Serie Nachgefragt: Sind die guten Vorsätze schon umgesetzt?

Crailsheim / JULIA VOGELMANN 03.04.2013
Vorsätze: Menschen aus Crailsheim, Gaildorf und Bad Mergentheim berichten, was aus ihren Vorsätzen und Wünschen für 2013 geworden ist.

Nun ist ein Viertel des neuen Jahres vergangen und wir waren neugierig, was aus den guten Vorhaben geworden ist. Was ist umgesetzt, gab es bereits die erste Enttäuschung oder war der innere Schweinehund der Gewinner?

Siegfried Engel (63), Rentner aus Gaildorf, hatte sich vorgenommen, seinen Ruhestand interessant zu gestalten, indem er Nachtwächterführungen mit Enkelin Leonie anbietet und geführte Radtouren plant. Drei Monate später hat sich bei ihm allerhand getan: "Es geht tatsächlich voran. Bis April werden es 15 Nachtwächterführungen sein, die ich gemacht habe. Außerdem habe ich im alten Schloss eine Geisterstunde gemacht. Ich weiß so viele Geschichten von meinen Nachtwächterführungen, so bin ich auf die Idee gekommen. Insgesamt sind es jetzt 23 verschiedene, die ich erzählen kann. Die Aktion war kurzfristig, aber mit 30 Teilnehmern ein Erfolg. Die Radtour, die ich planen möchte, gestaltet sich schwieriger. Ich muss genau planen, weil ich die Tour ja zu Kirchen im Limpurger Land machen möchte. Das Problem ist, dass evangelische Kirchen in der Regel geschlossen sind. Mit zwei Bekannten möchte ich die Strecke im Sommer befahren, und nach den Sommerferien soll es dann losgehen."

Leony Engel (8), Schülerin aus Gaildorf, wünschte sich, auf einem großen Pferd reiten zu dürfen: "Ich möchte immer noch auf einem großen Pferd reiten, doch diesen Wunsch muss ich noch ein wenig verschieben. Ich gehe jetzt zum Schwimmen und zum Tanzen, deshalb finde ich das mit dem Reiten nicht so schlimm. Außerdem habe ich eine Freundin gefunden. Darüber freue ich mich sehr, weil ich erst seit Januar auf der neuen Schule bin und es anfangs nicht so leicht für mich war."

Irmgard Schornberg (62), Kinderärztin aus Kreßberg, hatte geplant, eine interkulturelle Mutter-Kind-Gruppe im Bonifatius-Gemeindehaus in Crailsheim ins Leben zu rufen. "Wir haben im Januar mit drei Müttern und ihren Kleinkindern angefangen. Kurzzeitig waren wir dann weniger, doch jetzt sind es wieder drei Mütter, und so werden wir jetzt erst einmal weitermachen. Ich habe mir von Anfang an Zeit bis Ostern gegeben, die Gruppe zum Laufen zu bringen, und so bin ich ganz zufrieden. Wir haben viel Werbung gemacht mit Flyern in verschiedenen Sprachen. Die Mütter, die jetzt kommen, sind alle auf eigene Initiative gekommen. Die Dynamik der kleinen Gruppe ist toll, auch wenn es von mir viel Konzentration erfordert. Wir erarbeiten uns das gemeinsam. Zufällig sind die Kinder alle im gleichen Alter, und die Interaktion klappt gut. Wir unterhalten uns, singen und machen kleine Spielchen. Für die Kinder ist diese Kommunikation so wichtig, denn wenn sie in die Sprachgruppe kommen, die ich beim Kinderschutzbund anbiete, ist es für vieles einfach schon zu spät, deshalb möchte ich mit der Gruppe etwas anbieten, das früher ansetzt. Wir treffen uns jetzt jeden Mittwoch um 10 Uhr für anderthalb Stunden. Das Angebot ist kostenlos, und natürlich sind auch deutsche Mütter herzlich willkommen."

Tugba Ceyhan (17), Schülerin aus Gaildorf, stand Ende 2012 vor der Entscheidung zwischen Schule und Ausbildung und hatte sich fest vorgenommen, wieder mit Basketball anzufangen. "Mittlerweile bin ich mir ganz sicher, dass ich im Herbst nicht mehr weiter zur Schule gehen will. Ich bewerbe mich gerade als Bürokauffrau und für andere kaufmännische Berufe, um im Herbst eine Ausbildung zu beginnen. An Silvester hatte ich noch überlegt, mich als Bäckereifachverkäuferin zu bewerben, doch diese Ausbildung ist jetzt sozusagen mein Plan B. Mit dem Basketball konnte ich bisher aus Zeitgründen nicht anfangen. Zwei Nebenjobs und die Schule kosten mich einfach zu viel Zeit, um noch ein Hobby zusätzlich zu haben."

