Nach Glyphosat und überhöhten Nitratwerten im Grundwasser, Skandalen um chemische und natürliche Düngemittel sowie zahlreiche Pflanzenschutzmittel ist die Frage, wie man Landwirtschaft nachhaltiger betreiben kann, eine Frage, die sowohl Landwirte als auch Verbraucher in Deutschland und darüber hinaus umtreibt. Damit einher geht meist der Gedanke, was für eine Welt man den Nachfolgegenerationen hinterlassen will, es erfordert also Voraussicht.

Für Daniel Kießecker aus Wittenweiler ist der Pfad in die Zukunft nicht zwingend an technologischen, genetischen oder chemischen Fortschritt gebunden, eine Rückbesinnung auf alte Bodenbearbeitungstechniken kann ebenfalls ihren Beitrag leisten. „Wie ich hier meinen Boden bearbeite“, sagt er mit Blick auf eines seiner Felder zwischen Wittenweiler und Gerabronn, „so hat auch mein Großvater schon seine Felder bearbeitet.“ Der ÖDP-­Kreisrat bewirtschaftet seit mehr als 15 Jahren den elterlichen Hof in Wittenweiler, inzwischen auch nach Bioland-Richtlinien.

Die Herausforderungen für die Landwirtschaft und die Landwirte sind groß. Auch Kießecker weiß darum: „Wir haben eine wachsende Weltbevölkerung, die versorgt werden muss. Gleichzeitig wird immer mehr Biomasse, und somit auch Ackerland, zur Energieerzeugung herangezogen“, sagt er, und: „Von den großen Konzernen und Interessenverbänden wird dann gesagt, dass es ohne Chemie und Gentechnik nicht geht. Daran glaube ich nicht, und daran glauben andere Ökolandwirte nicht.“

Seit vergangenem Jahr hackt und striegelt er auf seinen Äckern und zeigt sich mit den Ergebnissen so weit zufrieden. Es birgt für den Milchbauern sogar Vorteile: Auf seinen Ackerflächen baut er im Großen und Ganzen Futterpflanzen für das Vieh an, daher sät er teilweise Pflanzengemenge. „Zusätzlich zum Getreide habe ich auf diesem Feld Erbsen ausgebracht. Mit Pflanzenschutzmitteln ist das kaum möglich, da diese entweder der einen oder der anderen Nutzpflanze den ­Garaus machen würden“, sagt er mit Blick auf ein Feld bei Gerabronn.

Alternativen aufzeigen

Und auch einen weiteren Effekt der Arbeit mit Mechanik statt Chemie sieht Kießecker: „Wenn es zur Blüte kommt, dann sieht und hört man über diesen Feldern die Insekten. Bei benachbarten konventionellen Feldern herrscht dahingegen Grabesstille.“ Daher ist die mechanische Unkrautbekämpfung nicht nur für die immer stärker gefährdeten Bienen, sondern auch für Insektenfresser wie Rotkehlchen und andere Singvögel ein überlebenswichtiger  Gewinn.

„Ich möchte zeigen, dass es Alternativen gibt, die funktionieren. Letztlich muss jeder von uns, egal ob Landwirt oder Verbraucher, selbst wissen, wie er wirtschaftet und konsumiert“, so Kießecker. Er verweist auf den Agrarbericht von 2008, welcher sich mit der Frage beschäftigt, wie man die Welt auch 2050 noch ernähren kann, ohne die biologische Vielfalt weiter einzuschränken.

„Ich versuche mit einem möglichst geringen Ressourcenaufwand so nachhaltig und effektiv wie irgend möglich Landwirtschaft zu betreiben. Bisher erkenne ich keine Nachteile und das freut mich“, erklärt er mit einem Lächeln. Mit gutem Beispiel vo­rangehen und ihren Verpflichtungen gegenüber Menschen und Natur gerecht werden – so sieht Kießecker die Rolle der Landwirte.

Weltagrarbericht – ein außergewöhnliches Werk


Der 2008 veröffentlichte Welt­agrarbericht (IAASTD) stellt die umfassendste Analyse zu Ernährung und Landwirtschaft dar, die je erhoben wurde. Unter der Führung diverser UN-Organisationen arbeiteten zwischen 2002 und  2008 60 Regierungen und mehr als 400 Wissenschaftler aus aller Welt zusammen. Das Ergebnis: Die heutige industrielle Landwirtschaft sei aufgrund des hohen Einsatzes von Energie, Dünger und Pestiziden nicht mehr zeitgemäß und die Zukunft läge in kleinbäuerlichen und ökologischen Anbaumethoden. ng