwaltung am 19. Mai eine Petition mit einer Unterschriftenliste von rund 200 Personen, die sich gegen die Ansiedlung des Netto-Marktes und für den Erhalt des Dorfladens aussprechen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatten die Räte über diese Petition zu entscheiden. Es kam zu einer regen Diskussion.
Im Vorfeld informierte Bürgermeister Werner Dörr, dass zumindest das Thema „großer Netto“ vom Tisch sei und derzeit die Rentabilität einer kleineren Lösung mit 800 Quadratmetern Fläche beim Investor kalkuliert werde. Hierdurch würden sich die Grunderwerbs- sowie die Baukosten reduzieren. Dörr rechnet mit einer verbindlichen Entscheidung nach der Sommerpause.

Die Zeit drängt

„Dem Investor wurde mitgeteilt, dass der Gemeinde die Zeit drängt, da der ortsansässige Einzelhändler seinen Laden bereits von einem Makler anbieten lässt“, verkündet Dörr. Für die Kommune wäre es der schlimmste Fall, wenn der Markt nicht kommt und auch kein Einzelhändler mehr im Ort ansässig ist.
Da sich der Gemeinderat bereits vor längerer Zeit für einen Netto-Markt ausgesprochen habe, schlägt Dörr vor, die Petition abzulehnen und an dem Vorhaben festzuhalten. Die Gemeinde selbst könne, wie in der Petition gewünscht, keinen Markt betreiben. Gemeinderat Klaus Maas bestärkt Dörr: „Wir haben lange und ausführlich über das Thema diskutiert und auch Zugeständnisse gemacht. Ich möchte daran festhalten, einen Netto in Michelbach anzusiedeln.“ Wichtig ist Christoph Altdörfer, dass die Gemeinde von Netto eine verbindliche Zusage bekommt.

Michelbach an der Bilz

Verhandlungen schwierig

Marissa Ebert findet die Kommunikation mit der Netto-Geschäftsführung schwierig. „Wollen sie oder wollen sie nicht?“, stellt sie in den Raum. Sie schlägt vor, nicht nur auf Netto zu setzen, sondern auch andere Märkte wie etwa Rewe in Betracht zu ziehen. Dörr führt jedoch an, dass sich kein anderer Discounter finden lasse. „Heute geht es darum, den Antrag von der vorliegenden Petition abzulehnen“, mahnt er. Wenn Netto nicht komme, könne man sich Gedanken über weitere Möglichkeiten machen.
Bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung lehnte der Rat die Petition letztlich ab. Die Chance auf einen Netto-Markt in Michelbach besteht also weiter.