Bettina Kiderlen (41), Friseurin aus Goldbach, hatte sich bewusst nichts vorgenommen für das neue Jahr, sondern wollte die neuen Herausforderungen auf sich zukommen lassen. "Lange haben die neuen Herausforderungen nicht auf sich warten lassen. Meine große Tochter steht jetzt vor dem Wechsel in die weiterführende Schule, und das Ende der Grundschulzeit naht. Hier werden wir zusammen bestimmt viele neue Erfahrungen machen. Die zweite Herausforderung ist für mich das Singen nach Noten, um in einem Damentrio zu singen. Das macht mir großen Spaß. Der dritten Herausforderung stelle ich mich beruflich. Ich war auf einer Messe und bin mit vielen neuen Eindrücken und Ideen zurückgekommen, die ich umsetzen möchte. Es war also nicht nötig, mir etwas vorzunehmen, das Leben kommt von selbst auf mich zu und fordert mich heraus."

Roland Demel (77), Rentner aus Bad Mergentheim hatte sich vorgenommen, im neuen Jahr an sich selbst zu arbeiten, ruhiger zu werden, dazuzulernen und auf die Gesundheit zu achten. "Man sollte es nicht glauben, aber wenn man etwas öffentlich verspricht, dann hält man es auch. Durch meine Vorsätze bin ich mit meinen Enkeln gut ins Gespräch gekommen über unser Verhältnis. Das hat bei uns allen etwas bewirkt. Darüber freue ich mich. Sonntags sitze ich jetzt auf dem Sofa und lese, auch auf meinem Nachttisch stapeln sich die Bücher. Tatsächlich habe ich auch ein wenig Gewicht verloren. Ich habe angefangen, das Essen besser über den Tag zu verteilen und am Abend weniger zu essen."

Lisa Kavcic (17), Auszubildende aus Bad Mergentheim, hatte sich vorgenommen, sich mehr den Freunden und der Familie zu widmen. Außerdem wollte sie joggen gehen und ein wenig abnehmen. "Ich mache tatsächlich mehr mit Freunden und der Familie, auch wenn diese das vielleicht gar nicht so wahrnehmen. Das sind kleine Dinge, wir treffen uns, gehen gemeinsam weg, haben Spaß und entspannen uns. Aus dem Joggen ist bis jetzt noch nichts geworden, aber ich habe angefangen, bewusster zu essen. Eine richtige Diät mache ich aber nicht."

Olaf Walch (44), Diplomsozialpädagoge aus Crailsheim, wollte sich auch im neuen Jahr die innere Ruhe und seine positive Lebenseinstellung nicht nehmen lassen. "Ich versuche, das auch weiterhin umzusetzen. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, aber dann muss ich mich eben wieder auf diese innere Ruhe zurückbesinnen. Die hektische Zeit hat uns alle im Griff, und deshalb ist daraus für mich so etwas wie meine Lebensphilosophie geworden. Einfach dem entgegenzuwirken und zu sagen bis hierher und nicht weiter."

Uwe Kurz (49), Einzelhandelskaufmann aus Bad Mergentheim, wollte das neue Jahr gesünder und bewusster in allen Bereichen angehen. "Die Vorsätze sind nach wie vor da, aber in der Umsetzung hapert es ein wenig. Bei der Ernährung ist es mir gelungen, tatsächlich bewusster zu werden. Daheim am Herd herrscht jetzt mehr Abwechslung. Salat und Gemüse sind in den Vordergrund getreten, und das wollen wir auch so beibehalten. Zwar habe ich noch keine Kilos verloren, aber im Kopf hat sich etwas verändert, ich greife nicht mehr einfach zu, ohne nachzudenken. In der Fastenzeit habe ich auf Sahnetorte, Eis, Schokolade und harten Alkohol verzichtet. Die freie Zeit bewusst zu nutzen, fällt mir immer schwerer, weil sich alles immer mehr beschleunigt. Den Schalter im Kopf nach der Arbeit auf Freizeit umzulegen, ist eine Kunst, an der ich noch arbeiten muss. Deshalb ist dieser Vorsatz im Alltag präsenter denn je."

Veronika Ludwig (7), Schülerin aus Alexandersreut, hatte sich vorgenommen, auf zwei Mama-Tage zu bestehen und die Privatsphäre ihrer älteren Geschwister mehr zu respektieren. "Den Mama-Tag haben wir mittlerweile gemacht. Meine Mama hat extra unseren Hofladen einen Tag lang zugemacht, und wir sind nach Ellwangen gefahren. Dort waren wir im Wellenbad, im Buchladen, und wir haben uns die Kirche auf dem Schönenberg angeschaut. Den zweiten Mama-Tag haben wir für die Osterferien geplant, dann wollen wir ins Kino gehen. Meine Geschwister ärgere ich nicht mehr so sehr. Sie sagen, es klappt jetzt ganz gut. Aber ich bin halt immer noch neugierig und deshalb fällt es mir manchmal schwer, sie in Ruhe zu lassen. Aber ich strenge mich an."